Landwirte besorgt: Getreidepreise im Keller

Probedrusch gestern auf der Agrofarm Lüssow: Sobald es trocken bleibt will Wolfgang Hinz mit der Ernte beginnen. Jens Griesbach
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Probedrusch gestern auf der Agrofarm Lüssow: Sobald es trocken bleibt will Wolfgang Hinz mit der Ernte beginnen. Jens Griesbach

Jederzeit auf dem Sprung ist Wolfgang Hinz. Fünf Mähdrescher warten gerade auf dem Gelände der Agrofarm Lüssow auf ihren Einsatz. 380 Hektar Wintergerste gilt es abzuernten. Sonntag holte Landwirt Hinz schon 400 Tonnen rein. Doch gestern stand wieder alles still. "Das Korn ist einfach noch zu feucht", sagt er. Doch schon heute will er richtig loslegen - falls es trocken bleibt. Allerdings machen ihm die gesunkenen Getreidepreise Sorgen.

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14. Juli 2009, 10:30 Uhr

Lüssow | Gestern am Feldrand bei Lüssow: Reinhard Höft, Verantwortlicher für die Pflanzenproduktion in der Agrofarm Lüssow, lässt in seinem Testkoffer ein paar Ähren verschwinden, um den Feuchtigkeitsgrad zu ermitteln. Vorstandsvorsitzender Hinz schaut aufmerksam zu. "20,3 Prozent", sagt er. "Das ist noch zu viel. Um ernten zu können, sind 14,5 Prozent optimal." Also wieder nichts mit dem Ernte-Start. "Hilft nichts. Wir müssen noch warten", sagt Hinz. Das ist dem Regen in der Nacht zu gestern geschuldet. Sonntag nutzte Hinz bereits das sonnige Wetter, erntete schon einmal 400 Tonnen. Die lagern gerade in der Trocknung, was den Landwirt aus Lüssow zusätzliches Geld kostet.

Und Geld versucht Hinz an allen Ecken und Kanten zu sparen. Grund ist der rapide gesunkene Getreidepreis. "Der Preis ist im Keller. Neun bis zehn Euro bekomme ich gerade pro Dezitonne Gerste. Vergangenes Jahr waren es noch 17 Euro", erklärt er. Allerdings hofft der Landwirt, dass der preis während der Ernte noch etwas steigt. Gewinne glaubt er mit dem Getreide nicht erzielen zu können. "Bei den schlechten Preisen kommen wir plus minus Null raus", befürchtete er. Schuld seien auch die gestiegenen Dünger preise. So sieht es auch sein Kollege vom Landwirtschaftlichen Unternehmen Sarmstorf, der ebenfalls kurz davor steht, mit der Ernte auf seinen 320 Hektar beginnen zu können. "Ein bisschen mehr als neun Euro pro Dezitonne - das ist zu wenig", sagt sagt Geschäftsführer Ulrich Behnke. Und Landwirt Nico Ahlmann aus Groß Tessin stößt ins gleiche Horn: "Es wird dieses Jahr schwer, Geld übrig zu behalten", sagt er. Vor allem auch, weil Hinz, Behnke und Ahlmann von einer nur durchschnittlichen Ernte ausgehen. Während die Bauern jetzt auf trockenes Wetter warten, war es genau die Trockenheit im April, die der Gerste zusetzte. "Die Ähren sind deshalb ziemlich kurz", so Hinz.

Überproduktion drückt die Preise
Schuld an den gefallenen Preisen ist auch die Überproduktion. Auf rund 15 000 Hektar wächst im Kreis Güstrow Wintergerste, informiert Katrin Kauer, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Bützow. Beim Getreideanbau haben die Landwirte im Landkreis Güstrow ein wenig zugelegt, erreichen wieder das Niveau von 2003. Auf knapp 59 000 Hektar bauen sie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Triticale an. Vor zwei Jahren waren es 6000 Hek tar weniger.

Deutlich weniger Zuckerrüben wachsen in diesem Jahr unter der Erde heran. Nur auf knapp 1100 Hektar liegt die Frucht im Boden (2007: 3300 Hektar). Kein Wunder, kam doch im vergangenen Jahr das Aus für die Zuckerfabrik in Güstrow.

Dagegen wächst die Fläche für den Maisanbau auf mittlerweile 14 000 Hektar. Vor sechs Jahren waren es noch 6000 Hektar, 2007 knapp 11 000. Futter nicht nur für Tiere, sondern auch für die zahlreichen Biogasanlagen. Davon gibt es mittlerweile 22 im ganzen Kreis in unterschiedlicher Größe.

Landwirt Wolfgang Hinz sitzt unterdessen weiter auf heißen Kohlen, will endlich richtig loslegen mit der Ernte der Wintergerste. Mit ihm warten 15 Mitarbeiter und die fünf Mähdrescher der Agrofarm Lüssow. "Hoffentlich geht es heute los. Dann können wir in drei Wochen durch sein", sagt er.

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