Lastwagen fahren an der Oberleitung

Lastwagen fahren in Groß Dölln probeweise an elektrischen Oberleitungen. <foto>Siemens</foto>
Lastwagen fahren in Groß Dölln probeweise an elektrischen Oberleitungen. Siemens

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22. Juni 2012, 07:53 Uhr

Groß Dölln/München | Lastwagen könnten künftig wie Eisenbahnen an elektrischen Oberleitungen fahren und so deutlich weniger Abgase verursachen. Ein entsprechendes Pilotprojekt stellte der Siemens-Konzern gestern auf dem ehemaligen Militärflughafen Groß Dölln in der Uckermark vor. Entlang einer früheren Start- und Landebahn sind dort auf 1,2 Kilometern Länge Strommasten aufgebaut. An ihnen fahren 40-Tonner mit Ökostrom statt mit Diesel. "Das ist unser neuestes und vielleicht auch innovativstes Baby", sagte Siemens-Forschungsleiter Roland Edel über die simulierte Elektro-Autobahn.

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen hat vorgeschlagen, in einer ersten Phase über 5000 Kilometer auf deutschen Autobahnen - von der A1 bis zur A9 - mit elektrischen Oberleitungen zu versehen. Der Strom für den Schwerlastverkehr soll aus regenerativen Energien kommen und klimaneutral sein.

Wegen ihrer abwegig klingenden Idee wurden die Forscher eigenen Angaben nach anfangs belächelt. Seit dem Einstieg von Industriepartnern wie Siemens werde das Projekt aber "sehr ernsthaft" verfolgt. Das Vorhaben ist laut Umweltrat zu "überschaubaren Kosten" machbar. Für den Schienenverkehr baut Siemens seit Jahrzehnten Elektromotoren.

Die Lastwagen auf der Teststrecke verfügen über einen Hybridantrieb. Sie können über dem Dach einen Stromabnehmer ausfahren und an die Oberleitungen ankoppeln. Dann schaltet sich der Diesel aus, und die Lkw schnurren fast so leise wie eine Straßenbahn über den Asphalt. Geschwindigkeiten bis zu 90 Kilometer pro Stunde sind laut Siemens problemlos möglich. Verlassen die Lkw die Spur, etwa beim Überholen, wird der Stromabnehmer eingefahren und der Lkw fährt mit Dieselantrieb weiter.

Auch im Ausland hat die Innovation nach Angaben von Siemens bereits Interesse geweckt. In Los Angeles will das Unternehmen eine Autobahn zum "eHighway" machen. Eine US-Studie kommt nach Medienberichten zu dem Fazit, dass die CO2-Emissionen durch Laster mit elektrischen Oberleitungen erheblich gesenkt werden können. Der Bundesverband Güterverkehr ist skeptisch, ob tausende Kilometer "eHighway" finanzierbar sind.

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