Leitungsbauer: "Jetzt wird enteignet"

Die ersten Leitungen bei Bakendorf wurden per Hubschrauber von Mast zu Mast gezogen, der Winter konnte den Leitungsbau nicht ernsthaft verzögern. Pohle (2)
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Die ersten Leitungen bei Bakendorf wurden per Hubschrauber von Mast zu Mast gezogen, der Winter konnte den Leitungsbau nicht ernsthaft verzögern. Pohle (2)

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01. März 2010, 07:59 Uhr

Bakendorf | Beim Bau der 380-kV-Stromleitung zwischen Schwerin-Görries und Hamburg gehen die Erbauer nun entschieden gegen den anhaltenden Widerstand einiger Grundstücksbesitzer aus der Region vor. Nachdem zahlreiche Gespräche und Angebote von einigen nicht angenommen wurden, werde nun zum Mittel der Enteignung gegriffen, erklärte der Projektverantwortliche Jürgen Siefert. Das beträfe wahrscheinlich gut ein Dutzend Grundstücke entlang der Trasse in Mecklenburg und einige wenige Eigentümer. "Wir haben wirklich viel versucht, haben Geduld bewiesen, Angebote gemacht, aber wenn es um Grundsätzliches geht, kommt man einfach nicht weiter. Und diesen Punkt haben wir nun erreicht."

Große Sorgen um seine eng gesteckten Termine macht sich Siefert wegen der widerspenstigen Grundstückseigentümer nicht, denn er hat einen rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss in der Tasche. Mit diesem Dokument in der Hinterhand ist eine Enteignung von betroffenen Grundstückseigentümern keine Sache von Jahren, sondern von Wochen. Bisher durften die Bautrupps einige Grundstücke nicht betreten. Die Lücken in der Kette der riesigen Stromleitungsmasten sind unübersehbar.

Zuständig für die so genannte "Eigentumseinweisung" ist ein extra Kommissar beim Land. Die zuständige Firma "50Hertz Transmission GmbH" mit Sitz in Berlin hätte die Auseinandersetzung mit Grundstückseigentümern gern vermieden und auf Einigung gesetzt. Schon beim Baubeginn war man, damals noch unter der Vattenfall-Fahne, optimistisch an die Sache herangegangen und hatte auf die Einsicht der Betroffenen gesetzt. Nach SVZ-Informationen werden noch in dieser Woche die Enteignungsunterlagen nach Schwerin geschickt. Parallel dazu wird auf den 47 Kilometern Leitung auf Mecklenburger Gebiet weitergebaut. Selbst beim stärksten Wintereinbruch in den vergangenen Monaten hat es bis auf eine Woche so gut wie keine Unterbrechungen auf der Baustelle gegeben.

Denn die Zielsetzung bleibt ehrgeizig. Noch in diesem Jahr soll der Teilabschnitt Zarrentin-Wittenburg in Betrieb gehen. Ihm soll der Abschnitt zwischen Gammelin und Görries folgen. In beiden Fällen handelt es sich um die kleineren 110-kV-Leitungen, die von den neuen Masten quasi "Huckepack" mitgenommen werden und bisherige Leitungen ersetzen. Zugleich wird damit die Versorgungssicherheit der Region verbessert, weil mit dem neuen System nun Ringleitungen möglich sind. Im Falle eines Ausfalles ließen sich die betroffenen Bereiche immer noch versorgen.

Baustart in Schleswig-Holstein wird vorbereitet

Die eigentliche 380-kV-Leitung zwischen Hamburg-Krümmel und Schwerin-Görries könnte im besten Fall Ende des Jahres in Betrieb gehen. Doch dafür muss die Leitung auf schleswig-holsteinischem Gebiet weitergebaut werden. Bisher endet die Kette der Riesenmasten im Megapark Valluhn-Gallin. Für Schleswig-Holstein wird ab Mitte des Jahres der Planfeststellungsbeschluss und damit Bausicherheit erwartet. Dann sind von der Landesgrenze bis zur Autobahnabfahrt Schhwarzenbek gute 20 Kilometer neu zu bauen. In Elmenhorst trifft die Trasse dann bereits auf eine bestehende Stromleitung, die genutzt wird. "Wie lange das alles konkret dauern wird, hängt natürlich auch vom dortigen Widerstand Betroffener ab", weiß Projektleiter Siefert. Dennoch wird an den ehrgeizigen Plänen festgehalten.

Denn die Leitung wird als so genannte "Windsammelschiene" aus Sicht der Stromkonzerne dringend benötigt. Schon jetzt gibt es in Mecklenburg-Vorpommern an windreichen Tagen mehr Strom im Angebot als Verbraucher. Eine Schere, die sich in Zukunft mit den neuen Offshore-Windparks noch weiter öffnen wird.

Außerdem wird die Stromleitung, die jetzt schon von Schwerin weiter in Richtung Güstrow führt, auch für das überregionale Stromnetz benötigt. Und nicht zuletzt markiert die Leitung auch eine neue Verbindung zwischen den alten und neuen Ländern.

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