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Lokales

15. Dezember 2017 | 14:56 Uhr

Kunde will Service und Zuverlässigkeit

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erstellt am 04.Mai.2010 | 07:29 Uhr

Prignitz | 40 Prozent der Berliner Haushalte verfügten nicht über ein eigenes Auto. Eine große Chance für den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), sie für Fahrten in die unterschiedlichsten Regionen zu begeistern, wie Hans-Werner Franz, VBB-Geschäftsführer bei der gestrigen Regionalkonferenz Prignitz-Oberhavel in Perleberg betonte.

Eine Chance auch für die Prignitz, die es aber nicht allein mit noch besserem Marketing zu nutzen gelte, sondern vor allem mit einem gut ausgebauten und aufeinander abgestimmten öffentlichen Nahverkehr. Holger Lossin, 1. Beigeordneter des Prignitzer Landrates, betonte denn auch, dass es schon viele gute Entwicklungen gebe wie mit den Stadtlinien in Wittenberge und Pritzwalk oder dem Rufbus-System vor allem für kleinere Orte, in denen die Linienbusse nicht regelmäßig fahren. Doch gerade am Wochenende sei es für Berliner, die mit der Bahn anreisen, mitunter recht schwierig, touristische und kulturelle Höhepunkte in der Prignitz zu erreichen. Denn der öffentliche Nahverkehr sei im Kreis zum überwiegenden Teil auf den Schulbusverkehr ausgerichtet, und der fährt am Wochenende nicht.

Franz sieht für dieses Problem eine Lösung, nämlich Bedarfsverkehr, sprich die Einrichtung von Sammeltaxen oder Rufbussen speziell für Wochenendveranstaltungen. Allerdings müsse das ein kontinuierliches Angebot sein. Derartige Zubringer nur für bestimmte Veranstaltungen reichten nicht aus. "Der Kunde will Zuverlässigkeit", betonte Franz gegenüber dem "Prignitzer".

Laut Franz verfolge der VBB auch weiterhin das Ziel, neben dem Erhalt bisheriger Verbindungen in Berlin und Brandenburg neue zu schaffen. Ein Weg dahin sei es, den Bestand besser zu organisieren und über Wettbewerb mehr Qualität zu erreichen. Mit der Ausschreibung von 16 Bahnlinien auf rund 22 Millionen Zugkilometer, die gemeinsam mit Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erfolge, werde genau das erreicht. Trotz 20 Prozent Einsparung von Mitteln würden auf den ausgeschriebenen Strecken neue bzw. aufgearbeitete Reisezugwagen eingesetzt, gebe es mehr Sitzplätze und zudem Zugbegleiter in jedem Zug.

Service und Reisezeiten seien entscheidend für den Zuspruch des öffentlichen Verkehrs, machte der VBB-Geschäftsführer deutlich. Deshalb auch wende sich der Verkehrsverbund nun schon seit Jahren der Qualität der Infrastruktur des Bahnverkehrs zu, obwohl das Sache der Bundesregierung sei. "Denn wir beobachten schon über längere Zeit die Differenz zwischen den großen Fernverkehrsstrecken und denen im regionalen Bereich, was den Zustand des Bahnnetzes anbelangt." So gebe es laut jüngster VBB-Untersuchung 685 Geschwindigkeitseinbrüche auf einer Länge von 587 Kilometern. Betroffen davon sind auch Strecken RE 6 Berlin Spandau-Hennighsdorf-Pasewalk-Wittenberge (15 Minuten) und RE 4 Berlin-Wittenberge (6 Minuten). Als Hauptgründe nannte Franz zu 48 Prozent Mängel an Oberbau und Weichen, zu 50 Prozent nicht ausreichend dimensionierte Anlagen und nur zu 2 Prozent Baustellen.

Den Finger in die Wunde legt der VBB auch beim Thema Service in den DB-Stationen sprich Bahnhöfen. Knappe 2 Milliarden von den Geldern, die die Kommunen bundesweit als Stationsgebühr bezahlen, würden von den Bahn-Verantwortlichen "als Gewinne" abgezwackt und für Großprojekte zweckentfremdet, wie Franz gestern harsch kritisierte. Das führe dann dazu, dass es im Bereich Prignitz-Oberhavel neun Bahnhöfe mit teilweise dringendem Handlungsbedarf gebe, darunter der Pritzwalker.

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