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Grambow Auf dem Weg zur schwarzen Null

Von Hans Taken | 15.12.2016, 05:00 Uhr

Weniger Miete, mehr ehrenamtliche Helfer: Der kleine Dorfladen in Grambow wirtschaftet besser und kann so in sein drittes Jahr gehen

Bockwurst, Brötchen und Kaffee, das sind Selbstläufer. Müsli geht über die Theke, eine Tageszeitung, Äpfel, Waschpulver oder Mineralwasser. Wer will, der kann beim Einkauf im kleinen Grambower Dorfladen auch noch ein Schwätzchen halten. Das gibt es gratis dazu. „Und das wollen viele“, sagt Yvonne Baltrosch, die an diesem nebeligen Dezember-Morgen den Laden um 8 Uhr aufgeschlossen hat. Die 32-Jährige hat die Frühschicht übernommen. Das macht sie bis zu zweimal in der Woche. Ehrenamtlich. Ohne die ehrenamtlichen Helfer, das steht fest, gäbe es den Dorfladen nicht mehr. Yvonne Bartosch will, dass der Laden weiter existiert. „Deshalb helfe ich mit“, sagt die gebürtige Schwerinerin. Vor etwa zehn Jahren haben die Baltroschs in Grambow ihr Eigenheim gebaut. Als der Dorfladen im Oktober 2014 eröffnet wurde, war sie froh, dass sie als junge Mutter vor Ort einige Sachen kaufen konnte. Und ihr Filius bekam dort sein Eis. Viele finden den Dorfladen gut, doch finanziell ging es dem Geschäft schlecht. Die Alarmglocken schrillten: Insolzvenzgefahr. Zu hohe Ausgaben, zu wenig Einnahmen. Ein Jahr nach der Eröffnung, im Herbst 2015, gab es dann die Bestandsaufnahme und die Frage auf der Mitgliederversammlung der Genossenschaft, ob der Dorfladen überhaupt eine Zukunft hat. „Hat er“, war sich die Steuerberaterin sicher. Aber nur, wenn die Ausgaben reduziert würden. Zwei große Posten: Miete und Personalkosten. Die Gemeinde verzichtete darauf hin auf einen Großteil der Miete. Einer 20-Stunden-Kraft wurde gekündigt, der zweiten Mitarbeiterin statt 30 noch 20 Arbeitsstunden angeboten. „Diese Maßnahmen mussten wir ergreifen“, sagt Paul-Wilhelm Todt, Vorstandsmitglied der „Unser Dorfladen Grambow eG“. Mittlerweile gibt es zwei 450-Euro-Kräfte und sieben Ehrenamtliche, die sich um das Geschäft in der 700-Seelen-Gemeinde Grambow kümmern. Todt, 72, steht auch einmal in der Woche für drei Stunden hinter der Ladentheke oder füllt die Regale auf. Referatsleiter im Wirtschaftsministerium war er vor seiner Rente, kaufmännische Kenntnisse habe er nicht. „Wir sind nicht vom Fach. Dabei ist das Kaufmännische enorm wichtig“, sagt er. Das sei, so Todt, im Vorfeld auch unterschätzt worden. Wie Fördergelder beantragt werden, dass wussten die Dorfladen-Initiatoren in Grambow. Wie disponiert wird, damit nicht zu viel Ware abläuft, die dann entsorgt werden muss, das mussten sie erst lernen.

Sie haben gelernt, sagen sie in Grambow. Angebot und Nachfrage passe jetzt. „Bio-Ware spielte in unseren Haushaltsbefragungen vor Eröffnung des Ladens nur eine ganz kleine Rolle. Das hat sich geändert. Und darauf haben wir reagiert“, nennt Todt ein Beispiel.

Im laufenden Jahr, vermutet, Todt, könne eine schwarze Null unter dem Strich stehen. Nach einem schwierigen Jahre wäre das der Erfolg, auf dem die Genossenschaft mit ihren derzeit 58 Mitgliedern aufbauen könnten.

Yvonne Baltrosch hat gleich Feierabend. Nächste Woche wird sie wieder aufschließen. Versteht sich. „Wir freuen uns über jeden Helfer“, sagt Paul-Wilhelm Todt. Nebenan, im Dorfgemeinschaftshaus, hängt ein Zettel in der Glastür. „Ehrenamtliche Helfer gesucht“. steht darauf. Auf dem Weg zur schwarzen kann es nicht genug fleißige Hände geben.