Landete Fanzug auf Abstellgleis?

Nicht randalierende Fußballfans, sondern ein Triebwerksschaden sollen Ursache dafür sein, dass Reisende am vergangenen Sonnabend viel zu spät und nur über Umwege an ihr Ziel kamen. Allerdings wurden die Fußballfans nicht zum Umsteigen aufgefordert.

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14. August 2009, 09:03 Uhr

Prignitz | Reiner Knies aus Klein Warnow wird das Hanse-Sail-Wochenende so schnell nicht vergessen. Mit dem 1. Klasse-Mecklenburg-Vorpommern-Ticket wollte er Sonnabend von Ludwigslust nach Rostock reisen, hatte dort eine Schiffstour gebucht. Doch auf den Zug, der um 9.14 Uhr in Ludwigslust abfahren sollte, wartete er wie viele andere Reisende auch vergeblich.

"Anfangs gab es noch Durchsagen, dass der Zug Verspätung habe mit entsprechenden Minutenangaben. Dann blieben selbst die aus", beschreibt Reiner Knies die Situation. Nach über einer Stunde sei der Zug endlich eingefahren, doch "wir durften nicht zusteigen, mussten eine andere Linie benutzen, die aber nur bis Wismar fuhr", ärgert sich Knies, der letztlich mit zweieinhalb Stunden Verspätung in Rostock ankam. Inzwischen will der Klein Warnower in Erfahrung gebracht haben, "dass der eigentlich von mir gewählte Zug wegen randalierender Fußballfans über eine Stunde lang bei Karstädt auf ein Abstellgleis geschoben worden war". Und das alles an einem Wochenende mit der Großveranstaltung Hanse Sail, bei dem es nach Berichten auch anderer "Prignitzer"-Leser im Bahnverkehr ohnehin schon chaotisch zugegangen sein muss, wie Frank Turban im "Prignitzer" vom 11. Juli beschrieb.

Burkhard Ahlert, Pressesprecher der Deutschen Bahn AG, räumte gestern unserer Redaktion gegenüber ein, dass es leider immer wieder zu Ausschreitungen von Fußballfans käme. "Das ist weder in unserem und schon gar nicht im Interesse unserer Reisenden", stellt Ahlert klar. Ebenso unterstreicht der Bahnsprecher aber, dass das Gros der Fußballfans sich friedlich verhalte, "aber es gibt leider auch immer Gewalt- und Randalierbereite".

Deshalb auch arbeite die deutsche Bahn eng mit der Bundespolizei zusammen, würden über die DB Sicherheit eigene Kräfte für solche Anlässe gebunden, sorge die Bundespolizei für entsprechende Maßnahmen, wenn es zu Fanausschreitungen komme. Der von Reiner Knies geschilderte Vorgang sei ihm aber nicht bekannt. Ahlert könne sich vorstellen, dass Polizeibeamte nach entsprechenden Vorkommnissen im Zug Personalien aufgenommen hätten, um die Rädelsführer festzustellen. Dafür, so Ahlert, reiche schon, wenn die Notbremse ohne Grund gezogen wird.

Bei der Bundespolizei wusste man gestern nichts von dem Vorfall: Rostock war nach eigenen Aussagen erst ab der Hansestadt für die so genannte Fanbegleitung zuständig und verwies auf Berlin. Doch auch dort sowie ebenfalls im Bundespolizeipräsidium Potsdam war nichts bekannt. Potsdam verwies aber auf Magdeburg, weil es sich bei den Fußballfans am Sonnabend augenscheinlich um Anhänger des 1. FC Magdeburg gehandelt hat, die zum Spiel nach Lübeck fuhren. Die aber, so gestern die Sprecherin der Magdeburger Bundespolizei-Dienststelle, hätten sich ordentlich verhalten, es sei zu keinem Polizeieinsatz gekommen.

Das bestätigte Bahnsprecherin Erika Poschke-Frost. Der Zug sei wegen eines Triebfahrzeugschadens in Karstädt stehen geblieben. Erste Versuche, ihn wieder flott zu bekommen, seien gescheitert. Man habe die Reisenden deshalb auf den Folgezug 10.12 Uhr verwiesen. Die Fußballfans allerdings nicht, in der Hoffnung, den Zug doch noch fahrtüchtig zu bekommen, so die Bahnsprecherin.

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