Lehrstellensuche ist auch Elternsache

Alexandra Otto und Christina Möller zeigen die ersten Plakate, die schon bald landkreisweit die Berufsorientierung unterstützen sollen. Foto: ParMa
Alexandra Otto und Christina Möller zeigen die ersten Plakate, die schon bald landkreisweit die Berufsorientierung unterstützen sollen. Foto: ParMa

von
15. Februar 2011, 06:17 Uhr

Lübz/ Parchim | Mit einer groß angelegten Plakataktion will das Parchimer Übergangsmanagement Schule-Beruf das Interesse und Engagement von Eltern bei der beruflichen Orientierung ihrer Kinder fördern. Flotte Sprüche sollen aufrütteln und zum Nachdenken sowie zur Diskussion anregen, sagen Thomas Bohn, Alexandra Otto und Christina Möller vom ParMa-Team.

Warum rücken jetzt gerade die Eltern ins Blickfeld der Aktivitäten zur Berufsorientierung?

Thomas Bohn: Mütter und Väter gehören zu den wichtigsten Akteuren im Berufswahlprozess. Wir haben in der Zusammenarbeit mit vielen Partnern, die in der Berufsorientierung tätig sind, immer wieder gespürt, dass das elterliche Engagement und die Zusammenarbeit mit den Eltern verbessert werden muss.

Alexandra Otto: Es gibt Eltern, die ihre Kinder nicht im Regen stehen lassen, um schon mal einen Spruch der Kampagne aufzugreifen, sondern sie frühzeitig und aktiv begleiten. Uns ist aber auch bekannt, dass sich etliche aus dieser wichtigen Verantwortung stehlen. Dabei sind sie die bedeutendsten Wegbegleiter für die Jugendlichen.

Glauben Sie, dass weniger interessierte Eltern mit dieser Kampagne ihre Verantwortung besser erkennen und wahrnehmen?

Christina Möller: Ganz bestimmt. Wir haben uns bewusst für eine ziemlich provokante Form der plakativen Ansprache entschieden. Das fällt auf und wird eine Diskussion in Gang bringen. Verschiedene Aussagen sprechen das Thema mit Bezug auf unterschiedliche Alltagssituationen an: beim Friseur, an der Bushaltestelle, im Sonnenstudio… Auch in die diesjährige Karnevalssaison wollen wir die Berufsorientierung als Thema einbringen.

Thomas Bohn: Es geht uns dabei nicht um Schuldzuweisungen oder das Dirigieren der Verantwortung an eine Adresse. Vielmehr wollen wir Möglichkeiten aufzeigen, wo man sich gezielt informieren kann. Wir möchten Gesprächsangebote unterbreiten, eine Elternkonferenz initiieren und natürlich auf die Potenziale unseres Ausbildungsportals aufmerksam machen.

Was wird konkret auf den Plakaten zu lesen sein?

Alexandra Otto: "Mama, spül meine Zukunft nicht weg!" wird auf Spülkästen öffentlicher WCs zu lesen sein. In Apotheken heißt es "Papa, nicht für alles gibt es ein Rezept!" Beim Friseur lautet die Botschaft "Mama, du siehst toll aus. Meine Zukunft auch?" - Es gibt eine Menge flotter Sprüche, die Eltern und natürlich auch die Jugendlichen, um deren beruflichen Zukunftschancen es geht, im Alltag abholen. Und damit genau da, wo sie sind. Die plakativen Aussagen sind immer mit der Bitte verbunden: "Unterstütze dein Kind bei der Berufswahl."

Christina Möller: Wir wünschen uns auch, dass Jugendliche aufgrund der Kampagne ihre Eltern stärker in die Pflicht nehmen und das notwendige Maß an Unterstützung einfordern.

Wenn auf einem Abfallbehälter steht "Papa, wirf meine Zukunft nicht weg" ist das aber doch ziemlich starker Tobak, oder?

Thomas Bohn: Es ist ein eindringlicher Appell an die Eltern. Unsere Erfahrung zeigt, dass es immer schwieriger wird, die Mütter und Väter zu erreichen. Nicht nur Desinteresse spielt da eine Rolle. Gerade beruflich und gesellschaftlich stark engagierte Eltern finden trotz Interesse immer weniger Zeit, mit ihren Kindern über Stärken und Neigungen, über unterschiedliche Berufsbilder, über Praktikumsmöglichkeiten oder letztlich einen konkreten Ausbildungsplatz zu reden. Um das Bewusstsein für diese wichtigen Themen zu schärfen, mussten wir einen völlig neuen Weg beschreiten und für echte Hingucker sorgen.

Wie sind denn diese "Hingucker" entstanden?

Thomas Bohn: Unsere Idee für diese Kampagne wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kommunikationsdesign und Medien an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Wismar entwickelt. Acht Studenten haben sich seit Herbst 2009 in einem Seminar unter Leitung von Prof. Hanka Polkehn und Prof. Dr. Achim Trebeß mit den Hintergründen der Berufsorientierung befasst, kreative Ansätze gesucht, Entwürfe gestaltet und uns eine überraschende wie beeindruckende Auswahl präsentiert.

Alexandra Otto: Nach vielen Diskussionen im ParMa-Team haben wir uns letztlich für die Vorschläge der beiden Studentinnen Laura Guse und Caroline Friedrich entschieden. Die beiden haben genau das getroffen, was ich mir persönlich vorgestellt habe. Wir überlegen jedoch, auch Vorschläge anderer Studenten für weitere ParMa-Kampagnen zu nutzen. Sie alle haben sehr kreativ gearbeitet.

Ab wann und vor allem wo werden Plakate, Aufkleber und Postkarten uns begegnen?

Thomas Bohn: Auftakt für die Kampagne ist am 25. Februar. Dann wollen wir mit dem Schirmherren Landrat Klaus-Jürgen Iredi das erste Plakat in der Bahnhofstraße enthüllen. Anschließend erfolgt die Plakatierung und Verteilung von Aufklebern und Postkarten im gesamten Landkreis Parchim. Wir sind schon jetzt sehr gespannt auf die Reaktionen und hoffen, dass möglichst viele die Aktion so verstehen, wie sie gemeint ist: als Denkanstoß, wie wir gemeinsam die Zukunft der jungen Menschen in der Region gestalten können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen