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Unterrichtsversorgung in der Kritik : Lehrer krank - Schüler bleiben zu Hause

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Unterrichtsausfall nicht mehr nur stundenweise, sondern gleich einen ganzen Schultag lang. Das hat eine 6. Klasse der Schule Waren-West erlebt. Eltern platzte der Kragen. Ein Umstand, der nicht allzu häufig vorkommt.

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erstellt am 15.Apr.2011 | 10:03 Uhr

Schwerin | Unterrichtsausfall nicht mehr nur stundenweise, sondern gleich einen ganzen Schultag lang. Das hat eine 6. Klasse der Regionalen Schule Waren-West erlebt: Sieben Stunden standen an jenem Donnerstag im Plan, vier sollten wegen Krankheit ausfallen, drei hätten mit Ach und Krach vertreten werden können. Einen Tag vorher entschied die Schule, die Kinder gleich gar nicht kommen zu lassen. Eltern platzte der Kragen. Ein Umstand, der nicht allzu häufig vorkommt.

Ausfall ist Tabu und Alltag gleichermaßen an den meisten Schulen landauf landab. Zwei Beispiele aus den letzten Schultagen vor den Osterferien: In Klasse 11 des Carolinums Neustrelitz, - vormals Arbeitsplatz von Bildungsminister Henry Tesch (CDU) - sind in der 13. Kalenderwoche von 36 Unterrichtsstunden zehn ersatzlos entfallen, in Physik, Deutsch, Bio, Kunst und Sport. Besagte Klasse 6 in Waren hatte in Kalenderwoche 14 nur 19 der planmäßigen 31 Stunden. Wobei nur Totalausfall zählt, nicht die Stunden, die mit Beschäftigungstherapie rumgebracht wurden. Auch auf Internet-Seiten, auf denen unter anderem die Unterrichtsversorgung mit Schulnoten bewertet wird, schneiden viele Schulen schlechter ab als 3 - so in Schwerin das Goethe-Gymnasium (3,2) und die Regionale Schule "Erich Weinert" (3,6) oder in Rostock das Erasmus-Gymnasium (3,7) und die Kooperative Gesamtschule Südstadt (3,6). Im Bildungsministerium bei Hermann Daubenmerkl vom Referat Unterrichtsversorgung klingen die Zahlen zum Thema deutlich harmloser, begleitet von einem Lobgesang auf die Statistik. Während sich andere Bundesländer beim Zählen von Ausfallstunden mit Stichtagen und Stichproben begnügen, erfasse Mecklenburg-Vorpommern Tag für Tag Schule für Schule. Im Schuljahr 2009/2010, so sagt die Statistik, konnten an allgemeinbildenden Schulen 97,2 Prozent und an Berufsschulen 93,8 Prozent der planmäßigen Unterrichtsstunden erteilt werden. Die Ausfallquote betrug demnach 0,8 Prozent in Grundschulen, je 2,7 Prozent in Gymnasien, Regional- und Gesamtschulen, 2,8 Prozent in Förderschulen und 5,7 Prozent in Berufsschulen. Wie das Beispiel Waren dazu passt? Besagter Schultag wäre mit Vertretung bereits um 10.30 Uhr beendet gewesen, "Da von 27 Kindern nur 8 aus Waren kommen und alle anderen Fahrschüler sind, deren Busse erst um 14.30 Uhr fahren, hat die Schulleitung erstmals entschieden, dass kein Unterricht stattfindet", so das Ministerium.

Wer nach aktuellen Zahlen vom ersten Schulhalbjahr fragt, erlebt, wie viel Aufhebens darum gemacht wird. "Abstimmung innerhalb der Ressorts" - sprich Ministerien - sei nötig, ein Bericht an den Landtag erst im Juni fertig. Ausfall-erbosten Eltern mag eine solche Geheimniskrämerei verwundern, misstrauisch sind sie ohnehin längst angesichts des Widerspruchs zwischen Statistik und wahrem Leben.

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