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Lokales

21. Oktober 2017 | 08:43 Uhr

Letzte Ruhe für den treuen Begleiter

vom

svz.de von
erstellt am 03.Aug.2010 | 03:24 Uhr

Poitendorf | An diesem trüben Sommertag hört man im Wald nahe dem Dorf Poitendorf die Regentropfen auf den Blättern der alten Buchen prasseln. Nur ein Specht lässt sich von der Morgendusche nicht beeindrucken. Ein solider Maschendrahtzaun trennt das rund einen Hektar große Areal vom Waldstück sorgsam ab. Wer rein will, muss ein Pendeltür nutzen und über ein Gitterrost gehen. "Hier dürfen keine Wildtiere rein. Vor allem Schwarzwild würde den Boden aufwühlen", erklärt Wolfgang Starke, Leiter des Forstamtes Karbow die Vorkehrungen.

Vor rund drei Jahren hatte er sich mit seinen Mitarbeitern entschlossen, im südwestlichen Teil des Forstamtes nahe der Autobahn 24 ein Abschiedshain für verstorbene Haustiere einzurichten. "Für viele Tierbesitzer ist es problematisch, sich nach vielen Jahren vom tierischen Begleiter zu verabschieden und dann den Kadaver der Tierkörperbeseitigung zu übergeben", weiß Wolfgang Starke aus vielen Gesprächen sehr genau. Da spezielle Tierfriedhöfe in Mecklenburg-Vorpommern noch sehr selten zu finden sind - neben dem Poitendorfer Abschiedshain gibt es derartige Einrichtungen auch in Rostock und Pampow bei Schwerin - schien die Idee, einen gut erreichbaren Platz unter alten Bäumen dafür herzurichten, zeitgemäß. Im Juni 2008, nach rund acht Monaten Planung und Einrichtung, konnte der Abschiedshain genutzt werden. "Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass es bei uns eine gute Möglichkeit gibt, den verstorbenen Tieren einen würdigen Platz zu geben. Inzwischen finden in der Woche bis zu drei Bestattungen statt", sagt der Forstamtschef.

Die Besitzer der Tiere melden sich entweder kurzfristig telefonisch beim Forstamt in Karbow oder suchen sich einen Platz für ein altes oder krankes Tier rechtzeitig aus. Derzeit gibt es zwei Grabfelder - eins für Hunde und in weitem Abstand eins für Katzen. "Gut getrennt, ganz wie zu Lebzeiten", meint der Forstmann. Für eine Beisetzung werden Tiersärge verschiedener Größe und Ausstattung angeboten. Doch die verstorbenen Tiere können auch in ihrer Lieblingsdecke beigesetzt werden. Wichtig ist aber, dass die Materialien biologisch abbaubar sind. Auf Wunsch spielt ein Jagdhornbläser und Forstamtsleiter Wolfgang Starke findet bei Bedarf auch die passenden Worte. Ein kleines Holzschild mit dem Namen des Tieres erinnert an den treuen Freund. Mit einem Betrag zwischen 30 und 250 Euro kann die Grabstätte für zehn Jahre genutzt werden.

"Immer mehr interessieren sich für diese Möglichkeit. Auch Tierfreunde aus Berlin und Hamburg haben bei uns schon Hund und Katze bestatten lassen. Dabei spielen sicher die geringeren Kosten eine Rolle", meint der Forstamtsleiter. Platz gebe es für die kommenden Jahre genug. Und auch die Wirtschaftlichkeit ist gewährleistet. "Der Pflegeaufwand in dem naturbelassenen Waldareal beschränkt sich auf die Verkehrssicherung. Schließlich dürfen Besucher auf dem für jedermann zugänglichen Abschiedshain nicht gefährdet werden", so der Forstmann. Für Spaziergänger wurden zwei rustikale Bänke aufgestellt und drei stattliche Holzfiguren runden das Bild der Tierbegräbnisstätte ab.

In den zurückliegenden Sommerwochen gab es auch hier mehr zu tun. "Ältere Tiere haben bei großer Hitze enorme Probleme und nicht selten stirbt ein Hund plötzlich an Kreislaufversagen", weiß Starke. Einige von ihnen haben nun ihren Platz neben Boogie, Shayane, Arlena und Ignaz unter schattigen Buchen nahe Poitendorf gefunden.

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