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Überschwemmung bei Zepelin macht Landwirt Poppe Gerken misstrauisch : Land unter auf Wiesen und Äckern

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Unter Wasser stehen seit Tagen weite Grünland- und Ackerflächen von Poppe Gerken aus Zepelin. "Ich bin jetzt 20 Jahre hier, aber es ist das erste Mal, dass ich sowas erlebe", kann es der Landwirt nicht fassen.

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erstellt am 18.Jul.2011 | 07:35 Uhr

Zepelin | Unter Wasser stehen seit Tagen weite Grünland- und Ackerflächen von Poppe Gerken aus Zepelin. "Ich bin jetzt 20 Jahre hier, aber es ist das erste Mal, dass ich sowas erlebe", kann es der Landwirt nicht fassen.

Er ist auf 180. Und er argwöhnt, dass diese Überschwemmungen nicht von ungefähr kommen: "Die wollen mich bloß weich kochen und haben das Wehr schon zugemacht, ohne mit uns Landeigentümern zu reden", vermutet er.

Poppe Gerken meint damit diejenigen, die das Nebel-Gebiet renaturieren und damit die EU-Wasserrahmenrichtlinie umsetzen wollen. Auch die Nebel soll in den nächsten Jahren weitestgehend in ihren früheren natürlichen Verlauf zurück versetzt werden, um Flora und Fauna wieder so entstehen zu lassen wie einst. Erreicht werden soll dies, indem zu DDR-Zeiten künstlich begradigte Flussabschnitte und frühere Meliorationsarbeiten wieder rückgängig gemacht werden.

Was Naturschützer freut, ist für Landwirte wie Poppe Gerken ein beträchtliches Verlustgeschäft. "Die guten Flächen vernässen wieder", sagt Gerken. Dadurch verliere er an die 100 Hektar wertvolles Weiden- und Ackerland, stellt er fest. Bisher sei dafür noch nicht mal ein Entschädigungsangebot unterbreitet worden, ärgert sich der Landwirt. "Bisher fließt etwa zwei Drittel von der Wassermenge, die die Nebel in Güstrow führt, über den Kanal ab. Nur ein Drittel des Wassers fließt durch die alte Nebel", erklärt Gerken. Nach der Renaturierung solle das Verhältnis genau andersherum werden. Dann solle das Gros des Wassers durch die Nebel und nur ein geringer Teil über den Kanal abfließen. Was bedeutet, dass sich dann auch die Mäander, die kleinen Flussschlingen, wieder auf den Flächen bilden und dass das Land dann für den Landwirt unbrauchbar wird.

So wie andere Landwirte begehrt deshalb auch Poppe Gerken gegen die geplante Renaturierung auf. Als seine Flächen jetzt plötzlich überschwemmten, vermutete er, dass Befürworter des Projektes schon mal das Hauptwehr etwas mehr schlossen…

Hans-Joachim Meier, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM) hält dagegen den vielen Regen und den starken Krautwuchs in der Nebel für die Ursache der Überschwemmung. Behindere doch das Kraut das Fließen des Wassers.

Nachdem Poppe Gerken das Amt letzten Freitag von der Überschwemmung informiert habe, sei sofort ein Mitarbeiter des StALU hinaus gefahren und hätte das Wehr am Kanal etwas mehr geöffnet, "damit mehr Wasser in den Kanal rein läuft. Das, was möglich ist, wird gemacht", versichert Meier. Erst gestern seien wieder zwei Kollegen draußen gewesen und hätten den Grundablass am Wehr in Lüssow sowie die beiden Wehre in Wolken und Zepelin noch weiter geöffnet", sagt der Amtsleiter. "Ich gehe davon aus, dass das Problem in den nächsten zwei Tagen behoben ist" und dass das Wasser von den Äckern wieder abgeflossen sei, sagt er. Poppe Gerken dagegen ist nicht so zuversichtlich. "Wenn der Mais mal im Wasser gestanden hat, ist er hinüber."

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