Ausbildung von Kriminalisten an Güstrower Schule : Kriminaltechnik: Tätern auf der Spur

Fingerabdrücke nehmen ist eine  von vielen erkennungsdienstlichen Maßnahmen, die die Studierenden an der Güstrower Polizeischule einüben müssen. Steffi Dörries
Fingerabdrücke nehmen ist eine von vielen erkennungsdienstlichen Maßnahmen, die die Studierenden an der Güstrower Polizeischule einüben müssen. Steffi Dörries

Das Fernsehen ist voll mit Tatort-Kommissaren. Dass dies wenig mit der Realität zu tun hat, lernen die Auszubildenden der Güstrower Fachhochschule bereits in den ersten Unterrichtsstunden.

von
01. Dezember 2010, 09:34 Uhr

Das Fernsehen ist voll mit jungen und erfolgreichen Tatort-Kommissaren. Am Abend geben sich die Kollegen von Tatort, Criminal Minds, Profiler und CSI: Miami die Klinke beziehungsweise die Fernbedienung in die Hand. In 90 Minuten ist auch der kniffligste und undurchsichtigste Fall gelöst.

Dass dies wenig mit der Realität zu tun hat, lernen die Auszubildenden der Güstrower Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege im Fachbereich Polizei bereits in den ersten Unterrichtsstunden. "Im Fernsehen sind die Ermittler nur am Tatort aktiv. Dass ein Kriminalist die Hälfte seiner Zeit auch für Schreibarbeit, Recherchen und andere polizeitaktische Maßnahmen aufbringen muss, fällt dabei unter den Tisch", erklärt Thomas Haarweg, Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachbereich Polizei der Fachhochschule in Güstrow.

Einen Fall von Anfang bis Ende bewältigen

In den Ausbildungsfächern Kriminalistik, Kriminologie und Kriminaltechnik wird den "Studierenden das Rüstzeug vermittelt, mit dem sie sich als Kriminalist und Polizist im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung sicher bewegen können", fasst Thomas Haarweg den Lehrinhalt zusammen. Nach der zweijährigen Ausbildung zum Polizeimeister im mittleren Dienst oder dem dreijährigen Studium zum Polizeikommissar im gehobenen Dienst sollte jeder in der Lage sein, einen Fall von Anfang bis Ende, dass heißt bis zur vollständigen Übergabe an die Staatsanwaltschaft, bewältigen zu können. So das Ausbildungsziel der zehn Mitarbeiter der Fachgruppe 3 der Landespolizei, die sich um die Vermittlung des dazu notwendigen Lernstoffs bemühen.

Um das Handwerkszeug eines Kriminalisten zu erlernen, sollen möglichst viele praktische Anteile in den Unterricht einfließen. "Alles soll so realitätsnah, wie möglich sein", so Haarweg weiter. Dazu dienen die drei Übungstatorte in den Gebäuden der Fachhochschule, anhand derer vom Einbruch bis zur Körperverletzung oder Suizid alle Szenarien dargestellt und kriminalistisch abgearbeitet werden können. Und wer genau hinschaut, kann von Zeit zu Zeit Studierende in bunten Arbeitskitteln über den Campus huschen sehen. Sie sind dann gerade dabei, mit dem Gips-Nassverfahren eine Schuheindruckspur zu sichern oder sie sind auf der Suche nach frischen Fingerabdrücken für die daktyloskopische Bearbeitung.

Schüler der Inselseeschule dienen als Übungszeugen

Jährlich erhält die Fachgruppe 3 Unterstützung von Schülern der "Schule am Inselsee" Güstrow. Sie dienen als Zeugen eines nachgestellten Verbrechens. Die Studierenden müssen die Schüler als Zeugen vernehmen. Auf diesem Wege wird das kriminalistische Denken geschult. "Das wichtigste Arbeitsmittel eines Kriminalisten ist sein Kopf und wie in jedem Beruf auch, die Erfahrung die er gesammelt hat", so Haarweg. Der so genannte Spurenkoffer darf ebenfalls bei keiner Tatortarbeit fehlen. Darin enthalten sind: Lupe, Pinsel, Magnet- und Rußpulver, Pinzette, Taschenlampe, Schachteln zum Aufbewahren und natürlich Handschuhe.

Ein guter Kriminalist muss über ein solides Grundwissen verfügen, gepaart mit Erfahrung. Hinzu kommt, dass "man offen sein muss für technische Fragen sowie die Fähigkeit besitzen muss, zuzuhören und zu analysieren. Außerdem sollte ein angehender Kriminalist handwerkliche Fingerfertigkeit besitzen und bereit sein, auch mal dreckige Arbeiten zu verrichten", beschreibt Haarweg einen guten Kriminalisten. Der Beruf des Kriminalisten entwickelt sich mit dem technischen Fortschritt stets weiter. Den Durchbruch für Ermittlungsarbeiten brachte die Entschlüsselung der DNA. Die Polizei nutzt verstärkt die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Ein nächster Schritt könnte die Isotopenanalytik sein, welche allerdings aus polizeilicher Sicht noch in den Kinderschuhen steckt. Für Thomas Haarweg würde ein Wunsch in Erfüllung gehen, wenn es in Zukunft möglich wäre, die Entstehung einer Spur zeitlich einordnen zu können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen