Lange schon ein Knotenpunkt

Aus der Zeit um 1910 stammt diese Postkarte, die den Marienplatz mit seiner damaligen Bebauung zeigt. Archiv (2) / Klawitter (2)
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Aus der Zeit um 1910 stammt diese Postkarte, die den Marienplatz mit seiner damaligen Bebauung zeigt. Archiv (2) / Klawitter (2)

Mit dem Bau der "Marienplatz-Galerie" will die Stadt auch dem gesamten Marienplatz ein neues Gesicht geben. Elf Architektenbüros nahmen an einem eigens initiierten Wettbewerb teil. Am Ende überzeugte die Jury das Konzept der Planer von WES & Partner aus Berlin und Hamburg, die auf eine vorsichtige Modernisierung des Platzes setzen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Marienplatz schon seit knapp zwei Jahrhunderten ein Kno tenpunkt für Verkehrs- und Handelsströme in der Stadt ist.

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10. August 2009, 08:30 Uhr

Schwerin | Wenn Stadtarchivar Rainer Blumenthal auf den Marienplatz zu sprechen kommt, gerät er ins Schwärmen. "Es gibt in der Stadt keinen anderen Platz, der eine so interessante Geschichte hat." Siedlungsspuren fänden sich bereits aus der Germanen-Zeit, vor Christi Geburt, freigelegt erst jüngst bei archäologischen Untersuchungen des Baufeldes für die geplante "Marienplatz-Galerie" (wir berichteten).

Eine erste Ansicht des Platzes enthält ein Merian-Stich aus der Zeit um 1640. "Schwerin lag seinerzeit quasi auf einer Insel - und die Fläche des heutigen Marienplatzes befand sich noch vor den Toren der Stadt an der Wallanlage", sagt Blumenthal. Erst um 1840 sei der "Platz vor dem Mühlenthor" in die Stadt integriert worden. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich aber neben dem fürstlichen Ar men haus und vielen Scheunen auch schon mehrere Hotels am Ort angesiedelt gehabt. "Der Platz an der Schnittstelle der Straßen nach Lübeck und Wismar war bereits ein wichtiger Knotenpunkt", erklärt Archivar Blu men thal.

Platz hatte schon mehrere NamenErste Fotos vom Marienplatz gibt es aus der Zeit um 1890. Der Platz ist nun komplett bebaut. In seiner Mitte steht eine Trinkhal le. Seinen Namen verdankt der Platz, der später auch noch Adolf-Hitler- und Le ninplatz heißen wird, übrigens der Schwester der Großherzogs Paul Friedrich.

1909/10 entstehen auf dem Marien platz anstelle des abgebrannten Restaurant- und Konzerthauses Flora die Stadthallen, in die später auch ein Kino einzieht. Inzwischen fährt auch eine elektrische Straßenbahn über den Platz. In den 30er-Jahren wird der Marienplatz ge stalterisch umgebaut. Schienen werden neu verlegt, die alte Trinkhalle verschwindet. 1950 wird aus den Stadthallen das "Haus der Offi ziere". "Dort habe ich selbst das Tanzen gelernt", erzählt Rainer Blumenthal.

Zu DDR-Zeiten entwickelt sich der Platz immer mehr zum Hauptverkehrsknoten der Stadt. Protest erhebt sich, als in den 80er-Jahren das ehemalige fürstliche Armenhaus abgerissen wird. Auch als später in den 90er-Jahren der "Lübecker Hof" abge tragen wird, regt sich Widerstand, wie Archiv Blumenthal berichtet.

Heute ist die 1853 erbaute Apotheke das älteste Haus am Marienplatz. Dominiert wird der Platz aber vom 1998 eröff neten Schlosspark-Center. Mit der Marienplatz-Galerie soll im kommenden Jahr ein weiteres großes Einkaufszentrum entstehen. Gleichzeitig soll der Marienplatz umgestaltet werden.

Stadtvertreter müssen Beschluss fassenGlasdach, Sitzbänke und Bäume, eine Wasserstele, dazu die im sanierten Altstadtbereich bekannte Pflasterung und Beleuchtung - so soll künftig der Marienplatz aussehen. Die Planer von WES & Partner aus Berlin/Hamburg gewannen im Juni dieses Jahres den Wettbewerb, den die Stadt für die Umgestaltung des Platzes ausgeschrieben hatte. An dem Wettbewerb nahmen insgesamt elf Architektenbüros teil. Frühestens im Jahr 2011 werden die Ideen der WES-Planer umgesetzt, wenn die Stadtvertreter einen entsprechenden Beschluss fassen. "Dieser Platz ist das Verkehrs- und Handelszentrum Schwerins. Mit seiner Sanierung wollen wir ihn nachhaltig aufwerten", sagt Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff.

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