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Lokales

20. September 2017 | 04:12 Uhr

Kürzerer Zivildienst: Träger warten ab

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2010 | 09:08 Uhr

Prignitz | 59 junge Männer beendeten jetzt ihren Zivildienst in sozialen Einrichtungen im Landkreis Prignitz. Neun Monate haben sie, anstatt sich an der Waffe ausbilden zu lassen, alte, kranke oder behinderte Menschen betreut, haben Fahrdienste geleistet oder bei der Instandhaltung sozialer Einrichtungen geholfen.

Damit könnte bald Schluss sein, denn das Bundeskabinett hat Mitte Mai 2010 den Gesetzentwurf zur Verkürzung des Wehr- und Zivildienstes auf sechs Monate beschlossen. Der Entwurf durchläuft derzeit das parlamentarische Verfahren. Stimmt das Kabinett dem zu, soll die Gesetzesänderung zum 1. Dezember dieses Jahres in Kraft treten.

"Die Verkürzung auf sechs Monate macht es den Trägern des Zivildienstes mit Sicherheit schwerer, die jungen Männer sinnvoll in die Arbeit zu integrieren", sagt Harm Carls, Geschäftsführer der Lebenshilfe Prignitz, die 13 Zivildienststellen anbietet. "Bei uns braucht ein Zivildienstleistender im Schnitt vier bis acht Wochen, bis er soweit ins Team eingearbeitet ist und auch bei den Menschen mit Behinderungen, die wir betreuen, akzeptiert wird."

Bisher leisten die Zivis laut Carls einen wichtigen Beitrag zur Arbeit der Lebenshilfe. Sie seien im Fahrdienst und bei Hausmeisterarbeiten eingesetzt, aber auch direkt in der Betreuung. "Wir haben sehr viele positive Erfahrungen mit ihnen gemacht", bestätigt Carls. "Aber ob sich der Aufwand für eine Dienstzeit von nur sechs Monaten noch rechnet, in die noch Zivildienstschulungen, sechs Tage Urlaub sowie möglicherweise Krankheitszeiten fallen, muss man ernsthaft überlegen."

Ähnliche Probleme sieht man in der Elbtalklinik der KMG in Bad Wilsnack. "Die Einarbeitung dauert bei uns rund sechs Wochen, bis die Zivildienstleistenden selbstständig tätig sein können", sagt Simone Struck, Verwaltungsdirektorin der Klinik. Derzeit biete das Unternehmen zwei Zivildienststellen an, allerdings müsse man probieren, ob sich das Angebot auch beim verkürzten Dienst aufrecht erhalten lasse. "Die Zivis haben bei uns im Haus einen guten Ruf, und eine Entscheidung dagegen würde uns schwer fallen", betont Struck.

Das Kreiskrankenhaus Prignitz will sich der Herausforderung stellen. "Wir bieten 10 Stellen an, und das werden wir so beibehalten", sagt Verwaltungschef Karsten Krüger. "Außer der Entlastung für unser Personal ist der Effekt für die Nachwuchsgewinnung nicht zu unterschätzen."

Darüber hinaus befürchten viele Träger den Knick im Frühjahr, wenn die sechs Monate vorbei sind, die nächsten Absolventen aber erst im Sommer von den Schulen abgehen.

"Wie sich das System in der Praxis letztendlich bewährt, muss man abwarten", sagt Antje Mäder vom Bundesamt für Zivildienst (BAZ). "Die Wohlfahrtsverbände äußern sich zwar kritisch, trotzdem wollen sie es mit dem sechsmonatigen Dienst versuchen."

Laut BAZ gab es im Mai 2010 in Brandenburg insgesamt 2651 Zivildienstplätze, von denen 1369 belegt waren. Deutschlandweit leisteten in diesem Zeitraum 58 099 Zivis ihren Dienst.

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