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Lokales

24. November 2017 | 16:12 Uhr

Lehre mit Nervenkitzel

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erstellt am 11.Okt.2010 | 10:13 Uhr

Warnemünde | Höhenangst darf hier keiner mitbringen. Die Elektroniker-Lehrlinge der Firma EP Meißner sind mittendrin, wenn zum Beispiel in 40 Metern Höhe Boxen installiert werden müssen, damit im Fußballstadion die Akustik stimmt. Der 1948 gegründete Familienbetrieb kümmert sich um Elektroinstallationen, Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte, berät, verkauft, liefert, wartet und repariert fast alles - von der Waschmaschine bis zum Beamer. Besonderer Schwerpunkt ist jedoch die Beschallung von Stadien und Konferenzzentren.

"Deutschlandweit sind wir auf diesem Gebiet einer der wenigen", sagt Geschäftsführer Wilhelm Meißner. Angefangen hat es einst damit, dass sie Hifi-Anlagen installierten und Heimkinos einrichteten. Eine besonders große Herausforderung stellt schließlich die gesamte Beschallungstechnik im ehemaligen Ostseestadion dar, der heutigen DKB-Arena. "Dabei müssen eine Vielzahl von technischen Details und Bauteilen exakt aufeinander abgestimmt werden", so Meißner. Verstärker, Lautsprecher, Mikrofonanlagen, Mischpulte, tausende Meter Kabel und hunderte Verteiler und Stecker müssen optimal zusammenspielen. Echos machen in so großen Räumen jedes gesprochene Wort unverständlich, Rückkopplungen sind unerwünscht.

Auf das erfolgreiche Rostocker Projekt folgen schnell weitere Aufträge, unter anderem für die Arena in Hannover. Als Spielstätte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 muss das Team hier bei der Installation der elektroakustischen Anlagen, bei den Antennensystemen und den Reporterplätzen auch die hohen Vorgaben der Fifa erfüllen. Zurzeit arbeiten die Experten aus der Hansestadt am Stadion in Mainz. "Dafür haben wir uns unter 200 Bewerbern durchgesetzt", so der Firmen-Chef. Bei allen Projekten sind die Auszubildenden hautnah dabei.

Die fünf angehenden Elektroniker mit der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik lernen in der Werkstatt in Lichtenhagen, die seit 1992 zum Betrieb gehört, in der Schule für Elektrotechnik und Elektronik sowie auf den aktuellen Baustellen. Dreieinhalb Jahre dauert die Lehre, Interessierte sollten einen Realschulabschluss, gute Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern sowie Fitness mitbringen. "Gesundheit ist für die Arbeit in der Höhe ein Muss", so Meißner.

Dieses Jahr: Defizit an geeigneten Bewerbern

Auszubilden und die jungen Leute nach der Lehrzeit auch zu übernehmen, ist dem Geschäftsführer wichtig. Viele der heutigen Mitarbeiter hätten bereits in der Firma gelernt, so Meißner, der sich auch als Obermeister der Informationstechniker-Innung engagiert. Im vergangenen Jahr gab es eine Auszeichnung von der Kreishandwerkerschaft. "Weil wir jedes Jahr kontinuierlich ausgebildet haben", so Meißner. Etwas betrübt macht ihn, dass er in diesem Jahr zum ersten Mal keinen neuen Lehrling einstellen konnte, weil es nicht ausreichend geeignete Bewerber gab.

Das Schaufenster der Firma ist ihr Fachgeschäft in Warnemünde. Auch hier ist immer Platz für einen Lehrling. Dieser kann nach zwei Jahren die Ausbildung zum Verkäufer abschließen oder nach einem zusätzlichen Jahr Kaufmann im Einzelhandel werden. Deutsch und Mathe sollten Bewerber beherrschen und am liebsten auch Englisch - "wegen der vielen Kreuzfahrer", sagt Silvia Hippel, die die Auszubildenden betreut. Da die Lehrlinge nicht nur im Geschäft arbeiten, sondern auch zum Kunden mitgenommen werden, sollten sie redegewandt sein. Silvia Hippel kann eine Ausbildung in einem kleinen Familienbetrieb nur empfehlen: "Hier gibt es immer einen Ansprechpartner."

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