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Ludwigslust Ein „Mini-Silicon-Valley“ für Lulu

Von Sabrina Panknin | 18.05.2018, 20:45 Uhr

Ludwigsluster Bürgermeisterkandidaten sprachen von Stärken und Schwächen der Lindenstadt beim Wahlforum vor Unternehmern

Anders als einen Tag zuvor beim „Heißen Stuhl“ des Senioren- und Jugendbeirates im Zebef Ludwigslust blieben in der Orangerie beim Wahlforum des Unternehmerverbandes Ludwigslust-Parchim einige Stühle leer. „Ich hätte mir ein bisschen mehr Resonanz gewünscht“, sagt Guido Raabe, Regionalgeschäftsstellenleiter der Geschäftsstelle Ludwigslust-Parchim des Unternehmerverbandes Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin. Leer dagegen waren die Stühle der Kandidaten nicht geblieben: Daniel Günther (CDU), Reinhard Mach (Einzelbewerber), Heiko Böhringer (Alternative für Ludwigslust), Jana Klewe (SPD) und Camill von Loesch (Einzelbewerber) stellten sich den Fragen der Unternehmer und die des Moderators: Thomas Böhm, Chefredakteur TV Schwerin. Er stoppte die Zeit, klimperte mitunter mit seinem Schlüssel, wenn die Redezeit dem Ende entgegensteuerte – was selten der Fall war.

Beim Wahlforum eines Unternehmerverbandes dreht sich selbstverständlich vieles um die Wirtschaft. Deshalb auch zu Anfang die Frage nach den Stärken und Schwächen der Lindenstadt. An und für sich waren sich die Kandidaten allesamt einig: Ludwigslust habe einen guten Mix an mittelständischen Unternehmen. Für Camill von Loesch gebe es aber noch einige „ungehobene Schätze“, mit denen mehr Geld verdient werden könnte. Vor allem im Tourismus. Die Sozialdemokratin Jana Klewe sieht noch Potential bezüglich weiterer Unternehmensansiedlungen. „Wir haben noch Platz, warum nicht versuchen, ein Mini-Silicon-Valley entstehen zu lassen.“ Heiko Böhringer wolle vor allem auf Unternehmen setzen, die eigene Produkte herstellen. Amtsinhaber Reinhard Mach freue sich vor allem über eines: „Wir sind bei der Wirtschaftsförderung gut aufgestellt, schließlich haben wir einen eigenen Wirtschaftsförderer.“ Er wolle sich darum kümmern, dass die infrastrukturellen Begebenheiten sich weiterhin verbessern. Der CDU-Kandidat Daniel Günther freue sich über die Unternehmen vor Ort, weil sie sehr stark „das Ideal des ,made in Germany‘ verkörpern.“ Er weist daraufhin, dass sie in Ludwigslust wieder punkten könnten, wenn die Bezahlung stimme. Das zöge auch wieder jüngere Familien an.

Demografischer Wandel und Wirtschaft bedingen einander. Deshalb verwunderte es nicht, dass Moderator Thomas Böhm fragte, wie die Kandidaten – im Falle ihrer Wahl zum Bürgermeister – mit diesem Problem umgehen wollen. Reinhard Mach wolle früh ansetzen. Deshalb gibt es ein Förderprogramm für Familien mit Kindern unter zehn Jahren. „Wir bringen in diesem und im nächsten Jahr weitere Wohnbauflächen an den Markt.“ Dabei setzt der Amtsinhaber gerade auf Familien mit Kindern, die letztendlich Wurzeln schlagen sollen. Für Daniel Günther dürfe aber auch der Wohnraum für Berufsanfänger nicht außer Acht gelassen werden. „Ich denke nicht, dass Berufsanfänger gleich ein Haus bauen wollen. Deshalb braucht Ludwigslust einen ausgewogenen Mix an Wohnungen und Bauplätzen.“ Heiko Böhringer legt sein Augenmerk auf Frauen zwischen 20 und 40 Jahren.

Nicht aus dem Blick verlieren, dürfe man die älteren Einwohner. „Wir müssen mehr in der häuslichen Pflege machen und dafür sorgen, dass die Stadt barrierefreier wird“, sagt Jana Klewe, die sich für eine Brücke neben der Schlossbrücke ausspricht. Camill von Loesch sieht vor allem im Pflegebereich eine große Marktlücke, die er schließen wolle.

Interessant seien einige Ansätze der jeweiligen Kandidaten gewesen, sagt Jan Becker, Remondis-Geschäftsführer. Schade findet er nur, dass vor allem nur über Abiturienten und ihre Chancen gesprochen wurde. „Auch ein Realschulabschluss ist etwas wert und eine gute Ausbildung in einem mittelständischen Betrieb“, verdeutlicht er seinen Standpunkt. Seine Wahlentscheidung aber habe sich nach diesem Forum nicht verändert. Da kann sich Mario Düde von Elektro Düde aus Ludwigslust nur anschließen.

Lediglich eine Frage hat es aus dem Publikum gegeben: „Treten Sie alle für die vollen acht Jahre an“, wollte Christian Geier wissen. Ein Nein gab es von niemandem.