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Ludwigslust FreD hilft beim Reflektieren

Von mick | 15.02.2014, 07:00 Uhr

Diakoniewerk bietet in Ludwigslust neues Programm für erstauffällig gewordene Drogenkonsumenten an / Am Dienstag offizielle Veranstaltung

Für denjenigen, der wegen des Besitzes von illegalen Drogen polizeilich aufgefallen ist, wird es brenzlig. Für dieses Vergehen wird die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren einleiten. Ob das mit einer Bewährungs- oder gar mit einer Gefängnisstrafe endet, ist von mehreren Faktoren abhängig.

Damit solche Fälle nur noch selten vorkommen, bietet das Haus Sonnenschein des Diakoniewerkes ein neues Programm an. FreD, was ausgesprochen Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten bedeutet, wendet sich vor allem an 14- bis 21-Jährige. „Es ist ein Gruppenprogramm für vier bis zehn Teilnehmer“, sagt Claudius Hannemann. Er ist neben Sissy Cedrewitz eine der beiden pädagogischen Kräfte, die extra für dieses Programm ausgebildet wurden. „Wir mussten die gleichen Module und Gespräche durchlaufen, die auch die Teilnehmer wahrnehmen werden“, sagt Sissy Cedrewitz, die schon seit längerem kleine Gruppen moderiert. Dazu gehören unter anderem gruppendynamische Spiele, bei denen die Teilnehmer ins Gespräch kommen sollen.


Beginnen, über den eigenen Konsum nachzudenken

„Unser Ziel ist es, dass die jungen Erwachsenen durch die Fragen der anderen beginnen, über ihren eigenen Konsum nachzudenken und ihn zu reflektieren“, erläutert Claudius Hannemann. Der 35-Jährige zeigt auf ein Plakat, auf dem ein ehemaliger Teilnehmer seine Sucht-Karriere dargestellt hat. Darauf ist deutlich zu sehen, dass der Alkoholkonsum dieses Betroffenen in seiner Lehrlingszeit besonders hoch gewesen war. Er habe damals einfach die falschen Freunde gehabt, gibt Hannemann eine Erkenntnis dieses ehemaligen FreD-Teilnehmers wieder. Wann und warum trinke ich? Und wieviel? Das sind zentrale Fragen, die bei den Gesprächen möglichst umfassend (auf)geklärt werden sollen. „Es führt in einigen Fällen zu einem bewussterem Konsum von Alkohol“, erläutert Hannemann.

Das FreD-Programm, das vom Landschaftsverband Lippe vor einigen Jahren entwickelt wurde, umfasst fünf Veranstaltungen. In einem ersten, persönlichen Gespräch mit den betreuenden Pädagogen wird geklärt, ob der jeweilige Mensch überhaupt gruppentauglich ist. Vier bis zehn Teilnehmer nehmen an den vier Sitzungen teil. Sie werden stets von zwei Pädagogen moderiert und dauern zwei Stunden. „Wir können die Teilnehmer nur zum Nachdenken und Reflektieren anregen“, sagt Claudius Hannemann.


Zuweisung zu dem Programm nur von obersten Stellen möglich

Er hatte erst im Januar die Ausbildung zu einem FreD-Moderator in Münster absolviert und will seine Fähigkeiten nun anwenden. „Wir haben dort die Kursinhalte ausprobiert, haben durchgenommen, wie ein Kurs ablaufen könnte“, erklärt Claudius Hannemann, der das Programm sehr befürwortet. Er hatte zuvor erst einmal nur begleitend Kurse von seiner Kollegin Sissy Cedrewitz besucht und mit ihrem Material gearbeitet, bevor er im Januar eine einwöchige Weiterbildung antrat.

Allerdings sei es bis jetzt immer relativ schwierig gewesen, das Programm anzuwenden. „Es kann nur von den obersten Stellen diverser Ämter oder Behörden zugewiesen werden“, erläutert Hannemann. Dennoch habe es in der Vergangenheit sowohl Kurse in Ludwigslust als auch bei den Kollegen in Parchim gegeben. „Das Programm ist besonders da wirkungsvoll, wo gute Gespräche zustande kommen, die Teilnehmer zu eigenen Erkenntnissen kommen und Dinge erst einmal richtig verstehen können“, sagt der Pädagoge. Die Wirkungsweise von FreD sei auch von einem unabhängigen Forschungsinstitut bestätigt worden.

Damit das Programm noch bekannter wird und öfter angewandt werden kann, gibt es am Dienstag eine große, öffentliche Veranstaltung in Schwerin. Die Landeskoordinierungsstelle lädt dazu im Auftrag des Sozialministeriums einige Vertreter der Justiz, der Polizei, des Schulamtes sowie weiterer Einrichtungen ein. „Sie können dann zuweisen, wo das Programm angewandt werden soll“, sagt Claudius Hannemann.