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Lokales

23. November 2017 | 19:51 Uhr

Kreisverkehre sind Mangelware im Land

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svz.de von
erstellt am 24.Jan.2010 | 06:19 Uhr

Nordwestmecklenburg | Am Knotenpunkt von zwei Landesstraßen in Jesendorf im östlichen Nordwestmecklenburg entsteht ein Kreisverkehr. Die Planungen des Straßenbauamtes dafür liegen in der Bauverwaltung in Neukloster vor. "Es ist der erste Kreisverkehr im Amtsbereich", sagt Anke Mansour, Bauamtsleiterin für den Bereich Neukloster-Warin. Auch im benachbarten Amt Sternberger Seenlandschaft gibt es an den Hauptkreuzungen Ampeln statt Kreisel. Überhaupt machen sich die Kreisverkehre, anders als in Süd- und Mitteldeutschland, auf den Mecklenburger Straßen rar.

Nordwestmecklenburgs Vizelandrat Gerhard Rappen bestätigt das. Er kennt in seiner Region nur wenige Kreisel: an der Weißen Wiek bei Boltenhagen/Tarnewitz und vor den Toren von Wismar. Bei den derzeitigen Planungen der Ortsumgehung Klütz gebe es Überlegungen für einen Kreisel, so Rappen. "Es bietet den Vorteil, dass die Vorfahrt klar geregelt ist", so der Landrat Wer schon im Kreisverkehr ist, darf bekanntlich zuerst fahren.

Der Automobilclub ADAC kommt bei seinen Analysen zu dem Schluss, dass Kreisverkehre bei sachgerechter Gestaltung als sichere Knotenpunkte gelten. Dort, wo Kreuzungen zu Kreiseln umgebaut wurden, seien die schweren Unfälle deutlich zurückgegangen.

Laut Recherchen des ADAC gibt es fast ein Drittel weniger Unfälle, fast zwei Drittel weniger Leichtverletzte. Und die Zahl der Schwerverletzten und Toten habe sich sogar auf fast ein Zehntel reduziert. Außerdem tragen laut Automobilclub Kreisverkehre zu einem besseren Verkehrsablauf bei. Wartezeiten an Ampeln bei Rotphasen, die selbst bei geringem Verkehr auftreten, entfallen.

Laut Vizelandrat Rappen machen Kreisverkehre aber erst dann Sinn, wenn das Verkehrsaufkommen aus allen Richtungen gleich ist.

Die Straßenbauämter haben genaue Vorgaben, bis zu welcher Verkehrsbelastung Ampeln errichtet werden und ab wann überhaupt die Installation von Kreisverkehren untersucht wird. Dabei, so ein Experte gegenüber SVZ, seien die Kosten nicht ausschlaggebend. Ein Kreisverkehr sei zwar beim Bau teuer, dafür entfallen aber die bei einer Lichtsignalanlage in den Folgejahren nötigen Unterhaltungskosten.

Laut Verkehrsministerium in Schwerin haben Kreisverkehre gegenüber Kreuzungen und Einmündungen in vielen Fällen Vorteile: vor allem verkehrlich und verkehrssicherheitstechnisch. Allerdings zwingen diese Kreisel Autofahrer selbst dann zur Verlangsamung, wenn kein Fußgänger oder anderer Autofahrer an der Einmündung steht. Ampelanlagen hingegen können über Kontaktpunkte bedarfs- und verkehrsgerecht geschaltet werden.

Nach dem Langsamwerden im Kreisel müsse wieder beschleunigt werden und das führe dann auch zu unnötigen Lärm- und Schadstoffemissionen sowie zu erhöhtem Kraftstoffverbrauch.

Die extremen Verkehrsverhältnisse zu Beginn der 90er-Jahre - infrastrukturelle Defizite gegenüber der schlagartig gestiegenen Motorisierung - ließen keine weitere Verlangsamung auf den Straßen zu, so Claudia Hermann-Becker, eine Sprecherin des Verkehrsministeriums. Gegen Stau bzw. unzumutbare Reisezeiten seien Kreisverkehre keine probaten Mittel.

Mit dem Ausbau der Infrastruktur z.B. durch Autobahnen, Bundesstraßen und Ortsumgehungen seien viele Probleme abgearbeitet worden, heißt es aus dem Ministerium. In den verbliebenen Ortsdurchfahrten seien die im Beamtendeutsch genannten Kreisverkehrsplätze nunmehr durchaus sinnvolle Alternativen zu Kreuzungen und Ampeln. Das Verkehrministerium schätzt ein, dass in den nächsten Jahren weitere Kreisel in Mecklenburg-Vorpommern entstehen.

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