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Lokales

23. Oktober 2017 | 09:58 Uhr

Linedance mit dem Champion

vom

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erstellt am 13.Jun.2011 | 05:09 Uhr

Wittenberge | Sein Gürtel ist deutlich kleiner als bei einem Boxchampion, aber Ronnie Grabs spielt bei den Linedancern in der obersten Liga mit: Der Berliner ist Doppelweltmeister in der höchsten Schwierigkeitsklasse "Advanced" und im "Showcase". Am Pfingstwochenende war er auf dem 9. Wittenberger Countryfestival und gab Workshops.

Die Zeiger stehen gerade mal auf 11 Uhr morgens. Für Linedancer und Countryfans fast noch eine unchristliche Zeit, aber die Tanzfläche im Festzelt ist voll. Auf der Bühne Ronnie Grabs. Gut hundert Augenpaare verfolgen jeden seiner Schritte, um den gemeinsamen Rhythmus zu finden, die technischen Raffinessen zu meistern. Ein Anfänger wäre bei diesem Tanz mit Cha-Cha-Cha Elementen heillos überfordert. Ja, richtig gelesen: Cha-Cha-Cha und Linedance schließen sich nicht aus.

Das ist dann auch gleich das Lieblingsthema des Weltmeisters: "Linedance muss nicht nur Country sein", verrät er seine Philosophie. Walzer, Polka bis hin zu Hip-Hop-Elementen fließen heute in den Linedance mit ein. Dieser habe sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt, immer jüngere Tänzer finden Gefallen daran, erzählt er. "Ob du 18 bist oder 80, niemand guckt dich wegen deines Alters schräg an", so seine Erfahrung.

Die kommt nicht von ungefähr, denn der einst leidenschaftliche Diskogänger musste feststellen, dass er in Diskotheken heutzutage selbst auf einer Ü 30-Party nur milde als Opa belächelt wurde. Also Lindedance. Dennoch habe es gut drei Jahre gedauert, bis er vom Zuschauer zum Aktiven wurde. Mit jedem Tanz stieg die Faszination. "Nach einem Jahr konnte mir mein erster Tanzlehrer nichts Neues mehr zeigen." Grabs suchte und fand andere Lehrer, darunter einen früheren Weltmeister: "Von dem habe ich mein ganzes Wissen."

2010 kam der internationale Durchbruch, gewann der Deutsche bei der WM im amerikanischen Tennessee in der Altersgruppe der über 40-Jährigen. "Bei den 18-Jährigen geht es noch ganz anders ab, da kann er nicht mehr mithalten." 2011 nahm er nicht an der WM teil, "ich bin vor neun Monaten Vater geworden". Doch jetzt beginnen die Vorbereitungen, zum Jahreswechsel 2012 will Ronnie Grabs bei der WM in Florida wieder angreifen. Doch noch genießt er die Festivalatmosphäre in Wittenberge und das nicht zum ersten Mal. "Das lange Pfingstwochenende ist ein guter Termin, die DJs sind ein Dream-Team. Ich bin gerne hier."

Veranstalter Henry Schwentke hört solche Wort gern. Er hat vor neun Jahren das Festival aus der Taufe gehoben, veranstaltet es in diesem Jahr erstmals in Eigenregie und trage damit auch das finanzielle Risiko. Dass er einen Weltmeister engagierte, sei kein Zufall: "Ich will zeigen, dass die Prignitz keine Provinz im Linedance ist." Ronnie Grabs sei ganz klar eine bekannte Größe.

Musikalisch liegen sie allerdings nicht immer beieinander. Zwar sieht auch Schwentke, dass heute nahezu jede Musikrichtung vertanzt wird, dass beim Linedance an Popmusik kein Weg vorbei führt, "aber Country sollte nach wie vor dominieren", sagt er. Daran habe er auch das hiesige Programm orientiert. Höhepunkt war Sonntagabend die Band Steve Haggerty & The wanted.

Mit den Besucherzahlen sei er zufrieden, gut 80 Prozent kommen von außerhalb. Nach einer ersten Bilanz kündigt Henry Schwentke für 2012 das 10. Countryfest an. Das wird Thomas und Shireen Reiner aus Blankenburg im Harz sehr freuen. Sie kommen seit mehreren Jahren nach Wittenberge, haben auch ihre eineinhalbjährige Tochter Tjark und deren Schwester Neele (4) dabei. "Das Miteinander, Freunde treffen und natürlich die Musik und das Tanzen locken uns immer wieder hierher., Wir kommen gerne wieder", sagt Thomas Reinert.

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