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Diebstahl auf Bestellung in Neustadt-Glewe Diebe haben es auf Spezial-Brummis abgesehen

Von Franca Niendorf | 05.12.2016, 19:15 Uhr

Beutezug an der A 24 belastet betroffene Betriebe. Polizei geht von Hehlern im Hintergrund aus.

Nach dem gezielten Beutezug von Lkw-Dieben am Wochenende an der Autobahn 24 müssen die betroffenen Unternehmen den Verlust erstmal verdauen und nach Optionen suchen, den Betrieb am Leben zu halten. „Für uns ist das wirtschaftlicher Schaden“, sagte Maik Lemcke, Prokurist bei Güte-Beton in Lüttow/Zarrentin. Ihm wurden zwei Betonmisch-Laster im Wert von 200.000 Euro vom Firmengelände gestohlen. Der Diebstahl eines dritten Fahrzeuges scheiterte laut Polizei.

In einem zweiten Fall stahlen Unbekannte eine mit Feuerwerkskörpern beladene Sattelzugmaschine vom Gelände einer Transportfirma in Neustadt-Glewe. Auch dort misslang der Versuch, einen zweiten Laster zu knacken. Schaden: ebenfalls 200.000 Euro.

Ob beide Vorfälle zusammenhängen, prüft die Polizei derzeit. Laut Sprecher Klaus Wiechmann sind die Täter professionell und zielgerichtet vorgegangen. „Wir gehen davon aus, dass die Firmen zuvor ausgespäht wurden.“ In Neustadt-Glewe hatten sie es auf Feuerwerkskörper abgesehen. Dort sei es wahrscheinlich rein um den Inhalt gegangen, so Wiechmann. Die Polizei vermutet Hehler im Hintergrund, die kurz vor Silvester Ware für den Schwarzmarkt brauchen.

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Bei den Betonmisch-Lastern aus Lüttow  handelt es sich um zwei hellgraue Fahrzeuge der Marke Mercedes mit blauen Streifen und den  Kennzeichen LWL-GB 340 und LWL- GB 361.  Die weiße Sattelzugmaschine der Marke DAF samt  beladenem Auflieger  aus Neustadt-Glewe  hat ein Ludwigsluster Kennzeichen und trägt auf der Front die Aufschrift „LSN Neustadt-Glewe“ sowie „DAF Neustadt“. Der Auflieger der Marke Schmitz Cargobull ist mit einer grauen Plane bedeckt. Hinweise zu beiden Fällen bitte an die Polizei in Ludwigslust unter Telefon 03874-4110.

Am Montagnachmittag gab es erste Hinweise, dass sich der Sattelschlepper aus Neustadt-Glewe in Polen befindet. Das habe die Auslesung des Fahrzeuges an den Mautstellen ergeben, so Wiechmann. Die Täter sind offensichtlich unmittelbar nach der Tat über die A 24 und dann die A 11 in Richtung Nachbarland gefahren. „Die Fahndung ist ausgeweitet. Wir arbeiten jetzt eng mit den polnischen Kollegen zusammen.“

Lkw-Diebstähle kommen laut Polizei in der Region immer mal wieder vor. „Es sind Einzelfälle, allerdings immer mit hohem Schaden“ für die Firmen. Das Betonwerk in Lüttow bei Zarrentin ist nicht das erste Mal betroffen. Gleiches hört Maik Lemcke von Mitbewerbern aus der Branche. Er spricht von „Diebstählen auf Bestellung“. Bestimmt zehn Mal innerhalb der letzten 20 Jahre hätten Diebe das Gelände in Lüttow geplündert, schätzt Maik Lemcke. Mit erheblichen Folgen. Im aktuellen Fall sind die Fahrzeuge erst zwei und drei Jahre alt gewesen. Die Firma ist zwar versichert, aber „egal welche Police du hast, sie zahlt nur den Zeitwert“. Und davon könne er sich keine neuen Fahrzeuge kaufen. Das Werk muss also auf seine Rücklagen zurückgreifen. Und das Gelände besser schützen? Videoüberwachung, GPS-Systeme, Sicherheitsdienst – „Was sollen wir noch machen?“

Im Winter will der Lüttower Prokurist nicht mehr in neue Fahrzeuge investieren. In der Baubranche sei dann nicht so viel los. Aktuelle Aufträge arbeitet das Unternehmen jetzt mit angemieteten Betonmisch-Lastern von Spediteuren und den übrigen fünf eigenen Fahrzeugen ab. Das bedeutet, produzieren und liefern unter Mehrkosten. Weiterer Knackpunkt: Zwei Kraftfahrer können derzeit nicht arbeiten. Sie müssen nun Stunden abbummeln.