Landschaft missbraucht als illegale Mülldeponie

<fettakgl>Diesen Müll </fettakgl>haben vier Waldarbeiter in zwei Tagen zusammengesammelt. Zweimal im Jahr startet  Hans-Hubertus Moll eine Aufräumaktion in seinem 450 Hektar großen Privatwald.
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Diesen Müll haben vier Waldarbeiter in zwei Tagen zusammengesammelt. Zweimal im Jahr startet Hans-Hubertus Moll eine Aufräumaktion in seinem 450 Hektar großen Privatwald.

svz.de von
02. Juli 2010, 12:03 Uhr

Ventschow | Waldbesitzer Hans-Hubert Moll ist entsetzt. Zwei Tage lang hatten seine vier Mitarbeiter Müll im Wald rund um Ventschow zusammengetragen. Schon einen Tag später lag ein neuer Müllhaufen an einem abgelegenen Weg bei Alt Flessenow: eine Couch und weitere Möbelteile.

Moll hat dafür keine Erklärung. Die Möbel könne man ohne, dass es etwas kostet, als Sperrmüll abholen lassen. "Wie wenig sensibel die Menschen mit der Natur umgehen", stimmt ihn nachdenklich. "Ihren Garten, das Grundstück pflegen sie, und die freie Landschaft wird als Mülldeponie missbraucht. Das ist für mich unerklärlich."

Moll führt wie andere Waldbesitzer im Land einen ständigen Kampf gegen Umweltsünder. Zweimal im Jahr ist eine Großsammelaktion auf den 450 Hektar von ihm bewirtschafteten Flächen angesagt. Die Waldarbeiter finden blaue Säcke, Reifen, Autobatterien, Baumaterial... Der Müll wird nicht weniger, sagt Moll mit Rückblick auf die vergangenen Jahre. Einmal wurde ein Anhänger voller Autoreifen abgekippt. Am Tarzower See fand er eine ganze Schrankwand. In der Nähe von Jesendorf wurden im vergangenen Herbst zwei Lkw-Ladungen mit Müll von Renovierungsarbeiten entsorgt.

Im Jesendorfer Fall wurde der Verursacher erwischt und zur Kasse gebeten, berichtete gestern Doris Peikert vom Fachbereich Abfallwirtschaft des Landkreises Nordwestmecklenburg: 1000 Euro Bußgeld verhängte der Kreis zusätzlich zu den Beräumungskosten für den Abfall. Ein Unternehmer aus Rostock war der Übeltäter. Er hatte einen Auftrag für Renovierungsarbeiten in Lübeck und dort auch Geld bekommen, um den Müll vom Abriss ordnungsgemäß zu entsorgen. Doch statt auf einer Deponie landete der Unrat im Wald bei Jesendorf. Das hat Doris Peikert mit detektivischem Gespür ermittelt.

Wenn sich in dem Müll irgendein Hinweis findet, dann ertappt die Behörde auch zu 50 Prozent den Verursacher, sagt Peikerts Kollege Frank Scholz. Ein Beispiel: Im Müll aus der Renovierung eines Imbisswagens fand sich eine Adresse. Sie gehörte einer Firma, die den Imbiss belieferte. Der Imbissbesitzer hatte eine Firma mit der Renovierung des Wagens beauftragt. Diese Handwerker wurden als Umweltfrevler überführt.

Der Verursacher muss für den Schaden aufkommen, erklärt Frank Scholz. Wird er nicht ermittelt, hat der Besitzer des Grundstücks das Nachsehen. Das gilt beispielsweise, wenn in einer Baulücke in einem Ort Müll abgekippt wird.

Bei Müll in Wäldern sitzt allerdings der Steuerzahler mit im Boot. Denn vom Gesetz her muss der Besitzer jedermann erlauben, seinen Wald zu betreten. Deshalb bezahlen die Landkreise für die Beseitigung von Unrat. 1000 Kubikmeter Müll aus Wald und Flur müssen allein in Nordwestmecklenburg jährlich geborgen werden. Das kostet 32 000 Euro, sagt Frank Scholz. Eine Summe, die nicht aus den Müllgebühren kommt, sondern aus dem Haushalt des Landkreises. Das Geld reicht aber nur für das Abfahren des Mülls. Zum Glück helfen Waldbesitzer, Förster und Gemeindearbeiter beim Einsammeln des Unrats.

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