Land würdigt Rettung des ältesten Hauses der Stadt

<fettakgl>Bei der Sanierung</fettakgl> des  Fachwerkhauses musste zuerst die Statik ertüchtigt werden.
1 von 3
Bei der Sanierung des Fachwerkhauses musste zuerst die Statik ertüchtigt werden.

svz.de von
05. Februar 2011, 01:57 Uhr

Schelfstadt | Das Haus in der Puschkinstraße 36 zählt zu den ältesten Gebäuden in der Landeshauptstadt. Auf das Baujahr 1572 wird das Vorderhaus datiert. Der Seitenflügel stammt aus dem Jahre 1613, und selbst der jüngste Anbau, der dicke Turm, ist mehr als 150 Jahre alt. Eigentlich war das Fachwerkgebäude schon dem Verfall preisgegeben, als vor zehn Jahren die Bäckerei Berner auszog. Doch da kam Ulrich Bunnemann. Der Architekt und Chef des Baubetriebes "Schelfbauhütte" verliebte sich in das Gebäude, sanierte es von Grund auf und fand mit Künstlern die passenden Mieter. Jetzt ist das Kontor beliebter Laden, Treff für Kunstfreunde, Veranstaltungsort und seit dieser Woche auch offiziell Denkmal mit landesweiter Bedeutung.

"Mit der Verleihung der Denkmal plakette von Mecklenburg-Vorpommern würdigen wir die Verdienste zur Erhaltung dieses Denkmals im Interesse der Allgemeinheit und den Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes unseres Landes", sagte Kultusminister Henry Tesch bei der Übergabe. "Wir ehren aber nicht nur die Rettung eines herausragenden historischen Fachwerkbürgerhauses, sondern auch die Idee der gemeinwohlorientierten Nutzung." Es war die erste Plakette, die das Land in diesem Jahr vergeben hat.

In dem Gebäude gibt jede Menge Bausubstanz, die im Originalzustand erhalten und dank der öffentlichen Nutzung auch sichtbar ist. Dazu zählt die von zehn Meter langen Eichenbalken überspannte, fünf Meter hohe Diele mit einer Eichenplankendecke, das Tonnenkellergewölbe, der ehemalige Hausbrunnen oder ein alter Rauchfang. Freigelegt worden sind zudem Teile des alten Backsteinkachel-Fußbodens im Erdgeschoss. Als besonders wertvoll hat die Denkmalpflege auch die Verzierungen auf der Schwelle des ersten Obergeschosses eingestuft. Der von außen sichtbare Eichenbalken ist zwar nicht so reich verziert wie sein Bruder am Domhof, weist dafür aber neben den Perlstab ornamenten auch die konischen Diamantstab ornamente auf.

"Ich wusste, worauf ich mich einlasse", sagt Bauherrr Bunnemann rückblickend. Denn mit seiner Firma "Schelfbauhütte" hat er schon diverse alte Häuser vor allem in der Schelfstadt restauriert. "An diesem Gebäude hat mich das Alter gereizt, es ist fast 300 Jahre älter als die Schelfstadt", so der Architekt. Außerdem habe ihn dieser Schandfleck in der weitgehend sanierten Puschkinstraße schon lange gestört.

Im heutigen "Kulturkaufhaus" werden aber nicht nur zahlreiche Arbeiten von Künstlern und Kunsthandwerkern der Region angeboten, oft kann ihnen dort auch bei der Arbeit zugesehen werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen