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Lokales

24. September 2017 | 23:21 Uhr

Leiser Protest gegen Atomkraft

vom

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erstellt am 24.Okt.2010 | 05:09 Uhr

Wittenberge | Castortransport in Wittenberge, Atommüll auf dem Bahnhof. Kein Szenario, sondern in wenigen Monaten Realität. "Und das wissen Wittenberger nicht, sie blenden dieses Thema aus", sagte Wilfried Treutler am Samstag während einer Protestveranstaltung vor dem Wittenberger Bahnhof. Zu diesem hatten die Prignitzer Jusos und das Antiatombündnis aufgerufen.

Es sei unheimlich schwer, Prignitzer für dieses Thema zu interessieren. "Es ist ein richtiges Problem, sie zu bewegen, auf die Straße zu gehen", meinte Treutler. Gorleben sei nur 25 Kilometer Luftlinie entfernt. Was ein dortiges Endlager im Salzstock, der sich unterirdisch bis in die Prignitz erstreckt, für eine Gefahr bedeuten könne, hätten die Informationen der vergangenen Tage gezeigt. Und dennoch wirke die Elbe wie eine Grenze in den Köpfen der Menschen. "Dass Prignitzer Bauern mit Traktoren eine Straße blockieren, ist nahezu unvorstellbar", so Treutler.

Deshalb bewertete er den Protest am Samstag als einen Erfolg, auch wenn nur knapp 40 Atomgegner dem Aufruf gefolgt seien. In der Prignitz war es die erste öffentliche Antiatomveranstaltung auf der Straße, sagte Wilfried Treutler, der sich selbst seit Jahren an Protesten im Wendland aktiv beteiligt. "Für mich ist es unwichtig, ob 50 oder 500 Leute kommen, Hauptsache es passiert etwas."

Dieser Meinung schloss sich der Juso-Vorsitzende Timm Buchholz an. "Auf dem Weg nach Lubmin wird der Castor im nächsten Jahr durch Wittenberge rollen, also ist das für uns ein Thema", sagte er. Deshalb hätten die Jusos nicht gezögert, als das Anti-Atom-Bündnis ihnen eine Proteskundgebung vorgeschlagen hätte. Seinen Stromanbieter kenne Bucholz aber nicht und könne deshalb nicht exakt sagen, ob bei ihm Ökostrom oder Atomstrom aus der Steckdose fließt, räumte er ein.

Natürlich hätte sich Timm Buchholz über eine größere Resonanz gefreut. Lange Zeit hielten sich Protestler und Polizeiaufgebot die Waage, wirkten die spärlichen Plakate auf dem Bahnhofsvorplatz verloren. Passanten nahmen kaum Notiz von dem kleinen Häuflein. Am Ende wurden es dann doch mit Verstärkung aus Potsdam rund 40 Teilnehmer.

Vier Mitglieder vom Anti-Atom-Bündnis kamen mit dem Zug angereist. Unter ihnen Theoderich Wächter. Er sei im Sommer mit seiner kleinen Tochter Lina hier gewesen und war von der Landschaft fasziniert. "Als ich jetzt vom Castortransport durch Wittenberge erfuhr, wollte ich diesen Protest", sagte er. Atomkraft halte er für überflüssig. "Aus Sicht eine nüchtern denkenden Menschen ist sie extrem gefährlich, wenn es doch einmal zu einem Unfall kommen sollte." Außerdem würden Menschen heute eine Energie nutzen, deren schädliche Abfällen noch Generationen belasten würde.

Zusammen mit den anderen Vertretern vom Anti-Atom-Bündnis gab Theoderich Wächter Tipps zu friedlichen Sitzblockaden. Erst am Vormittag hätten sie dazu ein Training absolviert. Diese Übungen stehen im Zusammenhang mit einer geplanten Großkundgebung am 6. November im Wendland.

Wolfgang Kahmann war aus aus Perleberg angereist, hatte am vergangenen Donnerstag auch die Informationsveranstaltung der Linkspartei in Lenzen zu Gorleben besucht. "Geologen favorisieren Salzstöcke nicht als Endlager", sagte er. Deshalb lehne er eine weitere Erkundung in Gorleben an. Zwar fordere er keinen sofortigen Atomausstieg, "aber die Laufzeitverlängerung ist das falsche Signal".

Wilfried Treutler erinnerte an das sowieso absehbare Ende der Atomenergie: "In rund 40 Jahren gibt es auf der Erde kein Uran mehr und spätestens dann müssen wir ohne Atomstrom auskommen, brauchen wir Alternativen", sagte er.

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