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Heiligendamm-Anleger sollen auf Millionen verzichten : Krisentreffen im Nobelhotel

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Letzte Chance für eines der nobelsten Hotels Deutschlands: 1900 Anleger des in die Schlagzeilen geratenen Immobilienfonds 34 entscheiden heute über die Zukunft des kränkelnden Grand Hotels im Ostseebad Heiligendamm.

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erstellt am 10.Mär.2011 | 10:06 Uhr

Schwerin | Letzte Chance für eines der nobelsten Hotels Deutschlands: 1900 Anleger des in die Schlagzeilen geratenen Immobilienfonds 34 entscheiden heute über die Zukunft des seit Jahren kränkelnden Grand Hotels im Ostseebad Heiligendamm. Ab 11 Uhr dürften die gebeutelten Kapitalgeber beim Krisentreffen im Aachener Fünf-Sterne-Hotel Quellenhof ihre Zurückhaltung heute aufgeben. Kein Wunder: Die Fundus-Gruppe des Immobilieninvestors Anno August Jagdfeld verlangt von ihnen, mehr als 100 Millionen Euro Einlagen abzuschreiben und weiteres millionenschweres Kapital nachzuschießen. Zum Weiterbetrieb des 2003 eröffneten Grand Hotel Heiligendamm in Deutschlands ältestem Seebad braucht Jagdfeld frisches Geld - 32 Millionen Euro seien notwendig, um "weitere saisonverlängernde Maßnahmen wie etwa ein Zentrum für Vitalmedizin zu finanzieren sowie Kredite abzulösen und die Gesellschaft damit in eine dauerhaft sichere Zukunft zu führen".

Jagdfeld stellt die Anleger vor eine harte Probe. Nach dem heute auf der Tagesordnung stehenden Restrukturierungsplan sollen sie gleich ganz auf große Teile ihrer Einlagen verzichten. Das eingezahlte Kapital von 127 Millionen Euro soll auf 12,7 Millionen Euro herabgesetzt werden. "Die Schwierigkeiten in der Anlaufphase des Hotels, darunter die Weltwirtschaftskrise und die Umstellung auf den Betrieb in eigner Regie, haben das Kapital fast vollständig in Anspruch genommen", begründet Jagdfeld. Das bisherige Gesellschaftskapital müsse nun "seinem tatsächlichen Wert angenähert werden". Dabei übt sich Jagdfeld einmal mehr als Meister der Versprechen. Der Immobilieninvestor verkauft die millionenschwere Entwertung den Eigentümern denn auch als ein "neues" und "deutlich verbessertes Beteiligungsangebot". Zweifel am Konzept Jagdfelds bleiben: Schon 2007 war eine Kapitalerhöhung von knapp 41 Millionen Euro beschlossen worden. Der Plan überzeugte damals kaum: Gerade einmal 8,4 Millionen Euro konnte Jagdfeld einsammeln.

Die Zukunft der Nobelherberge steht auf der Kippe: Seit Jahren blieb das mit millionenschweren, steuerfinanzierten Subventionen aufgebaute Haus hinter den Erwartungen zurück. Verluste im siebenstelligen Bereich verhagelten die Bilanz, hieß es. Allein 2008 machte das Haus zwei Millionen Euro Verluste. Für den Weiterbetrieb sprang das Land schließlich im vergangenen Jahr mit einer Vier-Millionen-Euro-Bürgschaft ein, mit der das Land bis heute für Kredite einsteht. Selbst von der weltweit werbewirksamen Beherbergung der Staats- und Regierungschefs der acht größten Industrienationen der Welt 2007 konnte das Gästehaus am Strand nicht ausreichend profitieren. Gerade einmal sieben Jahre nach der Eröffnung erwirtschaftete das Hotel 2010 "erstmals gute schwarze Zahlen", erklärte Jagdfeld-Sprecher Christian Plöger gestern - 400 000 Euro. Für dieses Jahr erwarte man gar 800 000 Euro in der Kasse.

Jagdfeld droht mit Zerschlagung und Insolvenz

Derartige Ankündigungen kennen die Kapitalgeber zur Genüge. Ob das Gewinnversprechen reicht und die seit Jahren leer ausgegangenen Anleger jetzt dem neuen, von den Wirtschaftsprüfern PricewaterhouseCoopers ausgearbeiteten Sanierungsplan folgen werden ist offen: Mit schnellen und hohen Renditen hatte Jagdfeld seinerzeit Kapitalgeber gesucht - und gefunden. 127 Millionen Euro steckten sie in den traditionsreichen Prunkbau an der Ostsee - auf Ausschüttungen warten sie noch heute. Das wird mindestens auch noch zwei Jahre so bleiben: Ausschüttungen seien zwar "weit früher" vorgesehen gewesen, nun sollen sie aber 2013 erfolgen, kündigte Plöger gestern an.

Den Eigentümern bleibt heute kaum eine Wahl: Verweigern sie Jagdfeld die Gefolgschaft, droht ihnen der Komplettverlust. Im Einladungsschreiben für das heutige Anlegertreffen in Aachen ließ Jagdfeld schon mal die Konsequenzen beschreiben: Man brauche zeitnah Sanierungskapital, sonst drohe die Zerschlagung der Gesellschaft durch den Verkauf der Immobilie oder gar die Insolvenz, bestätigt Jagdfeld-Sprecher Christian Plöger das Schreiben. Er übt sich vorab in Zweckoptimismus: So weit wird es nicht kommen - "wir gehen davon aus, dass uns eine Mehrheit folgen wird." Die Anleger hätten "die Situation erkannt" und sehen das Restrukturierungskonzept als Plan, der in die Zukunft weise.

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