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Lokales

23. September 2017 | 16:47 Uhr

Lenzener Uhr im Wüstensand

vom

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2011 | 07:32 Uhr

Lenzen | "Oskar Klingner Lenzen" - diese Inschrift befindet sich auf einer Taschenuhr, die im ägyptischen Wüstensand lag. Beduinen fanden sie auf dem berühmten Schlachtfeld von El Alamein, auf dem 1942 tausende Deutsche ihr Leben verloren. War unter ihnen jemand, der diese Uhr trug, und kam er tatsächlich aus dem hiesigen Lenzen? Der französische Student Jean-Loup Gassend möchte dieses Rätsel lösen.

Jean-Loup Gassend stammt aus Südfrankreich, studiert in Kroatien und sein Hobby sind Kriegsrecherchen. Die führten ihn mehrfach nach Ägypten. "Das Schlachtfeld von El Alamein hat mich mehr interessiert, als die Pyramiden", sagt er. Noch immer könne man Überreste finden, hinter denen sich Schicksale verbergen: Helme, Knöpfe, Geldstücke, Abzeichen - stumme Zeugnisse zweier Schlachten. Selten lassen die Funde Rückschlüsse auf eine Person oder einen Ort zu. Aber wann immer das der Fall ist, beginne Gassend mit seinen Recherchen.

Die Uhr haben ihm Beduinen verkauft, mit denen er nach seinen häufigen Besuchen befreundet sei. Im Internet entdeckte der 28-Jährige Lenzen und schrieb an die Amtsverwaltung. Ein Bild von der Uhr schickte er ebenfalls und bat um Unterstützung. Im Amtsblatt vom Februar ist sein Brief abgedruckt. Heimatforscher Georg Grüneberg hat bereits mit ersten Nachforschungen begonnen.

"Leider führten die bisher zu keinem Ergebnis", sagt Grüneberg. Zwar gebe es zwei oder drei Lenzener, die mit der Wehrmacht in Ägypten waren, aber mehr habe er noch nicht in Erfahrung bringen können. Bäckermeister Walter Grünberg war einer von ihnen, soll dort aber keine Uhr verloren haben. "Nun werde ich in benachbarten Orten nachfragen, unter anderem in Mellen."

Oskar Klingner soll nach den Recherchen Jean-Loup Gassends ein Uhrmacher aus Lenzen gewesen sein. Als Quelle gibt der Student Eintragungen im Internet an. Falls jemand mehr über Klingner oder Wehrmachtsoldaten aus der Prignitz weiß, eventuell gar die Uhr erkennt, könne er sich telefonisch oder schriftlich an Georg Grüneberg wenden: Finkenbergstraße 6, 19309 Lenzen. Auch unsere Redaktion nimmt Hinweise unter Telefon 03877/92908280 oder per Mail pri@prignitzer.de entgegen.

Jean-Loup Gassend sieht jeden Versuch als gerechtfertigt an. Erst vor wenigen Monaten hatte er Glück. Beduinen verkauften ihm ein Abzeichen des Fußballclubs Oberrot. Gemeinsam mit Oberrots Verwaltung konnte die Geschichte dieses Abzeichens rekonstruiert werden. Es gehörte Richard Metzger. Der Funker war Mitglied beim FC Oberrot und starb bei Gefechten in einem Panzer.

Auch in seiner Heimat Frankreich forscht Gassend, arbeitet an einem Buch über den Krieg in der Region Nizza. "Meine größte Entdeckung war ein Massengrab mit 14 deutschen Soldaten neben Nizza", verrät er. Zu einigen Familien der Gefallenen nahm er persönlich Kontakt auf.

Aber sein größtes Interesse gilt El Alamein. Mit den Beduinen verbindet ihn inzwischen eine Freundschaft. Sogar zu einer Hochzeit war er eingeladen. Falls die Wüstensöhne Kriegsmaterial mit Inschriften finden, weiß Jean-Loup Gassend, dass sie es ihm zeigen werden, und stets wolle er versuchen, das Rätsel zu lösen.

HINTERGRUND: Die Schlacht von El Alamein

Die deutsche Niederlage in El Alamein1942 besiegelte das Aus der deutschen Truppen in Afrika. Anderthalb Jahre dauerte der Afrikafeldzug bei Beginn der Schlacht bereits an. Der legendenumwobene Generalfeldmarschall Erwin Rommel – wegen seiner zahlreichen Siege in Nordafrika „Wüstenfuchs“ genannt – war am 12. Februar 1941 auf Geheiß Hitlers nach Libyen gekommen, um die in Bedrängnis geratenen verbündeten italienischen Truppen zu unterstützen. In Afrika stand er dem erfahrenen General gegenüber: Bernard Montgomery. Nach wechselvollen Kriegsmonaten waren die deutschen Truppen stark angeschlagen und ihren Gegnern zahlenmäßig unterlegen: Während Montgomery über 220 000 Soldaten, 530 Flugzeuge und 939 Panzer verfügte, konnte Rommel dem nur 185 000 Mann, 340 Flugzeuge und 548 Panzer entgegensetzen. Zudem hatten die Deutschen Nachschubschwierigkeiten.
Es war ein Überraschungsangriff. Rommel war auf Erholungsurlaub in Deutschland, als am 23. Oktober 1942 die zweite Schlacht von El Alamein begann. Als Rommel zwei Tage später nach Ägypten zurückkehrte, waren bereits mehrere tausend Mann seiner Einheit gefallen, und auch in den folgenden zwei Wochen kam es nur an zwei Tagen zu Gefechtspausen. Letztendlich widersetze sich Rommel Hitlers Befehl und blies eigenmächtig zum Rückzug.

Quelle: Deutsche Botschaft Kairo



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