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Neu Kaliss Angelika Milster frenetisch gefeiert

Von mick | 05.08.2015, 07:00 Uhr

Stehende Ovationen für eine brillante Stimme/ Besucher des Konzerts in Neu Kaliß waren begeistert/ Eine Sängerin zum Anfassen

Ein brillantes Konzert lieferte eine der renommiertesten deutschen wie internationalen Sängerinnen in der ausverkauften Johanneskirche in Neu Kaliß ab. Über 90 Minuten lang spendierte die in Neustrelitz geborene Angelika Milster einen Liederreigen, der von Musicals, über Chansons, Arien, bis hin zu Vokalversionen von Instrumentalwerken reichte. Der Ikone unter den großen Stimmen gelang ein musikalisches Crossover, das die Zuschauer zu gleich drei stehenden Ovationen im Verlauf des Konzertes veranlasste.

Der einstige Weltstar des Musicals krönte dieses großartige Konzert in der kleinen Kirche, so die Ankündigung von Pastorin Constanze Schröder, mit dem Titellied der Grizabella im Webber-Musical „Cats“. Mit diesem Lied bei der deutschsprachigen Erstaufführung des Webber-Musicals am „Theater an der Wien“ erlangte die heute 65-jährige Ausnahmesängerin im Jahre 1983 internationale Wertschätzung.

In der Kirche in Neu Kaliß erklang dieses Solo wohl so wie Angelika Milster es damals vor 32 Jahren lupenrein gesungen hatte – fantastisch und emotional mitreißend. Der ausgefeilte Milster-Sopran wurde durch ihren musikalischen Konzertbegleiter Jürgen Grimm in der Johanneskirche einzigartig betont. Der seit 15 Jahren an ihrer musikalischen Seite stehende Konzertpianist forderte der Orgel einen klangfarbenen Reifetest ab. Der Musizierende wie das Instrument blieben das gesamte Konzert zum Wohl der Klangfülle der Solistin lupenrein stimmig.

Die über all die Jahre als Ikone des Musicals in TV-Shows und Konzerten ins Rampenlicht gerückte Milster scheute nicht den direkten Kontakt mit dem Neu Kalisser Publikum. Es wurde über die Jugendjahre vor den Handy-Zeiten und „über Gott und die Welt“ geplaudert. Keine divenhaften Posen, keine überzogenen Gesten, dafür bodenständige Konversation mit dem Publikum und ein Sopran-Feuerwerk für die zahlenden Gäste.

Eine gesangliche Spitzenleistung gelang der Sängerin mit dem Edith-Piaf-Klassiker „Mon dieu“. Einfühlsam melodisch hallte der Gesang durch die mucksmäuschenstillen Reihen der begeisterten Besucher. Bereits zur Eröffnung des Konzerts glänzte Angelika Milster mit dem im Jahre 1962 in Deutschland durch die unvergessene Marlene Dietrich bekannt gewordenen Antikriegsklassiker „Sag mir wo die Blumen sind“. Angelika Milster ist nach 32 Jahren auf den erfolgreichsten „Brettern, die die Welt bedeuten“ ein Star geblieben. Nicht schillernd, sondern dank ihrer markanten wie facettenreichen Stimme. Der Star lässt sich in keine Schublade pressen, wie Milster über Milster in Neu Kaliß erzählte. Für sie ist Musik nicht erklärbar, nicht zu definieren. Die Künstlerin, die nach eigenen Aussagen kein Musikinstrument spielen kann, meint, dass Musik aus Formen, Harmonien und Klängen immer wieder neu und anders zu erleben ist. Aus diesen Gründen bleibt das Musizieren für sie eine Herausforderung, die Angelika Milster auch den Weg zum Jazz bereitete.

Und dann gab „die Milster“ gegen Ende des Konzerts etwas Intimes preis. Sie hatte sich schon immer vorgenommen, mit einer Tenorstimme zu singen. Trotz ihrer einzigartigen Stimme und Klangfülle muss ihre Kostprobe von „Nessun dorma“ (Keiner schlafe), der Arie des Prinzen Kalaf zu Beginn des dritten Aktes der Oper Turandot von Giacomo Puccini, als ehrenwerter Versuch gewertet werden. Dieses Tenor-Solo wird wohl für alle Zeiten mit den Heldentenören Luciano Pavarotti (verstorben 2007), Plácido Domingo und José Carreras verbunden bleiben.