Lenzerwische bleibt DSL-Wüste

Ute Dressler vom Hotel und Restaurant  'Alte Fischerkate' in Mödlich hat es satt, ihre Zeit sinnlos mit der langsamen Internetverbindung zu verschwenden.Lars Reinhold
Ute Dressler vom Hotel und Restaurant "Alte Fischerkate" in Mödlich hat es satt, ihre Zeit sinnlos mit der langsamen Internetverbindung zu verschwenden.Lars Reinhold

ISDN-Tempo im DSL-Zeitalter? Für private und gewerbliche Internetnutzer in der Gemeinde Lenzerwische ist das Grund für alltägliche Ärgernisse. Besserung ist derzeit kaum in Sicht.

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14. Oktober 2009, 09:47 Uhr

Mödlich | "Der Artikel am Montag im ,Prignitzer, in dem ein Experte auch perspektivisch kein schnelles DSL für die Lenzerwische sieht, war für uns ausschlaggebend, uns an die Zeitung zu wenden und nochmal auf den Unhaltbaren Zustand aufmerksam zu machen."

Ute Dressler und ihr Mann Peter sind sauer. Seit fast 20 Jahren betreiben sie in Mödlich das Restaurant und Hotel "Alte Fischerkate", bemühen sich darum, Touristen und Geschäftsreisenden in der Prignitz einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. "Vor allem Geschäftsleuten kann man heute aber keine ISDN-Geschwindigkeit mehr zumuten", sagt Peter Dressler. "Manche würden gern wieder hier Station machen, wenn sie aber nach einem langen Tag hier noch mehr Zeit als unbedingt nötig vor dem Rechner sitzen müssen, um ein paar Emails zu versenden, suchen die sich lieber eine andere Unterkunft."

Fairer Wettbewerb sieht anders aus, finden die Dresslers. Da auch von politischer Seite bisher wenig Wille gezeigt worden sei, das Problem aktiv anzugehen, überlege man ernsthaft, den Unternehmenssitz in einen anderen Kreis zu verlegen. "Warum hier die hohen Steuern zahlen, wenn die Voraussetzungen nicht stimmen?" fragt sich Dressler.

Auch die in Kietz ansässige Lenzener Wische Rinderzucht GmbH sieht sich gegenüber Mitbewerbern im Nachteil. "Beim Abgeben von Angeboten wird man durch die ISDN-Leitung regelrecht ausgebremst, aber auch der normale Bürobetrieb könnte die notwendige Zeit, die der langsame Mailverkehr oder das Onlinebanking beansprucht, sinnvoller verplanen", sagt Geschäftsführer Joachim Jammer. "Zu DSL gibt es keine Alternative, hier sind die Gemeindevertreter gefragt, endlich etwas zu bewegen."

Im Amt Lenzen-Elbtalaue ist das Problem hinlänglich bekannt. "Nach Anfragen bei einem großen Telekommunikationsunternehmen ist klar, dass über die bestehende Infrastruktur DSL nicht wirtschaftlich zu realisieren ist", sagt der stellvertretende Amtsdirektor Harald Ziegeler. Auch Funkstrecken, wie sie aktuell in der Gemeinde Karstädt und im Amt Bad Wilsnack/Weisen installiert werden, seien in der Lenzerwische nicht mit tragbarem Kosten-Nutzen-Verhältnis zu betreiben.

Eine Möglichkeit, die Wische mit zumindest mäßig schnellem DSL zu versorgen, biete sich indes mit Verbindungen via Satellit. "Ein Telekommunikationskonzern hat für Brandenburg 2000 Gutscheine für einen Anschluss an das Sky-DSL-Netz bereitgestellt", sagt Silke Kühlewind vom Brandenburgischen Städte- und Gemeindebund, der sich als Interessenvertretung der Brandeburger Gemeinden für eine flächendeckende Versorgung mit DSL einsetzt.

"Die Gutscheine umfassen die Bereitstellung und zum Teil auch die Installation der notwendigen Technik", erklärt Kühlewind. "Jetzt liegt es an den Gemeinden, diese Möglichkeit bei ihren Einwohnern publik zu machen."

Entsprechend dem Bedarf würden die Gutscheine dann vom Städte- und Gemeindebund an die Gemeinden verteilt und von dort an die DSL-Nutzer in spe ausgegeben.

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