Linke verteidigen linke Straßennamen

Stein des Anstoßes: Die W.-I.-Lenin-Straße in der Weststadt soll umbenannt werden.wolfried pätzold
Stein des Anstoßes: Die W.-I.-Lenin-Straße in der Weststadt soll umbenannt werden.wolfried pätzold

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29. August 2010, 06:40 Uhr

parchim | Die Diskussion um geänderte Straßennamen für Parchims Weststadt wird politisch. Argumentierten die Ini tiatoren eines Absichtsbeschlusses - CDU und SPD - eher verschämt historisch, geht Die Linke mit einem offenen Brief des Kreisvorstandes Parchim an die Fraktionen des Stadtparlaments in die Offensive. Darin heißt es: "Die Straßennamen sind Teil der Geschichte der DDR, die mit dem Einigungsvertrag der Bundesrepublik Deutschland beigetreten ist. Wenn auch die DDR als Staatsgebilde erloschen ist, so trifft das auf ihre Geschichte nicht zu."

Kreisvorsitzende Ellen-Erika Raeschke begründet das Vorgehen: "Mit diesem offenen Brief des Kreisvorstandes Die Linke wollen wir dazu beitragen, mit den Bürgerinnen und Bürgern von Parchim konstruktiv zu diskutieren. Wir wollen dabei an die guten Erfahrungen der Bürgerbeteiligung, als es um den Erhalt des Status als Kreisstadt ging, anknüpfen." Gerade weil es um das historische Erbe eines Stadtteiles gehe und weil auch materielle Interessen der betroffenen Bürger und der in der Weststadt ansässigen Unternehmen berührt werden, sei eine breite Beteiligung wünschenswert.

Konkret versucht Parchims Linke, die Namen, die aus dem Straßenbild verschwinden sollen, historisch einzuordnen: Johannes Dieckmann (1893 - 1969), Otto Grotewohl (1894 - 1964), Otto Nuschke (1883 - 1957) und W. I. Lenin (1870 - 1924). Der Kreisvorstand der Linken bewertet das Wirken der genannten Personen so: "Diese Politiker standen neben vielen anderen demokratischen Antifaschisten in den Blockparteien der Nationalen Front in der Verantwortung, um nach zwei verheerenden Weltkriegen, die von Deutschland ausgingen, etwas Neues in Deutschland zu schaffen." Vieles sei nicht so gelungen, wie es sich die Aktivisten der ersten Stunde, auch Bürger Parchims, die den Osten Deutschlands aus den Trümmern aufbauten, erhofft hätten. Aber, so der offene Brief: "Vieles ist durch den Stalinismus in der UdSSR und in den Staaten des Warschauer Vertrages, auch in der DDR, ins Gegenteil dessen geraten, was in der Theorie des Sozialismus als das Menschliche für die Zukunft formuliert worden war. Auch das führte dazu, dass die Mehrheit mündiger Bürgerinnen und Bürger letztlich den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland wollte."

Lenin als "bedeutender Führer" der internationalen Arbeiterbewegung hätte die Theorie des Sozialismus bereichert. Parchims Linke weist darauf hin, dass seine erste Handlung als Staatsführer Russlands ein "Dekret über den Frieden" gewesen sei. Schließlich sei Lenin 1924 an den Folgen eines Attentats gestorben, so dass es ihm nicht gestattet gewesen sei, an der Realisierung seiner Ideen mitzuwirken: "In senem Testament warnte er vor der Diktatur durch Stalin und Trotzki." Parchims Linke spricht auch vom "Unheil eines pervertierten Prozesses, den man nicht Sozialismus nennen sollte".

Ellen-Erika Raeschke hofft, dass die Parchimer den Stadtvertretern ihre Meinung kundtun. Ihre eigene Position ist klar: "Die Linke will die Straßennamen als Teil des antifaschistischen Erbes, was die DDR in die Bundesrepublik Deutschland eingebracht hat, erhalten."

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