Landkreis wehrt sich gegen Deponie-Übernahme

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28. April 2010, 08:50 Uhr

Nordwestmecklenburg | Seit Jahren sorgt die Deponie Ihlenberg in Selmsdorf für Schlagzeilen. Oft allerdings für negative. Aus ganz Europa wird dort seit mehr als 30 Jahren Sondermüll gelagert. Zurzeit hat das Land die Verantwortung für die Deponie. Doch das soll sich ändern. Geht es nach dem Willen der

Landesregierung, soll die Deponie nach der Kreisgebietsreform im nächsten Jahr vom Landkreis Nordwestmecklenburg beaufsichtigt werden. Eine Idee, gegen die sich Landrätin Birgit Hesse wehrt. "Diese Deponie Ihlenberg hat eben auch Sondermüll. Und Sondermüll ist etwas Besonderes. Der Ihlenberg ist eine Deponie von überregionaler, bundesweiter Bedeutung, so dass ich einfach sagen muss: Diese Aufgaben, die jetzt auf uns übertragen werden sollen, die müssen in Landeshand bleiben", fordert Landrätin Birgit Hesse.

Andernfalls müsste der Landkreis Nordwestmecklenburg künftig nicht nur den korrekten Einbau der Abfälle kontrollieren, er wäre auch für das verantwortlich, was in der Vergangenheit passiert ist. Und gerade darüber gebe es seit Jahren viele Spekulationen. "Wir haben natürlich Sorge, dass wir nicht genau wissen, was in dieser Deponie lagert. Was für Abfälle genau", so Landrätin Birgit Hesse. Zu DDR-Zeiten soll auf dem Ihlenberg unter anderem dioxinbelasteter Abfall aus Seveso in Italien eingelagert worden sein, warnt Günter Wosnitza. Er gehört zur Bürgerinitiative "Stoppt die Deponie". Auch er fragt sich: Was liegt dort wirklich? "Da schweigen ja alle drüber. Und die Anfangsjahre waren sicher die schlimmsten", fürchtet Wosnitza. Nach seiner Ansicht könne der Kreis nur scheitern, wenn er die Aufsicht der landeseigenen Deponie übernehmen sollte. "Also entscheidend an dieser Fragestellung sind die Übernahme der Altlasten, die Sickerwasserbeseitigung - allein das ist ein hoch brisantes Thema. Völlig ungeklärt ist bis heute, was da wirklich läuft. Und die Gaserfassung, die ist auch nicht ohne. Das alleine würde den Kreis schon überfordern", sagt Wosnitza.

Der Landkreis hätte künftig die volle Verantwortung für die Deponie. Angesichts der ungeklärten Altlasten möchte Landrätin Hesse das unbedingt verhindern. Deshalb führt sie zur Zeit viele Gespräche - vor allem mit Landtagsabgeordneten. Denn die entscheiden Mitte Juni darüber, ob die größte Sondermülldeponie Europas ab nächstem Jahr tatsächlich vom Landkreis beaufsichtigt werden soll oder doch wie bisher vom Land MV.

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