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Lokales

15. Dezember 2017 | 13:11 Uhr

Kürzere Dienstzeit für Rostocks Zivis

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2010 | 09:06 Uhr

Südstadt | Rostocks Krankenhäuser müssen sich rüsten: Denn ihre Zivildienstleistenden verbringen künftig nur noch sechs Monate in der Klinik. Am Mittwoch hat das Bundeskabinett die Kürzung von neun auf sechs Monate beschlossen. Das bedeutet: kürzere Einarbeitungszeiten und geringere Personalbindung. Allerdings ist eine Verlängerung des Dienstes bis zu einem Jahr auf freiwilliger Basis möglich.

Auch die Südstadtklinik hat mit der Umstrukturierung zu kämpfen. "Zivis auf ihr Einsatzgebiet vorzubereiten, kostet viel Zeit, da sie bei uns mit Menschen zu tun haben und eine emotionale Verantwortung übernehmen", sagt Birger Birkholz, stellvertretender Verwaltungsdirektor. Die beiden jungen Männer Matthias Tischler (21) und Karsten Lüdtke (19) gehören zu den helfenden Händen des Krankenhauses. Neben sieben weiteren Jugendlichen sind sie die Letzten, die ihre neun Monate in der Südstadt voll ausschöpfen können. Beide haben sich gegen den Dienst an der Waffe entschieden. "Ich wollte lieber etwas Sinnvolles machen und Menschen unterstützen", sagt Tischler, der vor seinem Dienstantritt im Zusammenhang mit einem Work and Travel Programm ein Jahr durch Kanada gereist ist.

Seit dem 1. Oktober 2009 leistet er im Hospiz einen anspruchsvollen Dienst. Er beschäftigt sich mit todkranken Patienten. "Ich spreche mit den Bewohnern und mit ihren Angehörigen", sagt der 21-Jährige. Dabei sei es für ihn vor allem wichtig, nicht über das Sterben, sondern über ganz alltägliche Dinge zu reden, um ihnen die letzten Tage ihres Lebens möglichst angenehm zu gestalten. Darüber hinaus unterstützt er das Pflegepersonal beim Kochen, Reinigen und mit hausmeisterlichen Tätigkeiten. "Außerdem haben wir ein hauseigenes Fahrrad, mit dem ich einmal die Woche einkaufen bin", sagt Tischler. Diese Zeit genießt er am meisten, weil er dann frische Luft schnappen und neue Energie für die schweren Momente, in denen er die Bewohner auf ihrem letzten Weg begleitet, schöpfen kann.

Da sich sein Kollege Karsten Lüdtke nicht vorstellen konnte, kranke Menschen zu pflegen , hat er die Möglichkeit genutzt, eine andere Tätigkeit am Klinikum auszuüben. "Ich arbeite im Bereich Patiententransport", so der 19-Jährige, "denn das Waschen anderer Menschen ist nicht so mein Ding." Ob zu Fuß, per Rollstuhl oder Krankenbett, Lüdtke begleitet dafür die Patienten zu ihren Untersuchungen. Dabei steht er ihnen mit einem lockeren Gespräch zur Seite. Ansonsten ist er für die Bettenaufbereitung und das Bettenbeziehen zuständig. "Wenn ich damit fertig bin, übernehme ich noch ein paar Botengänge für die Kollegen", so der Abiturient. Da seine Zeit als Zivildienstleistender bereits abgegolten ist, er aber bis zu seinem Ausbildungsbeginn nicht tatenlos sein wollte, arbeitet der Jugendliche noch zwei Monate als Praktikant weiter. "Ich habe mich für ein Studium in Kommunikation und Medien an der Fachhochschule Wismar beworben", sagt er. Bei einer Zusage würde es im Herbst losgehen.

Damit der Arbeitsablauf des Klinikums bei den künftig verkürzten Dienstzeiten nicht beeinträchtigt wird, erarbeitet die Verwaltung des Krankenhauses bis zum Start am 1. August ein für die neuen Zivis zugeschnittenes Programm. "Denn wir wollen auch weiterhin nicht auf die wichtigen Helfer verzichten", sagt Birkholz. Er sieht es für die jungen Menschen außerdem als bedeutende Gelegenheit, in die Arbeitswelt eingeführt zu werden und erste Erfahrungen zu sammeln. Dabei gehe es nicht nur um Hilfs- und Pflegearbeiten. "Neben dem Hospiz, Transport und der Pflege stellen wir auch in den Bereichen Apotheke, Sterilisation und Küche ein", so der Stellvertretende Verwaltungsdirektor.

Im Gegensatz zu den Bemühungen der Südstadtklinik verzichtet die Caritas bereits seit Längerem auf Zivi-Stellen. "Wir arbeiten mit Jugendlichen die bei uns ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) absolvieren", sagt Bernhard Peitz, Geschäftsführer des Kreisverbandes Caritas Mecklenburg. Seiner Einschätzung nach werde die Kürzung der Zivildienstdauer zu einer Reduzierung der Einsatzstellen führen. Kleinere Unternehmen und Verbände, die ihren Dienst auf Zivis stützen, werden künftig in arge Bedrängnis kommen.

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