Rostock : Lichtenhagen ist überall

Das Sonnenblumenhaus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen war 1992 Schauplatz fremdenfeindlicher Übergriffe.
Das Sonnenblumenhaus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen war 1992 Schauplatz fremdenfeindlicher Übergriffe.

Die AG Gedenken will an verschiedenen Orten im Stadtgebiet an das Pogrom von 1992 erinnern. Dafür erarbeitet der Verein Unterrichtsmaterial.

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03. September 2015, 12:00 Uhr

Nachdem das Mahnmal für das NSU-Opfer Mehmet Turgut eingeweiht ist, beschäftigt sich die AG Gedenken seit einiger Zeit mit dem Gedenken an die fremdenfeindlichen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen 1992. Während es dazu in der von der Bürgerschaft eingesetzten Arbeitsgemeinschaft (AG) schon zahlreiche Debatten und Überlegungen gab, sollen diese nun konkreter werden.

„Uns ist wichtig, dass das Gedenken im Stadtbild präsent ist, nicht nur in Lichtenhagen, sondern überall, wo es Akteure gab“, erklärt Susan Schulz (Grüne), Vorsitzende des Kulturausschusses und Mitglied in der AG Gedenken. „Das Thema ist ja nicht auf Lichtenhagen begrenzt, es betrifft die gesamte Stadtgesellschaft.“ Ziel sei es, möglichst etwas Sichtbares im öffentlichen Raum zu schaffen. Damit soll zum einen das Versagen verschiedener Akteure wie der Stadtverwaltung, der Polizei oder auch der Medien beleuchtet werden, zum anderen  gehe es aber auch um „eine positive Aneignung“, erklärt Schulz. So soll berichtet werden, was damals passierte, welche Fehler gemacht wurden. Dem gegenüber steht, welche Lehren daraus gezogen wurden, was sich heute zum Positiven verändert hat. „Die Ereignisse sollen in ihrer Komplexität herausgearbeitet werden“, so Schulz. Dazu wird es in dieser Woche Gespräche geben mit Vertretern der damals beteiligten Akteure. „Wir haben es in der Hand, wie wir mit dieser Vergangenheit umgehen“, betont Schulz.

Dass dies vor allem auch Sensibilität erfordert, zeigten die ersten Reaktionen im Kulturausschuss. Hier wurde ein Entwurf des Konzeptes diskutiert und stieß auch auf Kritik. Dr. Fred Mrotzek (CDU) merkte an: „Da gibt es einige Formulierungen, die dringend überdacht werden sollten.“ Für ihn klinge das Ganze ein bisschen nach einer kollektiven Schuldzuweisung. Auch Barbara Cornelius (SPD) mahnte zu einem sensiblen Umgang mit der Thematik: „Man sollte die Lebenssituation der Menschen damals nicht außer Acht lassen.“

Schulz versichert, dass das Konzept weiter überarbeitet wird. Kritische Anmerkungen und folgende Diskussionen sollen einfließen. „Es geht nicht darum, Schuld zuzuweisen“, betont Schulz. Kulturamtsleiterin Dr. Michaela Selling regt an,  einen künstlerischen Wettbewerb auszurufen. Hierfür müssten etwa 100 000 Euro Mittel eingeplant werden, die an entsprechender Stelle im Haushalt auch vorhanden wären. „Das könnte neben den jährlichen Veranstaltungen zu einer Verstetigung des Erinnerns führen“, sagt Selling.

Darüber hinaus wurde der Verein Soziale Bildung damit beauftragt, Daten und Materialien zum Thema für die pädagogische Vermittlung zugänglich zu machen. Dafür wurde eine Projektstelle ausgeschrieben, der Verein und sein Konzept erhielten den Zuschlag. „Es gibt eine ganze Reihe von Material, aber keine zentrale Stelle, wo dieses zusammengetragen ist oder die rechtlichen Fragen zur Nutzung geklärt sind“, sagt Schulz. Diese Dokumente, Filme und Fotografien sollen erfasst werden. In einem zweiten Schritt wird der Verein Vorschläge für die pädagogische Vermittlung des Themas machen. „Der Idealfall wäre eine Internetseite, auf der sowohl Projekte und Ideen für den Unterricht als auch das frei verfügbare Material bereitgestellt würde“, so Schulz.

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