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ludwigslust Eigener Treff in Himbeer und Limette

Von muen | 12.02.2014, 07:00 Uhr

Junge Leute richten in Ludwigsluster Jugendclub eine Fernsehecke ein und tapezieren selbstständig Raum / Zimmer soll auch Couch erhalten

Mit einem Spachtel entfernt Lukas Podolla die hellblaue Tapete im einstigen Kreativraum des Ludwigsluster Jugendklubs. Die Wandverkleidung ist ziemlich hartnäckig – nur kleine Schnipsel „segeln“ auf den Boden, obwohl der junge Mann das Werkzeug kraftvoll ansetzt. „Wir haben bereits am Montag vergangener Woche mit den Renovierungsarbeiten begonnen“, sagt der 16-Jährige.

Jugendliche der Lenné-Regionalschule sowie des Goethe-Gymnasiums bauen sich selbstständig eine Fernseh-Ecke in den Raum ein. „Die kleine Kammer war vorher ein Tonstudio für Musikschüler und wo der Fernseher nun hineinkommt, war eine Plexiglas-Scheibe drin“, sagt Nolen Kunert. Der 16-Jährige hatte die Scheibe mit seinem Kumpel Fiete Drews entfernt. „Es musste noch die Fläche unter dem Plexiglas und auch an einer Seite mehr Platz für den Fernseher geschaffen werden“, schildert Fiete Drews. Die Unterkante konnte gleich verspachtelt, doch die Längsseite musste zunächst mit Holz aufgefüllt und dann verkleidet werden, sagt er und streicht mit der Hand über den glatten Rand. Die jungen Männer sind bei diesem Projekt erstmals – mehr oder weniger – alleine handwerklich tätig. „Ich hatte mein Zimmer zu Hause mal mit meinem Vater gemalert“, nennt Fiete Drews erste Erfahrungen.

Die Jugendlichen hatten sich in der Vergangenheit oft in dem Raum, in dem jüngere Kinder kreativ tätig waren und Musikschüler die kleine Nische als Tonstudio nutzten, aufgehalten. „Wir kommen nach der Schule oft hier her und treffen alle wieder“, sagt Johanna Meyer. Da ist es nun fast kein Wunder, dass sie den Raum neu gestalten.

„Es entstand die Idee, den Kreativraum nach vorne zu verlegen und diesen hinteren Raum umzugestalten“, sagt Dirk Köhn, pädagogischer Mitarbeiter des Zebef, zu dem der Jugendklub gehört. Zunächst sollte nur eine Fernsehecke eingerichtet und die Tapeten gestrichen werden. Doch als sie mit den „Malerarbeiten“ beginnen wollten, habe sich die Wandverkleidung plötzlich stellenweise gelöst, schildert Köhn. Aber die 11- bis 19-Jährigen waren sofort bereit, das Zimmer auch selber zu tapezieren. Weil das alte Papier nur schwer von der Wand entfernt werden konnte, hätten sie sich sogar Rat von Experten geholt. Den Tipp, eine Malerrolle in Wasser zu tauchen und damit die alte Tapete zu befeuchten, befolgten die Mädchen und Jungen streng.

„Sie identifizieren sich mit ihrem Raum und kochen während der Renovierungsarbeiten auch gemeinsam das Essen“, schildert Dirk Köhn. Er habe gerade nichts besseres zu tun und zu Hause sei es langweilig, nennt Lukas den Grund für sein Engagement. Die Jugendlichen brauchen fast zwei Tage, um die hartnäckige Tapete zu entfernen. Auch Johanna Meyer und Michelle Bischoff stehen mit einem Spachtel an der – noch hellblauen – Wand. „Uns macht es Spaß, hier mitzuhelfen“, sagt die 14-jährige Johanna. Sie mache mit, weil sie später den Raum auch nutzen werde und dann solle er auch schön aussehen, fügt die Ludwigslusterin hinzu.

Dafür, dass sie sich später in dem Raum auch wohlfühlen werden, haben sie bereits gesorgt. Als sie zu Beginn die Materialien für Malerarbeiten besorgten, haben sie natürlich neue Farbe gekauft. „Es soll ein Raspberry-Rot an die Wand kommen“, sagt Johanna zu dem himbeerroten Ton. Auch ein Limettengrün wird später im Zimmer „leuchten“.

Die Jugendlichen wollen sich einen ganz eigenen Raum schaffen. „Es soll auch noch eine Couch in den Raum gestellt werden“, sagt Fiete Drews. Angedacht sei, dass sie später den Raum eventuell auch an Wochenenden nutzen können. Bis dahin sei es aber noch ein gewisser Weg, sagt Pädagoge Dirk Köhn.

Doch das aktuelle Projekt funktioniere aus seiner Sicht schon ganz gut. „Die pädagogischen Effekte sind toll, und wenn etwas gut klappt, dann sage ich ihnen auch, dass ich stolz auf sie bin“, erzählt Dirk Köhn. Plötzlich ruft Johanna:„Dirk, wir müssen nachher noch die Leisten abkleben.“