Landkreis dämpft Angst vor Gorleben

Transportbehälterlager in Gorleben: Laut Kreis lediglich eine 'sensible Anlage'. dpa
Transportbehälterlager in Gorleben: Laut Kreis lediglich eine "sensible Anlage". dpa

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04. Februar 2011, 07:15 Uhr

Prignitz | Atommülltransport und -endlagerung sind auch in der Prignitz wieder öffentliches und politisches Thema. Dazu hatte der Umweltausschuss des Kreistages auf seiner letzten Sitzung den Referatsleiter Strahlenschutzvorsorge und Kerntechnik im Landesumweltministerium, Erhard Geisler, sowie Erich Schlotthauer vom Sachbereich Katastrophenschutz Prignitz eingeladen. Mit Hilfe dieser Experten wollten sich die Mitglieder ein differenziertes Bild der Gefahren machen, die die Transporte und das potenzielle Endlager Gorleben für die Prignitz ergeben könnten.

Geisler, studierter Physiker, gab den Ausschussmitgliedern eine Übersicht über die Pflichten, die sich für die Länder in Bezug auf die Messung und Auswertung von Schadstoffkonzentrationen - einschließlich Radioaktivität - aus dem Strahlenschutzvorsorgesetz ergeben. Demnach sind in ganz Deutschland Messstationen in einem 15 km-Raster verteilt, die fortwährend entsprechende Daten sammeln und in ein Überwachungssystem einspeisen. In Bezug auf die Suche nach einem Endlager in unmittelbarer Nachbarschaft könne er die Bedenken von Prignitzer verstehen. "Das Problem in Gorleben ist, dass hier nach Bergrecht erkundet wird und nicht nach Atomrecht", so Geisler. "Das Land Brandenburg präferiert ein ergebnisoffene, transparentes und standortunabhängiges Prüfverfahren für ein Endlager." Allerdings müsse man sich im klaren darüber sein, dass dieses auch einen besser geeigneten Standort im Land Brandenburg hervorbringen könne.

Die Castorbehälter, von denen die nächsten voraussichtlich Mitte Februar die Prignitz passieren, hält Geisler für sicher. "Ich habe selbst einen Test miterlebt, in dem ein Kesselwagen neben einem Castor zur Explosion gebracht wurde. Der Behälter blieb dabei intakt."

Ein als Gast im Ausschuss anwesendes Mitglied der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg hingegen verwies darauf, dass die Stabilitätstest teilweise nur mit maßstäblichen Modellen durchgeführt worden seien.

Erich Schlotthauer informierte anschließend darüber, dass die relative Nähe zum Kernkraftwerk Krümmel vom Sachbereich Katastrophenschutz als Gefährdung eingestuft wird, man das Transportlagerbehälter in Gorleben, in dem derzeit laut Betreiber 102 Großbehälter mit Atommüll stehen, aber lediglich als sensible Anlage betrachte.

Im Ernstfall ist der Kreis laut Schlott hauer dafür zuständig, die Einsatz- und Führungskräfte zu alarmieren, Strahlung zu messen und Dekontaminationsmaßnahmen durchzuführen, die Bevölkerung zu warnen, Jodtabletten anzufordern und auszugeben und eine ärztliche und soziale Betreuung zu organisieren. Für diese Aufgaben sind im Landkreis unter anderem zwei ABC-Erkundungskraftwagen, ein Gerätewagen Gefahrgut und ein Fahrzeug zur Personendekontamination stationiert.

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