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Lokales

17. Dezember 2017 | 08:50 Uhr

Kreis droht Insel Poel mit Bußgeld

vom

svz.de von
erstellt am 17.Sep.2010 | 12:10 Uhr

Nordwestmecklenburg | Das Seegras an Mecklenburgs Ostseeküste wird zur Plage. Damit die Urlauber nicht in Scharen davonlaufen, lässt die Gemeinde Insel Poel ihre 2,5 Kilometer langen Badestrände täglich räumen. Allerdings nicht ohne Probleme.

Bis zu einem Meter hoch liegt das braune, glitschige Seegras am Strand des Ortes Schwarzer Busch. Auf einer Länge von etwa 350 Metern, fünf Meter breit stellenweise. Der Nordostwind hat in diesem Jahr Unmengen angespült. So viel wie seit zwei Jahren nicht mehr, sagt Horst Gerath. Er ist Professor der Hochschule Wismar und Seegrasexperte. "Das superschöne Wetter hat natürlich Strahlung gebracht. Und Strahlung heißt Photosynthese und Photosynthese heißt Wachstum auch unter Wasser."

Am Seegras haften auch Algen. Die sind leicht zersetzbar und geben Schwefelwasserstoffe, Methan und Kohlendioxid in die Atmosphäre ab. Damit sie erst gar nicht anfangen zu stinken, lässt die Gemeinde den Strand reinigen. Im Sommer haben die vier Mitarbeiter vom Bauhof damit schon morgens um Fünf angefangen. An heißen Tagen waren ein paar Stunden später schon die ersten Badegäste da. Für die Gemeinde ein echtes Problem, sagt Kurdirektor Markus Frick.

"Hier gab es eigentlich nur die eine Lösung, um mit möglichst kurzen Transportwegen sicher zu stellen, dass wir das auch schaffen. Weil das Zeitfenster zum beräumen sehr gering ist, haben wir entschieden in unmittelbarer Nähe zu den Badestränden das Seegras zwischen zu lagern."

Dabei ist offenbar niemandem aufgefallen, dass das Seegras auf FFH-Flächen, also auf geschützte Flächen, gekippt wurde. Immerhin mehrere hundert Tonnen. "Dass das FFH-Gebiet tangiert wurde, war mit Sicherheit keine Absicht. Es war uns in dem Moment gar nicht bewusst", sagt Frick.

Für Martin Bauer, den Vorsitzenden des Naturschutzbundes in Nordwestmecklenburg, trotzdem unfassbar. Denn in diesem sensiblen Gebiet wachsen seltene Pflanzen, wie zum Beispiel Milchkraut und Meersenf. Liegt allerdings Seegras auf den Pflanzen, zerstört es das Biotop, sagt Bauer.

"Durch den Lichtentzug verschwinden die Pflanzenarten sofort. Und die Tiere, die sich dort eingefunden haben, die profitieren auch nicht unbedingt davon." Deshalb hat sich inzwischen auch Frank Scholz vom Umweltamt des Kreises Nordwestmecklenburg eingeschaltet. "In FFH-Gebieten ist es nicht gestattet, die Lebensgrundlagen zu verändern. Das ist der Grund, weshalb es unzulässig ist, dort etwas abzulagern."

Diesmal, sagt Scholz, kommt die Gemeinde Poel noch mit einem blauen Auge davon. Spätestens bis Oktober muss das Seegras allerdings von den FFH-Flächen weg sein. Sonst droht ein Bußgeld.

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