Lärm-Test zeigt: So laut ist die A 14

Streitpunkt Autobahn: Anwohner fordern Nachbesserung beim Lärmschutz.
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Streitpunkt Autobahn: Anwohner fordern Nachbesserung beim Lärmschutz.

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13. Januar 2010, 01:57 Uhr

Dämelow/Jesendorf | Lärm oder nicht? Die Einwohner von Dämelow beklagen sich weiter über die neue Autobahn 14, das Verkehrsministerium verweist auf Richtwerte, die eingehalten seien. Die SVZ machte gestern den Lärm-Test an der A14 - mit einem geeichten Messgerät. Bedingungen: morgens, 9 Uhr, Temperatur: minus 5 Grad Celsius, leichter Wind aus Nord-Ost. Standort: das der Autobahn-Brücke nächste Wohnhaus in etwa 400 Meter Entfernung. Das Gerät zeigt eine Dauer-Lautstärke unter Verkehr zwischen 50 und 55 Dezibel (dBA). Beim Passieren von Lkw schlägt es bis auf 58 dBA hoch. Ein Wert knapp unter dem von 65 dBA, ab dem laut verschiedener Lärm-Tabellen für Menschen bei Dauereinwirkung erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehe. Nachts reichten schon 55 dBA für mögliche Schäden.

"Und jetzt liegt noch Schnee", sagt Anwohner Johannes Nagat. Der mindere den Lärm "erheblich" . Die Dämelower fürchten überdies: Wenn die Geschwindigkeitsbegrenzung von derzeit 80 km/h auf der Brücke erst aufgehoben ist und sich der Verkehr erhöht, dürfte der Geräuschpegel ansteigen. Daher fordern die Dämelower Lärmschutz-Maßnahmen wie an der Liessower Brücke ein paar Kilometer weiter südlich (wir berichteten). Dort lag der höchste gestern gemessene Wert bei 44 dBA (rund 300 Meter Entfernung).

Die Dämelower haben sich am Wochenende getroffen, um über die Problem-Autobahn zu beraten. Ein Ziel sei es, die ebenfalls betroffenen Jesendorfer ins Boot zu holen, sagt Johannes Nagat. Eine Antwort vom Straßenbauamt auf den Brief des Bürgermeisters stehe aus. Als nächstes wollen sich die Dämelower direkt an Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) wenden. Gestern Abend war Bürgermeister Dettlef Lukat zum Thema wieder im Ortsteil: "Das Ministerium kann sich nicht so einfach aus der Affäre ziehen", sagt er.

Kein Schutzwall für Jesendorf

Kaum erhöhte Werte zeigte das Messgerät an der A 14 in Jesendorf. Dort steht das dichteste Haus etwa 200 Meter von der Trasse entfernt. Spitzenwert gestern: 50 dBA. Anwohner Uwe August fordert einen Lärmschutzwall; er wohnt nur nur 200 Meter von der A14 entfernt.

Das Verkehrsministerium beruft sich auch hier auf das erfolgte Planfeststellungsverfahren. Damals seien in Jesendorf "an verschiedenen Wohngebäuden Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen und den betreffenden Hauseigentümern angeboten worden", so Sprecherin Claudia Hermann-Becker. Wälle oder Wände seien nicht vorgesehen.

Aber warum gibt es weiter südlich bei Rubow einen solchen Erdwall? Antwort aus dem Ministerium: Dieser "Landschaftswall" diene nicht dem Lärmschutz; er sei vielmehr "wegen des Erdmassenüberschusses" angeordnet worden. Man habe den Gemeindestraßen zahlreiche Transporte ersparen wollen.

Mit noch mehr Krach müssen sich laut SVZ-Test Anwohner an wichtigen Landes- und Bundesstraßen abfinden. So verursachte ein Lkw in Weitendorf auf Höhe von Wohnhäusern in 20 Metern Entfernung noch 70 dBA. In Sternberg unmittelbar an der B 104 ließ ein vorbeifahrender Traktor (fünf Meter Entfernung) das Messgerät auf 83 dBA ausschlagen, Lkw auf 75.

Laut Lärm-Tabellen bestehe ab 85 dBA bei einer Einwirkdauer von 40 Stunden pro Woche für Menschen die Gefahr eines Hörschadens. Ein Martinshorn der Feuerwehr (zehn Meter Entfernung) bringe es auf 110 dBA; ab 120 dBA sei ein Gehörschaden bei kurzer Einwirkung möglich.

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