Land bootet Segel-Verein aus

Der Schweriner Segel-Verein von 1894 sieht seine Existenz bedroht: Denn trotz vorheriger Zusage, dass die Sportler kostenfrei am Marstall parken dürfen, sollen sie jetzt zur Kasse gebeten werden. Das sei wirtschaftlich jedoch nicht leistbar, klagt der Vereinsvorstand. Doch der Eigentümer der Fläche, das Land, sieht wenig Chancen, dem Verein zu helfen.

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25. August 2009, 07:40 Uhr

Schwerin | Seit 2006 führt der Schweriner Segel-Verein Gespräche mit dem landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL), dem zuständigen Verkehrsministerium und der Stadt über die Nutzung von Parkplätzen für die Vereinsmitglieder, Gäste und Besucher. Denn bereits da war klar, dass durch die Buga die unmittelbar vor dem Vereinsgelände und an der benachbarten Sandfläche seit Jahrzehnten genutzten 45 Stellplätze wegfallen. Die zwischenzeitliche Lösung, dass die Segler am Marstall parken können, den tagsüber das Kultusministerium nutzt, funktionierte: Die Sportler erwarben Karten für das Schrankensystem und stellten ihre Autos ab. Im Juni 2007 gab es vom Land die schriftliche Zusage, dass zur Buga und danach "wie bisher" geparkt werden kann. Für die Segler war klar: kostenfrei.

Doch das Schrankensystem gibt es nicht mehr, der Parkplatz wird nun vom Schweriner Nahverkehr bewirtschaftet und die Segler sollen zahlen. Sie benötigen jedoch für Vereinsbetrieb, Bewirtschaftung des Gästehauses und der Gaststätte sowie für den Gästehafen eine Parkfläche. Darüber hinaus brauchen sie abends und an Wochenenden teilweise Stellplätze des Ministeriums. Nun sind von den bisherigen 45 Stellplätzen nur 17 kostenfreie übrig. "Steht kein hinreichender Parkraum zur Verfügung, ist die finanzielle Existenz des gemeinnützigen Vereins gefährdet. Es müssten deutliche Einschränkungen in der Kinder- und Jugendarbeit sowie im Leistungssport vorgenommen werden", sagt Dirk Kaiser, 1. Vorsitzender des Vereins.

Denn für die Sanierung des Seglerheims muss der Verein nach wie vor zahlen, dass sich Gastronomie, Gästezimmer und Gästehafen wirtschaftlich betreiben lassen, hänge nicht zuletzt auch vom Parkplatzangebot ab. Hinzu käme das Problem des Parkens für die Teilnehmer der nationalen und internationalen Regatten, die der Segler-Verein ausrichtet, wie beispielsweise im Oktober die Petermännchen-Regatta mit 230 Teilnehmern.

Verkehrsminister Volker Schlotmann hat sich die Sorgen der Segler persönlich angehört. "Allerdings machte uns der Minister in dem Gespräch sehr früh klar, dass auch ein Minister keine Möglichkeit habe, an der Haushaltsordnung des Landes vorbei Entscheidungen zu treffen. Damit verwies er auf den Zwang, die Parkplätze des Ministeriums nach Dienstschluss und an den Wochenenden bzw. Feiertagen nur entgeltlich durch Vereinsmitglieder nutzen zu lassen", berichtet Kaiser. "Die Argumente des Ministers konnten uns nicht voll überzeugen. Die haushaltsrechtlichen Erfordernisse als alleinigen Grund dieser Maßnahmen und der Kehrtwende von bereits zugesagten Regelungen sehen wir als vorgeschoben an."

Seit 1894 hat die öffentliche Hand durch alle Zeiten den Seglern das kostenfreie Parken erlaubt. Nach mehr als 100 Jahren gilt das nun nicht mehr. Vereinschef Dirk Kaiser: "Wir fühlen uns von der Landespolitik und von der Stadt Schwerin sehr allein gelassen."

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