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Lokales

22. November 2017 | 19:45 Uhr

Kritische Lage am Garsedower Deich

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2011 | 05:34 Uhr

Hinzdorf/Bälow/Lenzen | Ruhig, geradezu entspannt wirkt die Situation an der Elbe. Von massiven Deichverteidigungsmaßnahmen wie 2002 und 2006 ist nichts zu sehen. Allenfalls blaue Fähnchen am Garsedower Deich signalisieren, dass es hier Schwachpunkte gibt.

In der Tat scheint nach Informationen unserer Redaktion die Lage am Garsedower Abschnitt kritisch zu sein. An vier Stellen sind Sandsäcke verbaut, Wasser sprudelt wie eine Quelle hervor. Vorsorglich hat der Hochwasserstab Faschinen angefordert, die hier verbaut werden können. Bereits 2006 kam es zu einem größeren Abrutsch in diesem Abschnitt. Die schwer beschädigte Stelle wurde nach dem Hochwasser komplett erneuert - das einzig sanierte Stück an Garsedower Abschnitt.

Im Falle einer Havarie am Deich Garsedow gibt das digitale Höhenmodell Auskunft, welche Gebiete betroffen wären. "Das Wasser würde sich bis zur Bahnlinie Hamburg-Berlin ausbreiten, sie gilt als zweite Verteidigungslinie", sagt Erich Schlotthauer, Sachbereichsleiter Katastrophenschutz beim Landkreis. Das Tempo der Hilfsmaßnahmen entscheide darüber, wie weit das Wasser ins Hinterland vordringe. "Aber wir erwarten keine Havarie", betont Schlotthauer.

Der Garsedower Bootsverein muss Rettung in eigner Sache betreiben: "Wir binden unseren Steg zusätzlich mit Tauen fest", sagt der Vorsitzende Lothar Haase. Das Wasser sei so stark gestiegen, dass die Dalbenhöhe nicht mehr ausreiche, der Steg drohte wegzuschwimmen.

Im Bootshaus selbst ist derzeit keine Gefahr: "Der obere Bereich liegt über der Deichkrone", erklärt Haase. Die unteren Räume kontrollieren Michael Marquardt und Hannes Eichwurzel täglich. Noch seien sie trocken, aber auch beim zurückliegenden Hochwasser kam die Nässe mit dem fallenden Pegel. "Wir bleiben achtsam."

In Hinzdorf wärmen sich Stefan Jansen und Günter Jantz im Wachlokal auf. Die Deichläufer sind zurück von ihrer Tour, waren bis Garsedow gelaufen. Die kritischen Stellen sind auch ihnen nicht entgangen. Dennoch seien sie nicht besorgt. "Wir sind besser vorbereitet als 2002 und 2006, sind eingespielt", sagt Jantz. Sie gönnen sich nur eine Kaffeepause, müssen dann weiter Richtung Scharleuk.

Elisabeth Gronau steht in Bälow an ihrem Herd, kocht Mittag. Auf der Terrassenseite des kleinen Hauses stapeln sich die Sandsäcke. Das Wasser ist greifbar nah. "Das ist eine haarscharfe Sache. 7,30 Meter halten wir noch aus. Steigt es höher, müssen wir überlegen, die Teppiche zusammenzurollen."

Hektisch wirkt Elisabeth Gronau bei diesen Worten nicht. Sie lebe mit dem Wasser, ist hier im Dorf geboren, wohnt in ihrem Elternhaus "Aber vier solche Hochwasser in nur zehn Jahren und schon das erste wurde als Jahrhunderthochwasser bezeichnet, ist doch bemerkenswert."

Die Gemeinde habe Gronaus bereits mit den Sandsäcken geholfen. "Hoffentlich bleibt das Wasser unter 7,30 Meter", sagt Bürgermeister Jürgen Herper. Auch er sieht die Situation deutlich entspannter als 2002 und 2006, da die Deiche saniert sind. "Zwar gibt es eine gewisse Unruhe, weil wir nicht wissen, wann der Scheitel kommt, aber zumindest an unseren Deichabschnitten droht wohl keine Gefahr", fasst Herper zusammen.

In Abbendorf mussten sie aber bereits am Donnerstag einen Notgraben ziehen, um Qualmwasser ablaufen zu lassen. "Sonst wären einige Häuser wohl abgesoffen", so Herper. Noch nie habe er so viel Qualmwasser gesehen, wie in diesen Tagen. Ganze Wiesen stünden bereits vollständig unter Wasser.

Der Deich an der Bälower Straßenzufahrt wird durch eine Berme verstärkt. Die Arbeiten begannen am Donnerstag, sind fast abgeschlossen. "Eine gute Entscheidung, sonst hätten wir wieder mit Hunderten Helfern Sandsäcke verbauen müssen, um den Deich zu stabilisieren."

Keine Probleme habe es gegeben, ausreichend Deichläufer zu finden, darunter auch Frauen. "Im Fernsehen mag die Tätigkeit entspannt aussehen, ist sie aber nicht", stellt Herper klar. Acht Stunden bei der Witterung auf dem Deich, stets die Wasserlinie im Auge behaltend, Böschung rauf und runter, das koste Kraft. Wem das Hochwasser gar nichts ausmache, seien die Maulwürfe. Sobald die nasse Füße bekommen würden, ziehen sie einfach zehn Zentimeter höher. Wers selbst einmal überprüfen möchte, müsse nur darauf achten,wie die Maulwurfshügel mit der Wasserlinie den Deich hinauf wandern, so Herper, der als Ranger für die Naturwacht arbeitet.

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