Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Besonderer Zaunkönig Der mit dem großen Schnabel

Von muen | 26.12.2017, 20:55 Uhr

Natureum in Ludwigslust hat jetzt ein ganz besonderes Exponat: Einen präparierten Zaunkönig mit einer Schnabelanomalie.

Eigentlich sieht er ja ganz normal aus, der kleine Piepmatz. Wenn da nicht der für ihn eigentlich viel zu große Schnabel wäre.

Der Zaunkönig auf dem Foto „landete“ unlängst im Ludwigsluster Natureum und ist damit eines der neuesten Exemplare im dortigen Museum. Der Vogel ist ausgestopft, sein Weg ins Natureum recht ungewöhnlich. Uwe Jueg, Vorsitzender der Naturforschenden Gesellschaft Mecklenburg (NGM), die das Natureum betreibt, erläutert den Werdegang: „Die Ludwigsluster Polizei hat sich bei uns gemeldet und gefragt, ob wir Interesse an dem Exemplar haben.“ Nanu, die Polizei? Das wiederum kann Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust erklären: „Ein älterer Mann aus unserer Region hatte den präparierten Vogel im Internet erworben. Was er nicht wusste: Der Verkäufer handelte möglicherweise illegal mit solchen Produkten.“ Der Zaunkönig ist zwar nicht vom Aussterben bedroht, aber eine geschützte Art. Uwe Jueg: „Um einen Zaunkönig präparieren zu dürfen, bedarf es einer entsprechenden Genehmigung. Dafür wiederum ist unter anderem ein schriftlicher Nachweis nötig, wo das Tier herkommt.“

Der Polizei in dem betreffenden Bundesland war der „Händler“ aufgefallen, der im Internet offenbar massenhaft Tierpräparate verkauft und hatte, und bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei ermittelten die dortigen Beamten auch, wohin die Präparate verkauft wurden. Und so kam man auch auf den Käufer in unserer Region. „Er war völlig überrascht, als unsere Beamten plötzlich vor seiner Tür standen und war sehr kooperativ“, so Polizeisprecher Wiechmann.

Heißt: Der Mann gab den Zaunkönig sofort heraus. Laut Polizei konnte er nicht wissen, dass der „Verkäufer“ möglicherweise illegal gehandelt hat. Polizeisprecher Klaus Wiechmann: „Wir haben beschlossen, den Vogel einer Einrichtung für einen gemeinnützigen Zweck zu überlassen und sind auf das Natureum gekommen.

Für die NGM ein Glücksfall. Experte Uwe Jueg: „Der Schnabel ist für einen Zaunkönig viel zu lang und gebogen.“ Zunächst hatte Uwe Jueg einige Zweifel an der Echtheit des Ganzen. „Es konnte eine Fälschung sein, sich um eine Schnabelanomalie oder eine exotische und bei uns unbekannte Art des Zaunkönigs handeln.“ Relativ schnell aber stand dann doch fest, dass der Vogel echt ist. „Wir haben den Zaunkönig röntgen lassen. Dabei konnte eindeutig festgestellt werden, dass der Schnabel nicht angeklebt, sondern echt ist und wirklich zu dem Piepmatz gehört. Das haben uns dann auch viele Ornithologen bestätigt.“

Wie Uwe Jueg sagt, handelt es sich damit um ein ganz wertvolles Präparat, denn eine solche Schnabelanomalie komme äußerst selten vor. Uwe Jueg: „Es gibt weltweit etwa 80 verschiedene Arten des Zaunkönigs oder von Artverwandten. Unser Exemplar ist wohl schon etwas älteren Datums und stammt offenbar aus Eurasien.“ Wie Jueg weiter sagt, ist der Vogel vermutlich einst getötet worden. Denn es sei kaum denkbar, einen toten Vogel in so gutem Zustand zu finden, dass er präpariert werden kann.

„Für uns wäre jetzt interessant, etwas mehr zur Geschichte des Exemplars zu erfahren. Vielleicht findet die Polizei da noch mehr heraus“, hofft Experte Jueg. Spannend wären zum Beispiel Hinweise, wo der Zaunkönig präpariert wurde.

„Auf jeden Fall werden wir ihn ab Ostern in unserer Ausstellung präsentieren, vielleicht dann auch mit einigen neuen Fakten zu diesem ganz besonderen Exemplar“, blickt Uwe Jueg voraus.