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dömitz Ein Schatz aus Ansichtskarten

Von katt | 28.02.2014, 07:00 Uhr

Museum Festung Dömitz zeigt erstmals Ausschnitt aus angekaufter Sammlung / Veranstaltungsprogramm für das laufende Jahr vorgestellt

Jürgen Scharnweber sitzt in seinem Büro und blättert in einem dicken Album. Auf den eingehefteten Ansichtskarten entdeckt er die Festung Silberberg in Schlesien, Gebäude in Danzig und anderen westpreußischen Städten, aber auch Szenen vom Schlachtfeld und aus dem Schützengraben. „Ansichtskarten hielten früher nicht nur schöne Momente fest. Sie dienten auch der Kriegsverherrlichung und Propaganda“, sagt der Leiter des Museums Festung Dömitz. Diesem Aspekt will er in der geplanten Ausstellung „Historische Ansichtskarten aus aller Welt“ deshalb auch eine eigene Schautafel widmen. Darüber hinaus werden Besonderheiten, Persönlichkeiten und Kostbarkeiten europäischer und ferner Länder sowie europäischer Adelshäuser zu sehen sein. Die Schau, die Auszüge aus der Sammlung des verstorbenen Wilfried Stövesand präsentieren wird, ist eine von vielen Ausstellungen und Veranstaltungen, die es in diesem Jahr auf der Festung Dömitz gibt. Gestern stellte Jürgen Scharnweber das Programm vor.

Vor rund zehn Jahren hatte das Museum die Sammlung von Wilfried Stövesand erwerben können. Eine Sammlung, die bezüglich Umfang und Inhalt Ihresgleichen sucht. Genau nachgezählt hat Jürgen Scharnweber noch nicht – aber in den 47 Alben dürften sich mehr als 25 000 Ansichtskarten befinden. Karten mit Schwarz-Weiß- und Farbfotos, mit nachträglich kolorierten Bildern, mit Zeichnungen und Grafiken. Druckfrische Karten und beschriebene, mit der Reichspost oder der Feldpost verschickte.

Jürgen Scharnweber hatte den Sammler, der in jungen Jahren von Bad Doberan nach Bremen gezogen war, bei Tagungen von Militärhistorikern kennengelernt. Wilfried Stövesand hinterließ dem Museum eine Sammlung historischer Orden und Ehrenzeichen. Durch den Kontakt zu den Erben ergab sich die Chance, weitere Teile der Sammlung – die Ansichtskarten, gekaufte und selbst gegossene Zinnfiguren, Bücher und Modelle von Kriegsgerät – zu erwerben. Nachdem einige Karten mit Mecklenburg-Motiven schon bei einer anderen Schau gezeigt worden waren, soll sich die am 10. Mai beginnende Ausstellung nun speziell mit dem Fundus beschäftigen. „Natürlich können wir nur einen Ausschnitt daraus zeigen, etwa 500 Ansichtskarten“, erklärt Jürgen Scharnweber. Die Ausstellung greift das Motto des diesjährigen Museumstages „Sammeln verbindet“ in besonderer Weise auf.

Doch auch die anderen Sonderausstellungen, die in der Galerie in der Hauptwache und in der Turmgalerie des Museums geplant sind, können sich sehen lassen. Ab April wird Patchworkkunst von Brunhilde Junge aus Dömitz gezeigt, ab Ende Juni Fotografien von Nicole Bernfeld aus Dodow und ab August Plakate des Berliner Grafikers Manfred Butzmann unter dem Titel „Butzmann’s Heimatkunde“. Zum 25. Jahrestag der Grenzöffnung ist eine Schau geplant, die die Elbe damals und heute gegenüberstellt. Sie wird in Zusammenarbeit mit dem Amt für das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe konzipiert und im Zeughaus gezeigt.

Darüber hinaus werden einige Veranstaltungen mit Tradition wieder Besucher auf die Festung locken. Am Pfingstsonntag sind die 10. Norddeutschen Tage und der 20. Historische Kunsthandwerkermarkt geplant, im Oktober der Tag der Landesgeschichte, und der Tag des offenen Denkmals im September wird unter dem Thema „Farbe“ stehen. Weitere Hochkaräter sind eine Klassik-Open-Air-Aufführung, ein Benefizkonzert mit dem Marinemusikkorps aus Kiel, ein Konzert der „Amigos“ und eine Schlagernacht. Und nach dem durchschlagenden Erfolg im vergangenen Jahr wird das Museum wieder rausgehen an die historischen Orte. „Bei den Stadtführungen anlässlich des 60-jährigen Bestehens unseres Museums, beispielsweise zur Dynamitfabrik oder zur Eisenbahnelbbrücke, haben wir das große Interesse der Besucher gespürt“, sagt Jürgen Scharnweber. „Und wir haben dadurch neues Museumsgut bekommen.“ Deshalb soll es die thematischen Führungen auch in diesem Sommer wieder geben.