Krimi-Dreh mit dem Petermännchen

'Kamera ab!': Im Schloss wurde auf einem  so genannten Greenscreen  gespielt. Bei der Bearbeitung des gestern aufgenommenen Materials  am Computer  schneiden die Schüler noch einen gruseligeren Untergrund in die  Szene.Reinhard Klawitter
"Kamera ab!": Im Schloss wurde auf einem so genannten Greenscreen gespielt. Bei der Bearbeitung des gestern aufgenommenen Materials am Computer schneiden die Schüler noch einen gruseligeren Untergrund in die Szene.Reinhard Klawitter

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15. Februar 2010, 06:13 Uhr

Altstadt | "Stopp! Das Tonkabel hängt im Bild. Okay. Jetzt Ruhe, Kamera ab, Ton ab und - bitte!" Balduin Mund nimmt auf seinem Regiestuhl Platz, vor ihm führt Petermännchen Dietrich Felske die 13-jährige Anna Patramanis über den Flur des Schlossmuseums. "Komm Anna, ich zeig dir ein Bild von mir. Das wurde vor Jahrhunderten gemalt", sagt der Schweriner Schlossgeist schmeichelnd. Anna folgt ihm auf Stelzen über einen grünen Teppich, kippelt, stürzt. "Ja, danke, cut", ruft Balduin Mund. Anna ist zu weit aus dem Bild gefallen, ihr Sturz sieht noch nicht echt aus, findet das Team. Sollte Anna beim Fallen schreien? "Können wir mal versuchen", sagt der Regisseur. "Kamera ab, Ton ab und bitte." Wieder und wieder gehen Schlossgeist und Schülerin über den Teppich, Dietrich Felske sagt seinen kurzen Text, Anna fällt. Und cut!

Das Ungewöhnliche an dem Filmteam, das gestern Vormittag im Schlossmuseum so professionell drehte: Es besteht aus Achtklässlern. Sie kamen für zwei Tage aus Wiesbaden, um in Schwerin einige Schlüssel-Szenen für ihr aktuelles Film-Projekt zu drehen: Einen Schülerthriller, in dessen Mittelpunkt das Schweriner Petermännchen steht. Wenn der 20-minütige Streifen fertig ist, wird er nicht nur an der Wiesbadener Humboldt-Schule gezeigt. Auch Schloss und Petermännchen-Museum bekommen eigene Exemplare und schließlich will AG-Leiter Detlef Doering den Film beim Wettbewerb "Mediasurfer" der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien einreichen.

Die Drehbuch-Idee kam Detlef Doering im vergangenen Sommer, als er in seinem Urlaubsdomizil in Frankenhorst am See saß. "Als Biologielehrer hat es mir vor allem die Natur hier angetan", sagt der Wiesbadener, der nicht nur wegen der Bundesgartenschau nach Schwein kam. Am Ufer des Sees verfasste er auch die erste Version des aktuellen Drehbuchs, in dem es um die 14-jährige Anna geht, die zu ihrem Geburtstag ein geheimnisvolles Päckchen mit einer Petermännchen-Stoffpuppe bekommt. Sie Gruppe befasst sich daraufhin intensiv mit der Geschichte des Schlossgeistes - im Internet und vor Ort. "Wir haben die Geschichte allerdings ein bisschen abgewandelt", sagt Doering. " Alle 50 Jahre erscheint das Petermännchen einem Menschen und bringt ihm Glück." Ob Anna dieser Mensch ist?

Nur zwei Hauptdarsteller braucht der Schülerfilm, neben Anna tritt noch Constantin Conzelmann vor die Kamera. Das übrige Team kümmert sich hochkonzentriert um Kameras, Tontechnik, Licht, Maske, Schnitt. "Balduin hat dabei alles perfekt im Griff ", schwärmt Detlef Doering. "Ich glaube, aus ihm wird später ein richtiger Regisseur. Genug Talent, Ideen und Durchsetzungsvermögen hat er." Auch Dietrich Felske befolgt geduldig die Anweisungen des Schülers. Er ist vor allem froh, dass er nicht auf Stelzen vor die Kamera muss. Die Schüler hatten nämlich recherchiert, dass das Petermännchen oft auf Stelzen durch die Sagenwelt geistert - und ihn so ins Drehbuch geschrieben.

Heute reisen die elf Schüler und fünf Begleiter wieder nach Wiesbaden. In Hessen gibt es keine Winterferien. Von Schwerin nehmen sie nur einen kleinen Eindruck mit. Aber genug Filmmaterial, um Mitschüler neugierig zu machen auf die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern.

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