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Lokales

23. Oktober 2017 | 19:13 Uhr

Landkreis droht "graue" Wohnungsnot

vom

svz.de von
erstellt am 14.Sep.2010 | 07:00 Uhr

Güstrow | Senioren haben im Landkreis Güstrow schlechte Chancen, in den eigenen vier Wänden alt zu werden. Es droht eine "graue Wohnungsnot". Bereits in 15 Jahren werden 2390 altengerechte Wohnungen benötigt. Das geht aus einer aktuellen Regional-Untersuchung zur "Wohnsituation im Alter" hervor. Damit haben Verbände der Bau- und Immobilienwirtschaft mit der IG Bau erstmals den Wohnbedarf älterer Menschen für die Kommunen in Deutschland ermittelt. Sie haben sich dazu in der Kampagne "Impulse für den Wohnungsbau" zusammengeschlossen. Nach den Untersuchungen kommt das Pestel-Institut Hannover zu dem Schluss, dass es im Landkreis Güstrow einen enormen Bedarf an seniorengerechten Wohnungen gibt. Das bedeute neben dem Sanieren für Senioren auch den Neubau von altengerechten Wohnungen. Denn ein Teil der Altbausubstanz lasse sich nicht mehr wirtschaftlich barrierearm umbauen: ohne Stufen in den Wohnungen und mit einem Aufzug im Haus, heißt es in der Studie.

Das Pestel-Institut errechnete, dass es im Jahr 2025 im Landkreis rund 16 Prozent mehr Haushalte mit einem Über-70-Jährigen geben wird als heute. Wenn man davon ausgehe, dass nur jeder Fünfte der dann 11 950 Senioren-Haushalte auf eine Wohnung ohne Barrieren angewiesen sei, müsse dringend saniert und neu gebaut werden - mit Türen, durch die ein Rollator oder Rollstuhl passe, und mit schwellenfreien Duschen. "Es kann nicht sein, dass ältere Menschen nur deswegen ins Heim müssen, weil sie zu Hause keine altengerecht ausgebaute Wohnung haben", sagt Matthias Günther vom Institut.

Das Pestel-Institut sieht aber auch einen erheblichen Nachholbedarf bei der energetischen Gebäudesanierung, denn rund 15 Prozent aller Wohngebäude sind Nachkriegsbauten, die bis Ende der 60er-Jahre errichtet wurden. Die Situation in Städten und Landkreisen wie Güstrow zeige, dass Förderprogramme wie das der staatlichen KfW-Bank zur CO2-Gebäudesanierung dringend notwendig seien. Hier - wie von der Bundesregierung geplant - zu kürzen, sei "umwelt- und baupolitisch ein völlig falsches Signal und kontraproduktiv", sagt Dr. Ronald Rast, Koordinator der Kampagne "Impulse für den Wohnungsbau".

Das Institut bestätigte damit SVZ-Recherchen. Wohnungsunternehmen sehen Handlungsbedarf (wir berichteten). Z.B. wird die Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG), nach einer Förderzusage aus Schwerin über 702 000 Euro, im nächsten Jahr zehn Wohnungen für ältere Menschen umbauen, mit Fahrstuhl, schwellenlosen Räumen und behindertengerechter Ausstattung in Bad und Küche. In den vergangenen vier Jahren baute die WGG mit Fördergeld 42 Wohnungen altersgerecht um. Insgesamt verfügt das Unternehmen über rund 350 "altenfreundliche" Wohnungen, ein Anteil von fast acht Prozent des gesamten Wohnungsbestandes.

Auch die Bützower Wohnungsgesellschaft (Büwo) besitzt rund 30 Wohnungen, die "behindertenfreundlich" sind, so Geschäftsführerin Monika Gräning. Die Büwo plant den Bau von bis zu 45 seniorengerechten Wohnungen im ehemaligen Schulhaus am Rühner Landweg.

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