Leben in alter Investitionsruine

<strong>Wurde vor 15 Jahren stillgelegt:</strong> der Schlachthof Neustrelitz. Der ostdeutsche Hähnchenproduzent Friki will in dem Werk die Produktion 2012 wieder aufnehmen. <foto>zvs</foto>
Wurde vor 15 Jahren stillgelegt: der Schlachthof Neustrelitz. Der ostdeutsche Hähnchenproduzent Friki will in dem Werk die Produktion 2012 wieder aufnehmen. zvs

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25. November 2010, 07:22 Uhr

Neustrelitz | Betrieb in dem 1995 nach nur zwei Jahren Produktion geschlossenen Schlachthof Neustrelitz: Der ostdeutsche Geflügelproduzent Frikifrisch will das Anfang der 90er-Jahre für damals 65 Millionen Mark (33 Millionen Euro) aufgebaute Werk vom deutschen Fleischriesen Moksel übernehmen. Entsprechende Verhandlungen sollen bis Ende 2010 abgeschlossen werden, kündigte Friki-Chef Bernhard Lammers gestern gegenüber unserer Redaktion an. "Wir sind guter Dinge." Dazu sei eine eigene Gesellschaft, die Friki Neustrelitz GmbH, gegründet worden. Friki brauche dringend zusätzliche Kapazitäten, um die prognostizierten zehnprozentigen Wachstumsraten realisieren zu können. Das bestehende Friki-Werk in Storkow stoße allmählich an Grenzen. In Neustrelitz sollen deshalb die bestehenden Schweineschlachtlinien in Geflügelschlachtlinien umgerüstet werden. Auch müsse beispielsweise die Kühltechnik erneuert werden, die Bauhülle bleibe aber erhalten. Nach ersten Schätzungen würden etwa 10 bis 20 Millionen Euro investiert, sagte Lammers. Es liefen "vielversprechende Verhandlungen", bestätigte Moksel-Sprecher Gunnar Rohwäder.

Den Planungen zufolge solle 2012 mit der Schlachtung der Hähnchen begonnen werden - in einem "ersten Schritt" neue Jobs für 80 bis 100 Beschäftigte. In den Folgejahren sei eine "Verdopplung der Beschäftigtenzahlen" nicht ausgeschlossen. Der Einstieg in Neustrelitz biete die Möglichkeit die Transportkosten zu verringern und vor allem die Tiertransportzeiten statt bislang maximal 240 Kilometer auf unter 100 Kilometer zu begrenzen, erklärte der Unternehmenschef. Friki wolle im Landkreis Mecklenburg-Strelitz künftig alle von Vertragsmästern nördlich von Berlin aufgezogenen Masthähnchen schlachten. Das Unternehmen bringt derzeit jährlich etwa 25 Millionen Hähnchen auf den Markt. 30 bis 40 Prozent davon würden im Norden aufgezogen, unter anderem in Ställen südlich von Rostock, der Region Pasewalk, Prenzlau und Neuruppin, erklärte Lammers. Friki ist ein Tochterunternehmen der holländischen Plukon Royale-Gruppe mit 2700 Beschäftigten in Holland, Deutschland und Belgien sowie einem Jahresumsatz von 730 Millionen Euro.

Mit dem Einstieg der Holländer bekommt eine der größten Fehlinvestitionen in MV doch noch eine Zukunft. Der deutsche Schlachtkonzern Moksel hatte Anfang der 90er-Jahre für den Bau des Werkes mehr als 15 Millionen Mark an öffentlichen Beihilfen kassiert. Einzige Auflage: Das Werk sollte mindestens fünf Jahre in Betrieb bleiben. Nach Auslastungsproblemen hatte der Konzern die Produktion aber schon 1995 geschlossen und, wie das Unternehmen betonte, "vorrübergehend stillgelegt". Moksel durfte die Immobilien zudem zwölf Jahre lang nicht zweckentfremden. Die sonst üblicherweise vereinbarten Arbeitsplatzzusagen hatte der Bund dem Konzern erspart. Nach jahrelanger Beihilfedebatte gab Moksel nach. "Die Fördergelder sind zurückgezahlt", so Rohwäder gestern.

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