Landräte machen Front gegen Tesch

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02. Juli 2010, 07:47 Uhr

Nordwestmecklenburg | Bildungsminister Henry Tesch (CDU) gerät wegen seiner Bildungspolitik zunehmend in die Kritik. Landräte und Oberbürgermeister aus Westmecklenburg verfassten einen offenen Brief. Darin kritisieren sie Teschs Absicht, Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und Lernbehinderung in Regelklassen beschulen zu lassen. "Aus unserer Sicht sind die Schulen auf einen solchen Schritt nicht vorbereitet. Gerade hinsichtlich notwendiger Fortbildung bedarf es eines längeren Anlaufs", fordern die Unterzeichner des Briefes. Er ist unterschrieben worden von den SPD-Landräten der Kreise Parchim, Ludwigslust und Nordwestmecklenburg sowie der Oberbürgermeisterin Schwerins und dem 1. Stellvertretenden Bürgermeister Wismars.

Das Vorhaben des Bildungsministeriums unter den derzeit gegeben Bedingungen stößt auch bei Schulleitern in MV auf Ablehnung. Es bestehe die Gefahr, dass die integrative Beschulung auch aufgrund fehlender personeller Ressourcen scheitere. Schulsozialarbeiter kritisieren: "Wir werden den Förderschülern nicht gerecht. Es ist so schon ein Spagat für Grundschullehrer, Kinder mit unterschiedlicher Lernkompetenz zu beschulen. Es kann nur der Versuch des Sparens dahinter stecken. Mit Pädagogik hat das leider nichts mehr zu tun."

Ein weiterer Aspekt ist das Thema Fortbildung. "Es hat keine Weiterbildung gegeben", verdeutlicht der Leiter der Rehnaer Schule, Uwe Seemann. Damit bestätigt er die Kritik der SPD-Landräte und Oberbürgermeister. Die Verfasser des offenen Briefes werfen die grundsätzliche Frage auf, ob das Bildungsministerium tatsächlich Willens und in der Lage sei, dauerhaft die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um den Erfolg zu gewährleisten?

Bereits ab dem neuen Schuljahr sollen nach dem Willen des Ministeriums keine 1. Klassen mehr an den allgemeinen Förderschulen gebildet werden. Im Jahr 2011/12 sollen auch keine 2. Klassen mehr an diesen Schulen entstehen.

Eine Stellungnahme des Schweriner Bildungsministeriums war gestern nicht zu bekommen. In den vergangenen Monaten hatte Minister Henry Tesch das Vorhaben u. a. damit begründet, gleiche Startchancen zu schaffen.

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