Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Schiffsmodellbau Auf der Suche nach der Fähre „Willi Schröder“

Von Uwe Köhnke | 23.11.2012, 10:30 Uhr

Bis an die Nordsee führte Michael Hagen seine Suche nach der Fähre „Willi Schröder“, die früher von Rostock nach Gehlsdorf fuhr. Er fand sie und baute sie als Modell nach. Ein Hobby, das vor allem Geduld erfordert.

Sie alle eint das Interesse an Schiffsmodellen. Sie kommen aus Lübz, Parchim, Hagenow und anderen Teilen Mecklenburgs, teilweise auch aus dem Raum Stendal, Gardelegen. Es gibt einen harten Kern aus vier, fünf Enthusiasten. Zu ihnen gehört auch Michael Hagen aus Wittenförden. Er fand einen guten Draht zu Marina Möller von der Dömitz-Information, die daraufhin den Kontakt zur Hafen-Gastronomie direkt an der Elbe vermittelte. Eine Lokalität in maritimem Flair, in der sich Schiffsmodellfreunde sofort zu Hause fühlen. So auch bei ihrem letzten Treffen. Im Sommer sind sie natürlich an der See. In Rerik geht es los. Dann nach Zingst. Sie waren auch schon bei den Hafentagen in Stralsund und haben ihre Schiffsmodelle ausgestellt. Jetzt, zu Beginn der kalten Jahreszeit, treffen sich die Bastler gern noch einmal.

Leidenschaft für Schiffe schon seit Kindertagen

Bei Michael Hagen hat die Leidenschaft schon als Kind begonnen, als er anfing Schiffchen zu bauen. Er, der in Rostock geboren wurde, hat sich als Kind viel an der Warnow herumgetrieben und es sehr bedauert, dass die Eltern später von Rostock wegzogen. Die Leidenschaft für Schiffsmodelle legte sich mit dem Erwachsenenalter, ist aber nie ganz aus dem Hinterkopf verschwunden, wie er gesteht. Als er, der als Maschinenbauer im Schweriner Plastmaschinenwerk gearbeitet hat, schließlich Rentner wurde, ging es wieder los. Wie das so ist, gleiche Interessen finden sich irgendwann.

Aus Gesprächen entstand Verbindung

Man kam mal hier, mal da ins Gespräch, und daraus ist eine lockere Verbindung aus Leuten geworden, die gern zusammenkommen, um zu fachsimpeln. Michael Hagen nutzt am liebsten das Telefon für Verabredungen. Das Internet erschließt sich ihm nicht so recht, aber mit dem Bau einer Fernsteuerung kommt er gut klar.

"Jedes Schiff fasziniert mich", sagt Michael Hagen. "Es muss nicht immer elegant und vornehm sein. Auch Arbeitsschiffe haben ihre Reiz." Viele Schiffsmodellbauer sind auch der grauen Flotte, sprich den Marineschiffen, zugeneigt. Hagen selbst baut am liebsten Schiffe, die einen historischen Hintergrund haben. Er hat ein DDR-Lotsenversetzboot und die Fähre "Willi Schröder", die von Rostock nach Gehlsdorf fuhr, zur Hanse-Sail ausgestellt.

Nach dem Verbleib des Schiffes geforscht

Die "Willi Schröder" wollte Michael Hagen unbedingt einmal bauen, weil er sie von früher noch kennt. Aber wie sieht sie aus? Wo ist sie nach der Wende geblieben? Der Bastler begann mit der Suche bei der Weißen Flotte in Rostock. Die Recherchen führten ihn irgendwann zum Büro des Rendsburger Bürgermeisters. Über mehrere weitere Anrufe kam schließlich heraus, dass die Fähre in Oberdorf an der Oste, mithin an der Nordsee, liegt. Michael Hagen machte mit seiner Frau eine Spazierfahrt dorthin und fand sie tatsächlich. Der Eigner betreibt sie im Sommer als Restaurantschiff. Er war sehr kooperativ in der Bereitstellung von Unterlagen - und schließlich konnte der Bau losgehen. Das war vor vier, fünf Jahren. "Dann hab’ ich sie erstmal klein gebaut. Die steht im Rostocker Schifffahrtsmuseum. Und dann größer, zum Fahren", erklärt Michael Hagen. Mit zwei E-Motoren ausgerüstet, ähnlich wie das Original, das auch mit zwei Maschinen betrieben wurde.

Zum Schiffsmodellbau braucht es vor allem Geduld. Für die "Willi Schröder" konkret ein Jahr Recherche und ein weiteres Jahr für den Bau. Michael Hagen baut nichts aus dem Baukasten. Er fertigt bis auf wenige Ausnahmen alle Teile selber an.

Pause, wenn es nicht weitergeht

Dabei gibt es Situationen, wo es nicht weiter zu gehen scheint. Drei, vier Tage liegen lassen und von Neuem beginnen. Das ist die Methode des Bastlers. "Das ist wie bei einem Seemann. Wenn sein Urlaub zu Ende geht, kribbelt es, er muss wieder aufs Schiff", sagt Hagen.