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Dömitz Alter Bahnhof unterm Hammer

Von KATT | 28.06.2017, 09:00 Uhr

Versteigerungstermin am 18. Juli. Einstiges Empfangsgebäude in Dömitz steht auf der Baudenkmalliste des Landkreises

Eine verrostete Ölkanne steht einsam auf dem einstigen Bahnsteig. Längst hat Gras das Pflaster überwuchert. Das Bahnhofsgebäude mit eingestürztem Dach, verkohlten Balken und zerborstenen Fenstern bietet einen trostlosen Anblick. Relikte längst vergangener Zeiten, als in Dömitz noch Züge fuhren und hielten. Jetzt könnte neues Leben auf das Areal kommen – in welcher Weise auch immer. Die Grundstücke, die sich in Privatbesitz befinden, werden auf dem Wege der Zwangsvollstreckung öffentlich versteigert. Am 18. Juli, 11 Uhr, kommen sie in der Parchimer Nebenstelle des Amtsgerichtes Ludwigslust unter den Hammer.

Der Termin hat den Dömitzer Bürgermeister aufhorchen lassen. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft will die Stadt möglicherweise ein neues Wohngebiet ausweisen. „Auf der nächsten Stadtvertretersitzung steht ein Grundsatzbeschluss über die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das ehemalige Eisenbahngelände an“, erklärt Helmut Bode. Er solle auf dem Areal hinter Raiffeisen in Richtung Löcknitz den Bau von Eigenheimen möglich machen. „Denn außer ein paar Lücken haben wir als Stadt derzeit kein Bauland mehr zu bieten“, so Bode. Denkbar wäre nach seiner Auffassung, dass die Stadt die beiden Bahnhofs-Grundstücke – insgesamt rund 12 000 Quadratmeter – ersteigert, die Gebäude abreißen lässt und das Areal in die Bebauungsplanung einbezieht. Dafür wären allerdings noch einige Gespräche und Abstimmungen erforderlich.

Ein Ansprechpartner müsste da ganz sicher die Untere Denkmalschutzbehörde sein, weil das einstige Empfangsgebäude des Bahnhofs und diverse Nebengebäude unter Denkmalschutz stehen. Die Tatsache, dass durch zwei große Brände in den Jahren 2011 und 2012 der Dachstuhl und Decken eingestürzt und das Gebäude stark geschädigt ist, ändert daran zunächst nichts. „Solange der Zeugniswert eines Gebäudes noch da ist – und das ist in der Regel noch ziemlich lange der Fall, bleibt es unter Denkmalschutz“, erklärte Sabine Pauligk vom Denkmalschutz des Landkreises Ludwigslust-Parchim auf SVZ-Anfrage. Für den Bürger sei im Fall Dömitz noch erkennbar, dass es sich um das Empfangsgebäude eines Bahnhofs handelt. „Auch wenn das Gebäude sehr stark geschädigt ist, ist es nicht 100-prozentig ausgeschlossen, dass man daraus wieder etwas machen könnte.“ Ob es anschließend noch als Denkmal gelten könne, könne man allerdings nicht sagen.

Fakt ist nach Aussage von Sabine Pauligk: Der Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes ist genehmigungspflichtig. Dafür müsste der Bauherr nachweisen, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht zugemutet werden kann. „Aber im Moment liegen uns keine Anträge vor, und wir haben keine Veranlassung, die Gebäude aus der Denkmalliste zu löschen“, so die Landkreis-Mitarbeiterin.

Bleibt abzuwarten, was der Versteigerungstermin am 18. Juli bringt. Der Verkehrswert ist im Verkehrswertgutachten mit minus 65 000 Euro beziffert, der symbolische Wert für das Zwangsversteigerungsverfahren auf einen Euro geschätzt. Insofern ist nicht auszuschließen, dass weitere Interessenten die Grundstücke im Blick haben.