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Lokales

13. Dezember 2017 | 12:20 Uhr

Kritik und Verständnis liegen gleichauf

vom

svz.de von
erstellt am 18.Aug.2010 | 01:05 Uhr

Schwerin | Zockt die Stadt die Autofahrer mit Knöllchen für Falschparken sowie Verwarn- und Bußgeldern für Tempo-Verstöße oder das Überfahren roter Ampeln ab? Oder handelt es sich um notwendige Kontrollen für mehr Sicherheit auf den Straßen? Die Diskussion der SVZ-Leser darüber läuft auf Hochtouren. Dabei liegen die Standpunkte bislang gleichauf: Neben viel Kritik an "Geldmacherei" äußern etliche Schweriner volles Verständnis für die Kontrollen. Hintergrund: Mehr als drei Millionen Euro an Einnahmen aus der Ahndung von Verkehrsordnungswidrigkeiten sind im städtischen Haushalt 2010 eingeplant. Der Kontrolldruck ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. In Cottbus hingegen, wo ebenfalls etwa 100 000 Menschen leben, will die Stadt dieses Jahr "nur" 1,4 Millionen Euro von Verkehrssündern abkassieren.

SVZ-Leser Torsten Brusch hat da eine ganz klare Meinung: "Fakt ist, dass die Auslöseschwelle massiv gesenkt wurde: Wurden bis dahin Autofahrer erst ab einer Überschreitung von 14 Stundenkilometer geblitzt, so muss man heute 15 Euro bezahlen, wenn man zum Beispiel auf der Umgehungsstraße, wo Tempo 70 gilt, 79 Stundenkilometer fährt." Diese "kleinliche Abkassiererei" sei nicht so üblich, wie sie vom Ordnungsamt dargestellt werde, so Brusch. "In Rostock etwa liegt die Auslöseschwelle viel höher." Außerdem sei die Zahl der Messtage von Jahr zu Jahr gesteigert worden, da sich dies augenscheinlich lohne. Brusch: "Auffällig ist auch die einnahmeorientierte Auswahl der Messstandorte, es werden bevorzugt jene Einfallstraßen und 30-Zonen bemessen, wo die Masse unbewusst ein wenig zu schnell unterwegs ist." Ein Polizeibeamter habe ihm gegenüber einmal geäußert: "Dort, wo die Stadt misst, habe ich noch nie einen Unfall aufgenommen." Sichtbare und damit aus seiner Sicht präventive Verkehrsüberwachung, wie man sie von der Polizei kenne, sei der Stadt Schwerin fremd, sagt Brusch. Vielmehr tarne das Ordnungsamt seine Blitzer im Gebüsch, so dass Schnellfahrer dies gar nicht bemerken würden.

Das sieht auch Steffen Bügel so: "Zu beobachten ist doch, das immer an sehr lukrativen Stellen geblitzt wird. Dadurch ist schon sehr anzunehmen, dass es nicht das Ziel ist, ordnungswidrigem Verhalten nachhaltiger begegnen zu können." Er habe es noch nie gesehen, dass ein Hundehalter wegen der nicht entfernten Haufen seines Hundes zur Verantwortung gezogen worden sei. "Dieses zu kontrollieren, würde sich ja auch nicht so bezahlt machen", vermutet Bügel. Er selbst sei in diesem Jahr dreimal tagsüber mit einer Tempo-Überschreitung von zehn Stundenkilometern geblitzt worden, immer an neu eingerichteten Baustellen, an denen die Geschwindigkeit heruntergesetzt worden sei. Bügel: "Die wahren Raser sind aber erst abends unterwegs. Allerdings das Ordnungsamt nicht mehr. "

Roberto Koschmidder meldet Widerspruch an: "Geschwindigkeitskontrollen zu jeder Zeit und an jeder Stelle sind aus meiner Sicht in Ordnung." Auch mehrere derartige Kontrollen hintereinander seien die beste Erziehungsmethode für Unverbesserliche. "Wer sich an die Regeln hält, braucht nichts zu befürchten und nicht zu schimpfen", so Koschmidder. Geschwindigkeitsbegrenzungen würden helfen, Abgasemissionen zu reduzieren und dienten mitunter dem Lärmschutz. Koschmidder: "Vielleicht sollten unsere Behörden entsprechende Zusatzzeichen anbringen, um darüber aufzuklären." Darüber hinaus sei er für Einhaltung der Regeln durch alle Verkehrsteilnehmer. "Rotlichtverstöße durch Fußgänger und das Radfahren auf Gehwegen, auf denen es nicht zugelassen ist, sind Themen, über die wir nachdenken sollten."

Ute Moldenhauer versteht die ganze Aufregung nicht: "Wenn sich alle an die Verkehrsregeln halten würden, wären diese Kontrollen nicht nötig, oder?" Jeder wisse doch in der Regel, wo die Blitzer stünden, nehme aber den Fuß nicht vom Pedal. "Dafür ist man selbst verantwortlich und darf nicht meckern, wenn die Stadt abkassiert", so Moldenhauer. Und wie man sehe, sei es ein lukratives Geschäft, "sonst würde nicht so viel Geld ins Stadtsäckel fließen".

Dem kann sich Harald Merrettig nur anschließen: "Wer glaubt, sich nicht an die Straßenverkehrsordnung halten zu müssen, darf sich nicht beklagen, wenn er geblitzt wird." Mit Abzocke habe das nichts zu tun.

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