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Lokales

16. Dezember 2017 | 19:47 Uhr

Lesen als Kostenfaktor

vom

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erstellt am 05.Sep.2010 | 06:36 Uhr

Schwerin | Etwa 85 000 Erwachsene in Mecklenburg-Vorpommern können Schätzungen zufolge nicht ausreichend lesen und schreiben. Viele schämen sich und versuchen, ihr Unvermögen zu kaschieren. Sie haben ihre Brille vergessen oder die Hand verstaucht, weshalb doch bitte der Behördenmitarbeiter oder der Nachbar rasch das Formular ausfüllen möge. Die Volkshochschulen im Land bieten Kurse zum Lesenlernen an, doch nur ein Prozent der Betroffenen, pro Jahr zwischen 800 und 900, wird erreicht.

Der Volkshochschulverband wünscht sich deshalb mehr Aufmerksamkeit für das Thema bei Ämtern und Behörden. Bemerken Mitarbeiter dort, dass ein Kunde Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben hat, sollten sie einfühlsam reagieren und Hilfsangebote unterbreiten. Am Mittwoch wird der Welttag der Alphabetisierung begangen. Das Land stellt den Volkshochschulen (VHS) jährlich 330 000 Euro für den Bereich Alphabetisierung, Grundbildung und Schulabschlüsse bereit. Das ist aus Sicht des Verbandes für die Kurse ausreichend.

Will ein Betroffener allerdings einen Kurs belegen, scheitert das im ländlichen Raum nicht selten an den Fahrtkosten, wie die Direktorin des Volkshochschulverbandes MV, Ines Schmidt, sagte. Sie fände es gut, wenn Sozialämter, Bundesarbeitsagentur und die Arbeitsgemeinschaften für Langzeitarbeitslose (Argen) die Kosten für die von ihnen betreuten Betroffenen übernähmen. Die Argen zum Beispiel prüfen die Kostenübernahme in jedem Einzelfall und zahlen nicht immer, wie der Chef des Netzwerks der Argen im Land, An-dreas Wegner, sagte.

Das empört die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Irene Müller. "Jeder Mensch, der dies möchte, muss die Chance haben, an einem Alphabetisierungskurs der Volkshochschulen teilzunehmen", sagte sie. Bei Hartz-IV- Empfängern müssten diese Kosten von der Arge getragen werden, forderte Müller. "Lesen und schreiben können ist unabdingbar, um überhaupt eine Chance auf Vermittlung zu haben."

Die Volkshochschulen bieten 95 Prozent aller Alphabetisierungskurse im Land an. Daneben sind einzelne Bildungsträger aktiv. In MVverlassen überdurchschnittlich viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss - nicht wenige von ihnen haben Schwierigkeiten mit dem Lesen. Für Donnerstag hat der Volkshochschulverband zu einer Fachtagung über Analphabetismus nach Schwerin eingeladen. Von den Argen sei niemand dabei, hieß es.

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