zur Navigation springen

Kritik an "Luxus-Wohngebiet für Privilegierte"

vom

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2010 | 07:48 Uhr

Plau | Von einem "Luxus-Wohngebiet für Privilegierte" spricht die Umweltschutzorganisation BUND, von "Seilschaften aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft", von "dauerhaften Schäden für die reiche Naturausstattung" und von einem "rechtswidrigen Bauprojekt", das von Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) hofiert werde: Die Rede ist vom Vorhaben "Jürgenshof-Ost" in Alt Schwerin am Plauer See im Müritzkreis. Entstehen sollen dort laut BUND in einem Landschaftsschutz- und einem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Eigenheime und ein Hafen.

Zum gestrigen Spatenstich mit Seidel reisten die Umweltschützer denn auch mit Plakaten und Protest im Gepäck an. Das Baugebiet, so BUND-Experte Arndt Müller vom Landesverband, zähle laut Regionalem Raumentwicklungsprogramm zu einem Bereich, der dem Naturschutz und der naturnahen Tourismusentwicklung vorbehalten sei und nicht bebaut werden dürfe: "Es kann nicht sein, dass einer bestimmten privilegierten Bevölkerungsschicht unsere Natur- und Landschaftsschutzgebiete zur freien Gestaltung übergeben werden. Ein solches Vorgehen erinnert zwanzig Jahre nach der politischen Wende an unselige Zeiten, in denen sich einzelne Funktionäre Ferienhäuser in Schutzgebieten bauten", so die geharnischte Kritik des BUND-Mitarbeiters. Die Käufer dürften jedenfalls nicht aus MV stammen, meinte Müller. Auf der Website der Projektentwickler - die Grassinger & Ziebuhr Projektentwicklung GbR - für die 27 Grundstücke mit Preisen bis zu 431 400 Euro ist denn auch ausdrücklich vermerkt: "Das Angebot von äußerst attraktiven Grundstücken richtet sich vorrangig an bislang nicht in Mecklenburg-Vorpommern ansässige Menschen, die sich für ein Wohnen und Leben in der Mecklenburgischen Seenplatte begeistern lassen."

Wirtschaftsminister Seidel - früher Landrat im Müritzkreis - verteidigt das Projekt mit Blick auf den demographischen Wandel: "MV ist in der einmaligen Situation im Hinblick auf Landschaft und Natur auch als Wohn- und Lebensstandort Menschen anzuziehen. Das bei der Standort-Auswahl zu vernachlässigen, wäre im Interesse der Entwicklung des Landes fahrlässig". Jährlich verließen rund 40 000 Menschen das Land. "Dass sehr sorgsam mit Natur und Landschaft auf der Basis geltenden Rechts umgegangen werden muss, versteht sich von selbst. Das wurde im Rahmen eines fünfjährigen Planungsverfahrens durch Genehmigungsbehörden sichergestellt", sagt Seidel.

Alt-Schwerin sei kein Einzelfall, betont indes Naturschutzexperte Müller. Die Hotel- und Hafenanlage "Weiße Wiek" in der Wohlenberger Wiek, das TUI-Hotel am Fleesensee, das Eigenheimgebiet am Hochufer von Sellin auf Rügen und die B 96n seien Beispiele, dass bei der Mehrheit der Vorhaben die attraktive Lage oder zweifelhafte wirtschaftliche Effekte als wichtiger erachtet werden, als der Schutz der Natur".

Im Alt-Schwerin-Fall hat der BUND eine Klage geprüft, könne aber nicht handeln, erläutert Müller: "Im Baurecht dürfen nur betroffene Bürger klagen, wir nicht. Das wurde vor Ort auch erwogen und ein Rechtsgutachten hat den Bürgern auch gute Chancen in Aussicht gestellt. Aber es ging über ihre finanziellen Möglichkeiten und wir konnten nichts beisteuern." Bleibt also nur der Appell des BUND: "Wir bitten alle potenziellen Kaufinteressenten von einer Bebauung des wertvollen Plauer Sees abzusehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen