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Schwerin Etiketten aus Künstlerhand

Von zvs | 04.09.2009, 01:57 Uhr

Sie sind zwar keine Gärtner, aber für jede Gartenschau unverzichtbar: Ehepaar Haebler stellt die Etiketten her, die an den verschiedenen Pflanzen prangen. In einem Bürocontainer hinter der Blumenhalle werkeln die beiden jeden Tag - und schauen dabei auf 44 Jahre Buga-Erfahrung zurück.

Angefangen hat alles bereits 1965. Der junge Grafiker Reiner Haebler suchte einen Job und die Bundesgartenschau-Gesellschaft in Karlsruhe suchte einen

Grafiker. "Ich hatte nicht viel zu tun, viel Spaß gemacht hat das damals nicht." Aber Reiner Haebler hatte Buga-Luft geschnuppert. Zwei Jahre später stieg er dann mit seiner Frau Bärbel "richtig" ein.

Für die Karlsruher Gartenschau mussten Etiketten geschrieben werden. Die Haeblers hatten inzwischen ihren eigenen kleinen Betrieb. Die Etiketten waren ihr Geschäft. "Von Hand musste jedes Schildchen gestaltet werden, in Schönschrift und vor allem mit korrekten Namen darauf", erinnert sich Reiner Haebler. Bis tief in die Nacht ging die Arbeit so manches Mal. Dazu kam: Der studierte Künstler machte abends Musik, um Geld zu verdienen. Die Schilder "nebenbei" zu schreiben war aber fast unmöglich. Da sprang Bärbel

Haebler ein. Obwohl sie eigentlich gar keine Ahnung hatte. Denn sie hatte Bibliothekswissenschaften studiert - in Leipzig. Aber nach zwei Semestern war sie weggegangen aus der DDR, das war 1956.

Heute sind die Haeblers immer noch im "Etiketten-Geschäft". Reiner hat sich etwas zurückgezogen, die Hauptarbeit macht Bärbel. "Gartenschauen sind mein Sandkasten", sagt sie.

Insgesamt haben die Haeblers bisher 20 Bundesgartenschauen und 15 Landesgartenschauen bedient. Nur in Cottbus 1995 und in München 2005 waren sie nicht dabei. Trotzdem kann sich die Bilanz sehen lassen: 500 Buga-Hallenschauen hat das Ehepaar inzwischen mit rund 400 000 Etiketten und Schildern bestückt.

Hinter der Blumenhalle der Bundesgartenschau in Schwerin steht auf dem Wirtschaftshof ein unscheinbarer Standard-Bürocontainer. Das ist das Reich von Bärbel Haebler. Ein Regal, ein Tisch, ein Stuhl, zwei Computer und ein Plotter - die Ausstattung ist eher spartanisch. Hier wurden für die Buga bereits mehr als 11 000 Etiketten und Dutzende von Schildern produziert. "Die Rechentechnik hat vieles vereinfacht", sagt Bärbel Haebler. "Trotzdem müssen wir eine hohe Qualität sicherstellen." Für sie heißt das: Jeder Begriff, der ihr von den Ausstellern genannt wird, wird noch einmal überprüft. "Dafür haben wir 16 000 Begriffe im Computer und unsere Nachschlagewerke immer griffbereit."

Alle zwei Jahre eine Bundesgartenschau, dazwischen Landesgartenschauen - für die

Haeblers heißt das, sich immer wieder eine neue Wohnung zu suchen, wenn auch der Hauptwohnsitz Karlsruhe bleibt. "Durch unser Umherziehen haben wir Deutschland sehr gut kennen gelernt", sagt Reiner Haebler. In Schwerin frönt Reiner Haebler seiner großen Leidenschaft, dem Jazz. Im Weinhaus Uhle finden jeden zweiten Mittwoch im Monat Jazz-Abende statt. Wer sein Instrument mitbringt und mitspielt, der hat die Getränke frei. Doch um das Freibier geht es Haebler nicht. Er hätte auch Musiker werden können, meint er, spielt Saxophon, Klarinette und Cello. Der Jazz ist eben seine Leidenschaft.

Auch Bärbel Haebler sucht den Ausgleich. Sie webt in der Freizeit, wenn sie denn mal in Karlsruhe zu Hause ist, feine Gobelins. Doch für ihr Hobby ist jetzt keine Zeit. Die Buga in Schwerin fordert die ganze Aufmerksamkeit. Jede Woche gibt es eine neue Hallenschau - da müssen die Etiketten rechtzeitig und richtig bereit stehen.

Und nach der Buga 2009? Die Haeblers könnten sich zur Ruhe setzen. "Es ist wie ein Virus, das einen gepackt hat", sagt Bärbel Haebler. Ob sie bei den nächsten Gartenschauen wieder dabei sein will, lässt sie deshalb erst mal offen.