Landwirtschaft im Aufwärtstrend

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24. November 2010, 09:03 Uhr

Karstädt | Eine Umfrage des Bauernverbandes unter 1000 Mitgliedern zeigt einen nachhaltigen Aufwärtstrend in der deutschen Landwirtschaft. "Nach dem Tief 2003/04, dem Hoch 2007 und der Krise 2008/09 steigt das Agrarbarometer wieder. Für den Herbst 2010 und das Frühjahr 2011 werden Investitionen von mindestens sieben Milliarden Euro erwartet - das sind 50 Prozent über Normal", erklärte Dr. Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), auf dem gestrigen Kreisbauerntag vor knapp 100 Landwirten und Gästen im Landgasthof in Karstädt. Erfreut sah das auch Ulrich Kieback, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Prignitz. Nicht nur mit Blick auf die EU-Agrarförderperiode nach 2013 und ihren neuen Anforderungen an die Landwirte meinte er: "Wir brauchen eine starke berufsständische Vertretung, die sich einmischt und mitmischt." Der DBV begrüßte, dass die Direktaus gleichszahlungen mit entkoppelter Prämie (erste Programmsäule) und die Entwicklung ländlicher Raum (zweite Säule) fortgesetzt werden sollen, wenngleich die Gelder der zweiten Säule stärker auf die Landwirtschaft auszurichten sind, ging Helmut Born auf erste Gesprächsergebnisse in Brüssel zur neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ein. Nein sage man zur Polarisierung zwischen marktorientierter Landwirtschaft und öffentlichen Leistungen sowie zur Einführung von Förder-Obergrenzen, was insbesondere Betriebe in Ostdeutschland benachteiligen würde.

Neu definiert werden müsste der Begriff des "aktiven Landwirts", auch sollten die Vorschriften von Cross Compliance (Einhaltung von Verpflichtungen) vereinfacht und damit Bürokratie abgebaut werden. Der DBV werde sich in die GAP-Gespräche weiter einbringen, versicherte Born. Auch wolle man mit Plakataktionen, wie "Arbeit mit Leidenschaft - Die deutschen Bauern" oder "Unsere Leistung ist ihr Geld wert", das Image der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit aufwerten.

Einen GAP-Beschluss in Brüssel erwartet Born nicht vor Mitte 2013. Diese Zeitschiene ist nicht nur Joachim Jammer, Chef des Agrarbetriebs in Kietz, zu lang: "Wir brauchen schon vorher Klarheit, wie sollen wir als größerer Betrieb sonst planen?" Harsche Kritik übte Landwirt Albrecht von Wilamowitz aus Krampfer an der Verkaufspraxis von BVVG-Flächen. Hier würden Preise verlangt, die nicht mehr erwirtschaftbar seien. Auch sei es ein Unding, dass in den Verkaufsgesprächen öffentlich bestellte Gutachter nicht zugelassen werden. "Die BVVG hat einen Riesenfehler gemacht", stimmte Udo Folgert, Vizepräsident des Deutschen und Präsident des Brandenburgischen Bauernverbands, zu. Die fünf ostdeutschen Bauernverbände hätten sich in einem Brief an die Ministerpräsidenten gewandt, aber noch keine Antwort erhalten.

Die Forderung von Wilamowitz, die Gaseinspeisung bei der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Interesse des ländlichen Raum stärker zu berücksichtigen, unterstützte Landrat Hans Lange. Gas könne man speichern, hier gebe es keine Wärmevernichtung. "Wenn Bio gasanlagen mit einem Landwirtschaftsbetrieb gekoppelt werden, ist das gut. Sie nur zu betreiben, um Geld zu verdienen, halte ich für schlecht. Denn das verdirbt die Kulturlandschaft und die Bodenpreise."

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