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Landwirte beklagen Ernteausfälle durch kaltes Regenwetter

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erstellt am 22.Jul.2011 | 07:40 Uhr

Potsdam | Dauerregen, Hochwasser, Frost: Brandenburger Landwirte kennen ihre Feinde genau. Das Ausmaß des angerichteten Schadens wird allmählich deutlich. Auf den Feldern gibt es fast nur sorgenvolle Gesichter.

Das wenig sommerliche Wetter mit viel Regen macht Brandenburger Landwirten Sorge. "Wir müssen mit Ertragseinbußen rechnen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, Wolfgang Scherfke. Die Erträge werden deutlich geringer. Ursache seien das Hochwasser, lange Regenperioden und im Frühjahr starke Nachtfröste. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik ist nach ersten Schätzungen ein Verlust bei Getreide von einem Fünftel zu erwarten. Nach 2,5 Millionen Tonnen - ohne Mais - werden voraussichtlich nur zwei Millionen Tonnen von den Feldern geholt. Mit einem Durchschnittsertrag von knapp 41 Dezitonnen je Hektar müsse gerechnet werden - 18 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

"Die Wintergerste liegt jetzt in den letzten Zügen", sagte Scherfke. Nahezu 100 Prozent seien von den Halmen geholt worden. Der erwartete Ertrag sei deprimierend: Nur mit 45 Dezitonnen könne gerechnet werden. Nach dem Vorjahres-Spitzenergebnis von 60 Dezitonnen ein herber Rückschlag. Sonst werden üblicherweise je Hektar etwa 56 Dezitonnen geerntet. Durch den Starkregen Anfang Juni füllten sich die Körner zu wenig, das Getreide ging viel zu früh in die Notreife über.

Der schlechte Ertrag bei Wintergerste wird laut Scherfke etwas über den erzielten Preis ausgeglichen. Doch höhere Ausgaben für Betriebsmittel wie Dünger, Diesel oder Saatgut ließen davon wenig in der Tasche der Bauern übrig. Alle Hoffnungen seien jetzt auf Wintergerste und Winterweizen gerichtet, sagte Scherfke. Hier werde es erfahrungsgemäß aber große Ertragsunterschiede in den einzelnen Regionen geben. Einzige Gewinner des nassen Frühjahrs und Sommers sind nach Angaben des Agrarexperten Mais und Hackfrüchte. "Für die ist Regen optimal." Die Maispflanzen seien schon sehr kräftig. Futterbestände und Lager zum Betrieb von Biogasanlagen können aufgefüllt werden.

Wegen des abziehenden Regens stabilisiere sich die Hochwasserlage in der Lausitz langsam, sagte Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes. Er rechnet für die Spree und die Neiße am Wochenende nicht mit der höchsten Alarmstufe 4. "Aus heutiger Sicht wird es diesmal nicht so dramatisch wie im vorigen Sommer." Für die Schwarze Elster erwarte er vorerst kein Hochwasser. Zum Schutz vor den Fluten der Spree ließ die Spremberger Stadtverwaltung einige Wege in Ufernähe und Unterführungen von Brücken sperren. Die Pegelstände stiegen nur langsam. Deshalb rechnet Freude kaum mit dem Erreichen des Richtwertes für die zweithöchste Alarmstufe 3. Für Entlastung in Richtung Cottbus sorge die Talsperre Spremberg. Sie war wegen Bauarbeiten an der Staumauer nur halbvoll und kann deshalb viel Wasser aufnehmen. Dort strömen 70 Kubikmeter pro Sekunde hinein, während zehn Kubikmeter je Sekunde abgegeben werden.

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